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Das Comeback der Schwellenländeranleihen


28.09.16 11:56
GAM

Berlin (www.anleihencheck.de) - "Lower for Longer" - dieses Schlagwort fällt aktuell häufig, wenn es um Anleihen aus entwickelten Industrieländern geht: Die meisten Investoren haben sich offenbar damit abgefunden, dass das Niedrigzinsumfeld noch eine Weile andauern wird, so die Experten von GAM.

Kein Wunder also, dass Schwellenländeranleihen für viele Anleger zunehmend attraktiv würden, schließlich würden diese auch heute noch attraktive Renditen bieten. Das habe sich in den vergangenen Monaten bereits in guten Erträgen niedergeschlagen.

Paul McNamara, Investment Director für Emerging Markets Debt bei GAM, sehe dennoch weiteres Aufwärtspotenzial. "Die Wirtschaft der Schwellenländer ist heute so robust wie seit Jahren nicht mehr. Ein scharfer Rückgang des Kreditwachstums hat die Nachfrage nach Importen gebremst. Daher befinden sich die Handelsbilanzen trotz einer schwachen Nachfrage aus den Industrieländern und China im Gleichgewicht", erkläre der Experte.

Darüber hinaus kehre inzwischen auch wieder Kapital in die Schwellenländer zurück, sodass ein belastender Faktor für die dortigen Währungen wegfalle. Zudem hätten sich auch die Fremdwährungsreserven wieder stabilisiert. "Und schließlich glaube ich, dass Anleger nach wie vor die Wachstumsaussichten der Emerging Markets zu pessimistisch einschätzen", so McNamara.

In der Vergangenheit hätten sich Anlagen aus Schwellenländern immer dann besonders gut entwickelt, wenn es eine hohe Differenz zwischen dem Wachstum in Schwellenländern und den Industrieländern gegeben habe. "Wenn sich die Differenz ausweitet, führt dies in der Regel zu einer Outperformance der Schwellenländer", erläutere der Experte. "Ökonomen sagen genau dies für das Jahr 2017 voraus - aber wir glauben, dass sie das Outperformance-Potenzial der Schwellenländer noch unterschätzen."

Hinzu komme, dass auch die Renditen von Schwellenländeranleihen gegenwärtig sehr attraktiv seien, insbesondere weil Staatsanleihen im Wert von mehr als 12 Billionen US-Dollar negative Renditen aufwiesen. So weise etwa der J.P. Morgen Emerging Markets Local Bond Index eine mittlere Rendite von 6,2 Prozent auf. Dies entspreche einem Aufschlag von mehr als 5 Prozent im Vergleich zu US-Staatsanleihen und 6,6 Prozent im Vergleich zu deutschen Bundesanleihen.

"Dieser Spread wirkt nicht nur verlockend", sage McNamara. "Die zusätzliche Rendite bietet auch einen Schutz für den Fall, dass die Anleiherenditen steigen und die Kurse fallen. Treasuries und Bundesanleihen gelten zwar als risikolos - doch das werden sie nicht sein, wenn sich das globale Wachstum erholt, die Inflationsraten steigen und die Zentralbanken ihre außergewöhnlich lockere Geldpolitik zurückfahren."

Für besonders attraktiv halte der Fondsmanager derzeit Anleihen in Lokalwährung. Sie dürften McNamara zufolge weniger empfindlich auf steigende Renditen bei Anleihen aus den Industrieländern reagieren. Zudem seien viele Investoren bereits stark in Hartwährungsanleihen aus Schwellenländern engagiert.

"Der wichtigste Faktor wird aber die Entwicklung der Schwellenländerwährungen sein", erkläre McNamara. "Das bereits skizzierte Anziehen des Wirtschaftswachstums sollte die Währungen stützen und es Anlegern ermöglichen, die höheren Renditen von Lokalwährungsanleihen zu vereinnahmen. Unsere Analyse zeigt, dass Hartwährungsanleihen sich besser entwickeln als Lokalwährungsanleihen, wenn das Wachstum positiv, aber gering ist. Dagegen entwickeln sich Lokalwährungsanleihen immer dann besonders gut, wenn das Wachstum anzieht - und genau das erwarten wir." (28.09.2016/alc/a/a)