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Christine "Trichet" Lagarde steckt fest zwischen Inflation und Rezession
21.09.23 10:45
Eric Sturdza Investments
Genf (www.anleihencheck.de) - Kaum war die Entscheidung der Europäischen Zentralbank veröffentlicht, wurde sie von Kommentatoren als "dovish hike" bezeichnet, so Eric Vanraes, Portfoliomanager des Strategic Bond Opportunities Fund bei Eric Sturdza Investments.
Viele hätten angesichts der sich abschwächenden Konjunktur in der Eurozone eine Pause im Zinserhöhungszyklus der EZB erwartet. Die EZB unterscheide sich von der Federal Reserve durch einen direkteren und vor allem weniger nuancierten Ansatz.
Sollte nicht etwas Unvorhergesehenes geschehen, sei dies nach Ansicht der EZB die letzte Zinserhöhung vor einer langen Pause auf dem derzeitigen Zinsniveau. Die Inflation habe einen Stand erreicht, der diese restriktive geldpolitische Entscheidung rechtfertige. Aber, die EZB spiele mit dem Feuer, da die Konjunkturabschwächung in einigen Regionen bereits zu einer Rezession geführt habe. EZB-Präsidentin Christine Lagarde und ihr Ausschuss würden nun Gefahr laufen, dass schlecht getimte Vorgehen von Jean-Claude Trichet vom Juli 2008 zu wiederholen. Damals habe die EZB die Zinsen zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt angehoben, um der Inflation entgegenzuwirken - kurz vor der großen Finanzkrise.
Eine Politik der Zinserhöhungen zu Beginn einer Rezession fortzusetzen, erscheine ziemlich unbedacht. Aber zu behaupten, dies sei die letzte Erhöhung, wenn die Inflation noch nicht eingedämmt sei und Rohöl wieder mit der 100 Dollar Marke pro Barrel flirte, könne bedeuten, die Rechnung ohne den Wirt zu machen. Angesichts der Wachstumsprognosen für die Eurozone sei es unwahrscheinlich, dass die bärischen Anleihemärkte deutlich steigen würden. Eine 10-jährige Bundesanleihe mit einer Rendite von 2,75% scheine einen guten Einstiegszeitpunkt zu bieten für Anleger, die wieder in langlaufende europäische Staatsanleihen investieren wollten.
Sei die FED auf dem gleichen Weg wie die EZB?
Eine weitere Zinserhöhung durch die von den Daten abhängigen Zentralbanker in Washington am 1. November sei durchaus denkbar. Die FED könne ihrem europäischen Pendant aus zwei Gründen nicht folgen: Der erste Grund - der allein schon ausreichen würde - sei die makroökonomische Situation. Die Inflation scheine in den USA besser unter Kontrolle zu sein, während sich das Wachstum nicht gefährlich abschwäche. Deshalb seien die Märkte nicht immun gegen die Idee einer sanften Landung. Da sich der Arbeitsmarkt trotz der jüngsten leichten Abschwächung immer noch in guter Verfassung befinde, habe die FED durchaus Spielraum für eine restriktive Politik.
Der zweite Grund, warum die FED nicht zu früh einen Sieg verkünden sollte, sei politischer Natur. Sollte die Regierung Biden aus wahltaktischen Gründen im Jahr 2024 eine noch lockerere Fiskalpolitik verfolgen, müsste eine solche zusätzliche Unterstützung für den Verbraucher durch noch höhere Zinssätze seitens der Zentralbank ausgeglichen werden.
Disclaimer: Die hierin enthaltenen Ansichten und Aussagen seien die der Banque Eric Sturdza SA in ihrer Eigenschaft als Anlageberater des Strategic Bond Opportunities Fund vom 18. September 2023 und würden auf internen Recherchen und Modellierungen beruhen. (21.09.2023/alc/a/a)
Viele hätten angesichts der sich abschwächenden Konjunktur in der Eurozone eine Pause im Zinserhöhungszyklus der EZB erwartet. Die EZB unterscheide sich von der Federal Reserve durch einen direkteren und vor allem weniger nuancierten Ansatz.
Sollte nicht etwas Unvorhergesehenes geschehen, sei dies nach Ansicht der EZB die letzte Zinserhöhung vor einer langen Pause auf dem derzeitigen Zinsniveau. Die Inflation habe einen Stand erreicht, der diese restriktive geldpolitische Entscheidung rechtfertige. Aber, die EZB spiele mit dem Feuer, da die Konjunkturabschwächung in einigen Regionen bereits zu einer Rezession geführt habe. EZB-Präsidentin Christine Lagarde und ihr Ausschuss würden nun Gefahr laufen, dass schlecht getimte Vorgehen von Jean-Claude Trichet vom Juli 2008 zu wiederholen. Damals habe die EZB die Zinsen zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt angehoben, um der Inflation entgegenzuwirken - kurz vor der großen Finanzkrise.
Sei die FED auf dem gleichen Weg wie die EZB?
Eine weitere Zinserhöhung durch die von den Daten abhängigen Zentralbanker in Washington am 1. November sei durchaus denkbar. Die FED könne ihrem europäischen Pendant aus zwei Gründen nicht folgen: Der erste Grund - der allein schon ausreichen würde - sei die makroökonomische Situation. Die Inflation scheine in den USA besser unter Kontrolle zu sein, während sich das Wachstum nicht gefährlich abschwäche. Deshalb seien die Märkte nicht immun gegen die Idee einer sanften Landung. Da sich der Arbeitsmarkt trotz der jüngsten leichten Abschwächung immer noch in guter Verfassung befinde, habe die FED durchaus Spielraum für eine restriktive Politik.
Der zweite Grund, warum die FED nicht zu früh einen Sieg verkünden sollte, sei politischer Natur. Sollte die Regierung Biden aus wahltaktischen Gründen im Jahr 2024 eine noch lockerere Fiskalpolitik verfolgen, müsste eine solche zusätzliche Unterstützung für den Verbraucher durch noch höhere Zinssätze seitens der Zentralbank ausgeglichen werden.
Disclaimer: Die hierin enthaltenen Ansichten und Aussagen seien die der Banque Eric Sturdza SA in ihrer Eigenschaft als Anlageberater des Strategic Bond Opportunities Fund vom 18. September 2023 und würden auf internen Recherchen und Modellierungen beruhen. (21.09.2023/alc/a/a)
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