Erweiterte Funktionen
Christine Lagarde ist mehr Politikerin als Zentralbankerin
12.12.19 15:00
TARGOBANK
Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Große geldpolitische Entscheidungen konnte die EZB unter ihrer neuen Präsidentin Christine Lagarde heute nicht treffen, so Dr. Otmar Lang, Chefvolkswirt der TARGOBANK.
Dafür habe der Altpräsident Draghi im September das Korsett mit seinem Zinslockerungsbeschluss und der Neuauflage breiter Anleihekäufe zu eng geknüpft. Ein Ausbrechen aus diesem Rahmen scheine auch für lange Zeit - möglicherweise bis übernächstes Jahr - nicht möglich zu sein.
Dennoch brodele es innerhalb der EZB. Frau Lagarde habe in ihrer noch jungen Amtszeit bereits zwei große Themen angestoßen:
Zum einen plane sie eine Überprüfung der EZB-Strategie. Dabei gehe es um die mögliche Neudefinition des Inflationsziels und ob in diesem Zusammenhang die zweite Säule der geldpolitischen Strategie - die monetäre Analyse - aufgegeben werden solle.
Letzteres wäre allerdings ein heftiger Affront, weil die monetäre Analyse gerade in den ehemaligen DM-Block-Ländern noch viele Anhänger habe.
Zum anderen möchte Frau Lagarde den Klimawandel als Thema in der EZB-Politik verankern.
Mit einer impliziten oder auch expliziten Ausrichtung der EZB-Geldpolitik am Klimawandel (z.B. beim Ankauf von Anleihen im Rahmen des aktuellen QE-Programms) würde sie bei vielen Ökonomen auf heftigen Widerstand stoßen. Und das, obwohl niemand widersprechen würde, dass Klimaveränderungen in die wirtschaftlichen Prognosen einfließen müssten.
Es werde bereits jetzt ersichtlich, dass Frau Lagarde ihre Rolle als EZB-Präsidentin wahrscheinlich mehr als Politikerin und weniger als Zentralbankerin ausfüllen werde. Sie sei bei ihrer grünen Offensive in den letzten Wochen ruhiger geworden und habe auch richtig erkannt, dass die EZB eine immense Verantwortung habe. Es bleibe zu wünschen, dass sie die von ihr kürzlich zitierte Redensart: "Das Vertrauen kommt zu Fuß, aber verschwindet bisweilen auf Pferden" selbst beherzige.
Zentralbankpolitik sei kein schnelllebiges politisches Geschäft, das Modetrends folge, sondern bedürfe einer großen Gelassenheit und einer stabilen Verankerung in langfristig festgelegten Regeln. Wenn sie sich daran halte, wäre sie als Politikerin an der Spitze einer Zentralbankbehörde sicherlich eine willkommene Bereicherung. Die Premiere der neuen EZB-Präsidentin sei schon mal gelungen. (12.12.2019/alc/a/a)
Dafür habe der Altpräsident Draghi im September das Korsett mit seinem Zinslockerungsbeschluss und der Neuauflage breiter Anleihekäufe zu eng geknüpft. Ein Ausbrechen aus diesem Rahmen scheine auch für lange Zeit - möglicherweise bis übernächstes Jahr - nicht möglich zu sein.
Dennoch brodele es innerhalb der EZB. Frau Lagarde habe in ihrer noch jungen Amtszeit bereits zwei große Themen angestoßen:
Zum einen plane sie eine Überprüfung der EZB-Strategie. Dabei gehe es um die mögliche Neudefinition des Inflationsziels und ob in diesem Zusammenhang die zweite Säule der geldpolitischen Strategie - die monetäre Analyse - aufgegeben werden solle.
Zum anderen möchte Frau Lagarde den Klimawandel als Thema in der EZB-Politik verankern.
Mit einer impliziten oder auch expliziten Ausrichtung der EZB-Geldpolitik am Klimawandel (z.B. beim Ankauf von Anleihen im Rahmen des aktuellen QE-Programms) würde sie bei vielen Ökonomen auf heftigen Widerstand stoßen. Und das, obwohl niemand widersprechen würde, dass Klimaveränderungen in die wirtschaftlichen Prognosen einfließen müssten.
Es werde bereits jetzt ersichtlich, dass Frau Lagarde ihre Rolle als EZB-Präsidentin wahrscheinlich mehr als Politikerin und weniger als Zentralbankerin ausfüllen werde. Sie sei bei ihrer grünen Offensive in den letzten Wochen ruhiger geworden und habe auch richtig erkannt, dass die EZB eine immense Verantwortung habe. Es bleibe zu wünschen, dass sie die von ihr kürzlich zitierte Redensart: "Das Vertrauen kommt zu Fuß, aber verschwindet bisweilen auf Pferden" selbst beherzige.
Zentralbankpolitik sei kein schnelllebiges politisches Geschäft, das Modetrends folge, sondern bedürfe einer großen Gelassenheit und einer stabilen Verankerung in langfristig festgelegten Regeln. Wenn sie sich daran halte, wäre sie als Politikerin an der Spitze einer Zentralbankbehörde sicherlich eine willkommene Bereicherung. Die Premiere der neuen EZB-Präsidentin sei schon mal gelungen. (12.12.2019/alc/a/a)


