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Chinas Wirtschaft schwankt etwas - Fördernde Maßnahmen erwartet


18.09.25 09:15
Julius Bär Holding

Zürich (www.anleihencheck.de) - Das Wachstum der chinesischen Einzelhandelsumsätze und der Industrieproduktion blieb hinter den Erwartungen zurück, sagt Magdalene Teo, Analystin für asiatische Anleihen bei Julius Bär:

Die Immobilienpreise seien weiter gefallen, die Arbeitslosigkeit sei gestiegen. Angesichts externer Herausforderungen wie zunehmendem Protektionismus und anderen Problemen hielten wir es für möglich, dass in den verbleibenden Monaten 2025 weitere unterstützende Maßnahmen, insbesondere zur Ankurbelung des Konsums, ergriffen würden, um das BIP-Wachstumsziel von rund 5 % zu erreichen.

Die Rendite 10-jähriger chinesischer Staatsanleihen sei erneut gesunken, nachdem sie letzte Woche ihren höchsten Stand seit März erreicht habe. Grund dafür seien die Daten für August. Nach Angaben des Nationalen Statistikamtes seien die Einzelhandelsumsätze in China im August um 3,4 % gegenüber dem Vorjahr gestiegen, die Industrieproduktion um 5,2 %. Die im Vergleich zum Juli niedrigeren Zahlen spiegelten eine deutliche Abschwächung der Wirtschaftstätigkeit wider, seien aber auch auf den hohen Vergleichswert im letzten Jahr zurückzuführen, als die Regierung groß angelegte Programme zur Modernisierung von Anlagen und für den Eintausch von Konsumgütern eingeführt habe.

Die Investitionen in Sachanlagen seien in den ersten acht Monaten des Jahres nur um 0,5 % gestiegen, nach 1,6 % im Zeitraum Januar bis Juli. Dies sei auch der schlechteste Wert für diesen Zeitraum seit Beginn der Aufzeichnungen, mit Ausnahme der Pandemie im Jahr 2020. Die Preise für neue Wohnungen seien im August weiter zurückgegangen, insbesondere außerhalb der Tier-1-Städte. Die Abschwächung der Wirtschaftstätigkeit seit Juli folge auf ein starkes erstes Halbjahr 2025, in dem die Exporte aufgrund der Vorverlegung von Lieferungen vor Inkrafttreten der höheren Zölle und der Gewährung von Eintauschrabatten für Verbraucher geboomt hätten. Die Arbeitslosenquote in den Städten habe im August bei 5,3 % gelegen und damit 0,1 Prozentpunkte höher als im Vormonat. Letzte Woche hätten auch die Daten zum Verbraucherpreisindex (CPI) und zum Erzeugerpreisindex (PPI) gezeigt, dass sowohl die Verbraucher- als auch die Fabrikpreise im negativen Bereich gelegen hätten.

An der Börse hätten der Hang Seng Index und der Shanghai Composite Index trotz der Konjunkturabschwächung zugelegt. Der Boom an den Aktienmärkten und Änderungen der Steuerregelungen für Kupons bei neuen Anleiheemissionen hätten zu einer Rekordrücknahme von Anleihefonds und zu Mittelzuflüssen in Aktienfonds geführt.

Die Anleiherenditen seien diese Woche niedriger, da die Daten für August die Markterwartungen verstärkt hätten, dass die Politik weitere Konjunkturmaßnahmen ergreifen könne, um dem Abwärtsdruck entgegenzuwirken. Maßnahmen erfolgten in Form von niedrigeren Zinsen, fiskalischen Impulsen und verstärkten Bemühungen zur Stabilisierung des Immobilienmarktes. China habe sein Wachstumsziel trotz zahlreicher Herausforderungen unverändert bei 5 % belassen. Unterdessen hätten die USA ihre Verbündeten aufgefordert, China wegen seines Ölhandels mit Russland mit Zöllen zu belegen. Mexiko habe vorgeschlagen, Zölle von bis zu 50 % auf Importe aus China zu erheben. (Ausgabe vom 17.09.2025) (18.09.2025/alc/a/a)