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Chinas Zinssenkung überrascht
14.06.23 09:30
BNY Mellon IM
Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Aninda Mitra, Head of Asia Macro & Investment Strategy bei BNY Mellon Investment Management, kommentiert Chinas überraschende Zinssenkung.
Die People's Bank of China (PBoC) habe gestern überraschend ihren 7-Tage-Repo-Satz um 10 Basispunkte auf 1,90% gesenkt, nachdem sie in der vergangenen Woche bereits geldpolitische Lockerungsmaßnahmen angedeutet habe. Die Zentralbank habe außerdem großen Kreditgebern empfohlen, ihre 12-Monats- und längerfristigen Einlagenzinsen zu senken, um den Konsum anzukurbeln.
Die überraschende Lockerung erfolge inmitten eines stockenden Aufschwungs der Wirtschaft. Chinas Wirtschaft sei im ersten Quartal mit einer Jahresrate von 4,5% und einer vierteljährlichen (saisonbereinigten) Rate von 2% gewachsen. Dies möge den Anschein erwecken, dass das offizielle Wachstumsziel von 5% für 2023 (in Q2-Q4 werde nur noch 1% pro Quartal benötigt) leicht zu erreichen sei. Doch die Wirtschaft sei ins Stocken geraten und die seit Jahresbeginn verzeichneten Zuwächse bei den Investitionen und der Industrieproduktion lägen deutlich unter der angestrebten jährlichen Wachstumsrate von 5%. Ein erneuter Abschwung im Immobiliensektor und ein stotterndes Verarbeitendes Gewerbe hätten, neben dem schwachen Vertrauen der Unternehmen, deutliche Spuren hinterlassen.
Noch besorgniserregender sei, dass die Preise in der gesamten Wirtschaft in die Deflation abgerutscht seien: Die Erzeugerpreise lägen bei fast -5% im Jahresvergleich und die Verbraucherpreise seien gegenüber dem Vorjahr praktisch unverändert. Dies stelle eine erhebliche Belastung für die Unternehmensgewinne und die Preissetzungsmacht dar und könnte zusammen mit der hohen Verschuldung der Unternehmen die Wirtschaft insgesamt in eine sich verschärfende Vertrauens-Desinflations-Liquiditäts-Falle führen.
Der Konsum und der Dienstleistungssektor würden Lichtblicke bleiben, aber der Aufschwung in diesen Bereichen der chinesischen Wirtschaft werde für sich genommen nicht ausreichen, um die Wirtschaft anzukurbeln.
Vor diesem Hintergrund sollte die gestrige Zinssenkung als Teil eines größeren Pakets anstehender Konjunkturmaßnahmen zur Wiederbelebung des stockenden Aufschwungs betrachtet werden. Die Experten von BNY Mellon Investment Management würden denken, dass zusätzliche Maßnahmen wahrscheinlich eine weitere Senkung der gesamten Zinsstruktur - einschließlich der mittelfristigen Kreditfazilität (MLF) und des Leitzinses (LPR) - umfassen würden. Sie würden wahrscheinlich auch größere fiskalische Unterstützungsmaßnahmen beinhalten.
Die Marktreaktion sei eher gedämpft gewesen. Onshore-Aktien und der Hang Seng seien über den Tag um etwa 0,3% gestiegen und hinter anderen regionalen Börsen zurückgeblieben. Die Reaktion am Markt für chinesische Staatsanleihen (CGB) sei ebenfalls nicht sehr ausgeprägt gewesen, da die Renditen über die gesamte Kurve hinweg (nur) um etwa 3 bis 4 Basispunkte gesunken seien. In der Zwischenzeit habe der CNY seinen Ausverkauf fortgesetzt und 7,18/USD erreicht, womit er im MTD um 1,5% und im YTD um 3,6% schwächer notiert habe (nach dem Malaysischen Ringgit die zweitschlechteste Entwicklung in den asiatischen Schwellenländern).
Die Experten von BNY Mellon Investment Management würden gegenüber chinesischen Aktien und festverzinslichen Wertpapieren neutral bleiben. Im vergangenen Monat hätten die Experten Übergewichtung chinesischer Aktien aufgrund der sich verschärfenden Deflation zurückgenommen. Chinesische Aktien könnten die Bewertungslücke zu anderen Börsen immer noch verkleinern, wenn ein breiteres Konjunkturpaket Gestalt annehme. Solange die Konturen eines umfassenderen Konjunkturpakets und dessen Finanzierungspläne nicht klarer würden, würden die Experten von BNY Mellon Investment Management dazu neigen, übermäßige kurzfristige Kursanstiege bei chinesischen Staatsanleihen (CGB) zu ignorieren und neutral zu bleiben. Die Experten würden DM-Staatsanleihen (vor allem US-Treasuries) aufgrund der viel höheren Renditen, des Inflationshöhepunkts und der relativ höheren Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den kommenden Monaten und Quartalen bevorzugen.
Die Experten von BNY Mellon Investment Management würden vorerst skeptisch gegenüber dem CNY bleiben, der die Hauptlast der großen Zinsdifferenzen tragen könnte, falls die US-Inflation nach oben überrasche oder die FED früher oder stärker anhebe, als derzeit in den FED Funds Futures eingepreist sei. Solange in Peking kein umfassenderes Konjunkturpaket geschnürt werde, bleibe der CNY zudem anfällig und könnte bei einer Abschwächung der Konjunktur und des nominalen Wachstums nach unten (über 7,3/USD) hinausschießen. (Ausgabe vom 13.06.2023) (14.06.2023/alc/a/a)
Die People's Bank of China (PBoC) habe gestern überraschend ihren 7-Tage-Repo-Satz um 10 Basispunkte auf 1,90% gesenkt, nachdem sie in der vergangenen Woche bereits geldpolitische Lockerungsmaßnahmen angedeutet habe. Die Zentralbank habe außerdem großen Kreditgebern empfohlen, ihre 12-Monats- und längerfristigen Einlagenzinsen zu senken, um den Konsum anzukurbeln.
Die überraschende Lockerung erfolge inmitten eines stockenden Aufschwungs der Wirtschaft. Chinas Wirtschaft sei im ersten Quartal mit einer Jahresrate von 4,5% und einer vierteljährlichen (saisonbereinigten) Rate von 2% gewachsen. Dies möge den Anschein erwecken, dass das offizielle Wachstumsziel von 5% für 2023 (in Q2-Q4 werde nur noch 1% pro Quartal benötigt) leicht zu erreichen sei. Doch die Wirtschaft sei ins Stocken geraten und die seit Jahresbeginn verzeichneten Zuwächse bei den Investitionen und der Industrieproduktion lägen deutlich unter der angestrebten jährlichen Wachstumsrate von 5%. Ein erneuter Abschwung im Immobiliensektor und ein stotterndes Verarbeitendes Gewerbe hätten, neben dem schwachen Vertrauen der Unternehmen, deutliche Spuren hinterlassen.
Noch besorgniserregender sei, dass die Preise in der gesamten Wirtschaft in die Deflation abgerutscht seien: Die Erzeugerpreise lägen bei fast -5% im Jahresvergleich und die Verbraucherpreise seien gegenüber dem Vorjahr praktisch unverändert. Dies stelle eine erhebliche Belastung für die Unternehmensgewinne und die Preissetzungsmacht dar und könnte zusammen mit der hohen Verschuldung der Unternehmen die Wirtschaft insgesamt in eine sich verschärfende Vertrauens-Desinflations-Liquiditäts-Falle führen.
Vor diesem Hintergrund sollte die gestrige Zinssenkung als Teil eines größeren Pakets anstehender Konjunkturmaßnahmen zur Wiederbelebung des stockenden Aufschwungs betrachtet werden. Die Experten von BNY Mellon Investment Management würden denken, dass zusätzliche Maßnahmen wahrscheinlich eine weitere Senkung der gesamten Zinsstruktur - einschließlich der mittelfristigen Kreditfazilität (MLF) und des Leitzinses (LPR) - umfassen würden. Sie würden wahrscheinlich auch größere fiskalische Unterstützungsmaßnahmen beinhalten.
Die Marktreaktion sei eher gedämpft gewesen. Onshore-Aktien und der Hang Seng seien über den Tag um etwa 0,3% gestiegen und hinter anderen regionalen Börsen zurückgeblieben. Die Reaktion am Markt für chinesische Staatsanleihen (CGB) sei ebenfalls nicht sehr ausgeprägt gewesen, da die Renditen über die gesamte Kurve hinweg (nur) um etwa 3 bis 4 Basispunkte gesunken seien. In der Zwischenzeit habe der CNY seinen Ausverkauf fortgesetzt und 7,18/USD erreicht, womit er im MTD um 1,5% und im YTD um 3,6% schwächer notiert habe (nach dem Malaysischen Ringgit die zweitschlechteste Entwicklung in den asiatischen Schwellenländern).
Die Experten von BNY Mellon Investment Management würden gegenüber chinesischen Aktien und festverzinslichen Wertpapieren neutral bleiben. Im vergangenen Monat hätten die Experten Übergewichtung chinesischer Aktien aufgrund der sich verschärfenden Deflation zurückgenommen. Chinesische Aktien könnten die Bewertungslücke zu anderen Börsen immer noch verkleinern, wenn ein breiteres Konjunkturpaket Gestalt annehme. Solange die Konturen eines umfassenderen Konjunkturpakets und dessen Finanzierungspläne nicht klarer würden, würden die Experten von BNY Mellon Investment Management dazu neigen, übermäßige kurzfristige Kursanstiege bei chinesischen Staatsanleihen (CGB) zu ignorieren und neutral zu bleiben. Die Experten würden DM-Staatsanleihen (vor allem US-Treasuries) aufgrund der viel höheren Renditen, des Inflationshöhepunkts und der relativ höheren Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den kommenden Monaten und Quartalen bevorzugen.
Die Experten von BNY Mellon Investment Management würden vorerst skeptisch gegenüber dem CNY bleiben, der die Hauptlast der großen Zinsdifferenzen tragen könnte, falls die US-Inflation nach oben überrasche oder die FED früher oder stärker anhebe, als derzeit in den FED Funds Futures eingepreist sei. Solange in Peking kein umfassenderes Konjunkturpaket geschnürt werde, bleibe der CNY zudem anfällig und könnte bei einer Abschwächung der Konjunktur und des nominalen Wachstums nach unten (über 7,3/USD) hinausschießen. (Ausgabe vom 13.06.2023) (14.06.2023/alc/a/a)


