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China: Stimulus-Pakete scheinen allmählich zu wirken


28.09.23 16:30
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Der ersehnte wirtschaftliche Aufschwung in China nach der Aufhebung der restriktiven COVID-19-Maßnahmen erwies sich als kurzlebig, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.

Die Prognose für das dritte Quartal von 0,8% QoQ deute darauf hin, dass die chinesische Wirtschaft sich in der zweiten Jahreshälfte stabilisieren werde. Die Analysten würden weiterhin davon ausgehen, dass das von der chinesischen Führung für das Jahr 2023 festgelegte Wachstums-Ziel von 5% erreicht werden könne. Für 2024 würden die Analysten jedoch ein Wachstum von lediglich 2,8% erwarten, denn China würden weiterhin strukturelle Probleme, wie etwa die ungünstige Demographie, der taumelnde Bausektor und das hitzige geostrategische Umfeld (De-Risking) plagen.

Der Dienstleistungssektor spiele in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt eine entscheidende Rolle. Seit Beginn des Jahres habe der Sektor von Nachholeffekten profitiert, die die Chinesen in Bezug auf Reisen, Restaurantbesuche etc. vorgenommen hätten. Zwar wachse die Aktivität im Dienstleistungssektor noch bei einem PMI von 51,8 im August, jedoch verlangsame sich das Wachstum inmitten des zunehmenden Abwärtsdrucks auf die Wirtschaft. Dabei sei es bemerkenswert, dass die Einzelhandelszahlen im August mit 4,6% auf Jahresbasis stärker als erwartet (Konsensschätzung: 3%) gewachsen seien.

Das Verarbeitende Gewerbe könne jedoch hoffnungsvollere Signale senden. Nach zuletzt schwachen Zahlen scheine sich nun auch der PMI mit 51,6 Indexpunkten im August auf Wachstum einzustellen. Der zunehmende Energiehunger mache sich unter anderem auch an den Rohstoffmärkten bemerkbar. So sei der Preis für die Rohölsorte Brent auf das Zehn-Monatshoch von knapp 95 USD/Barrel angestiegen. Das starke Wachstum der Industrieproduktion für den August habe die Entwicklung mit einem Wachstum von 4,5% YoY bestätigt (Konsensschätzung: 3,9%).

Der Immobilienmarkt Chinas befinde sich in einer schweren Krise. Es seien hohe Leerstandsraten, kollabierende Immobilienentwickler und sinkende Preise (August: -0,6% YoY), die den Markt belasten würden. Nachdem Peking die Finanzierungsbedingungen für Immobilien erleichtert habe, sei in den kommenden Monaten eine leichte Erholung zu erwarten. Diese dürfte aber nicht nachhaltig sein, da das Vertrauen und das Einkommen der Haushalte leide.

Die Stimulus-Pakete der chinesischen Führung scheinen allmählich zu wirken. Es bleibe eine Herausforderung die Pakete so zu schnüren, dass sie das Wachstum spürbar anrege, ohne die Schuldenprobleme der Provinzen zu verschärfen und die Immobilienmarktblase nicht platzten lasse. (Finanzmarkttrends September 2023) (28.09.2023/alc/a/a)