China: Inflationsrate von 1,9% sorgt für wenig Handlungsdruck an der Zinsfront


28.11.17 11:15
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Nachdem die chinesische Volkswirtschaft in den Sommermonaten überraschend stark mit 6,8% Y/Y gewachsen war, sind die bisher veröffentlichten Zahlen zur Wirtschaftsleistung im 4. Quartal tendenziell als enttäuschend zu bewerten, so Georg Händel und Dr. Stefan Große von der Nord LB.

Während der etwas geringere Anstieg der Anlageinvestitionen in Höhe von 7,3% Y/Y antizipiert worden sei (September: 7,5%), seien die Industrieproduktion und insbesondere die Einzelhandelsumsätze doch deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Der PMI Manufacturing Einkaufsmanagerindex habe für Oktober beim Industrieoutput bereits einen Wachstumsrückgang von +6,6% Y/Y im September auf nunmehr +6,2% angedeutet. Die Einzelhandelsumsätze seien um 10,0% Y/Y gestiegen, erwartet worden seien 10,5%.

Der Abbau von Überkapazitäten und der Verschuldung bleibe ein Hauptanliegen der politischen Entscheidungsträger im Reich der Mitte. Erst kürzlich hätten verschiedene Aufsichtsbehörden strengere Regularien zum Umgang mit den besonders rasant angestiegenen und risikobehafteten Vermögensprodukten erlassen. Weitere restriktivere Maßnahmen zur Liquiditätssteuerung und regulatorische Anpassungen durch die People's Bank of China erscheinen möglich, wir erwarten im aktuellen Umfeld jedoch keine Erhöhung des Leitzinssatzes, so die Analysten der Nord LB. Die für Oktober vermeldete Inflationsrate in Höhe von 1,9% gegenüber dem Vorjahr sorge auch für wenig Handlungsdruck an der Zinsfront. Der Renminbi habe zuletzt gegenüber dem US-Dollar etwas an Wert zulegen können, was jedoch eher an der Schwäche der US-Währung gelegen habe.

Auf der politischen Bühne werde Staatspräsident Xi Jinping bestrebt sein, die Rolle des Staates und der Partei in der Wirtschaft auszubauen und die globale Position Chinas zu stärken. Eine zu starke Einschränkung der Kreditvergabe könnte allerdings die Wirtschaftsaktivität hemmen. Die Oktoberdaten deuten dem her auch auf die von den Analysten der Nord LB erwartete konjunkturelle Verlangsamung im 4. Quartal hin. Die Analysten würden mit etwas geringeren Wachstumsraten für die kommenden Quartale rechnen, wenngleich ein Abrutschen unter die Marke von 6,0% nicht zu erwarten sei. (Ausgabe vom 27.11.2017) (28.11.2017/alc/a/a)