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Chile: Inflationsrückgang ermöglicht deutliche Lockerung der Geldpolitik
17.08.23 09:00
DekaBank
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Chilenische Zentralbank hat als erste große lateinamerikanische Zentralbanken mit der Lockerung der Geldpolitik begonnen, so die Analysten der DekaBank.
Und sie habe dies mit einem Paukenschlag getan: Am 28. Juli habe sie den Leitzins um ganze 100 Basispunkte auf 10,25% gesenkt - stärker als erwartet. Zuvor habe sich die Zentralbank gezwungen gesehen, den Leitzins auf das höchste Niveau seit den Neunzigerjahren anzuheben, um die hohe Inflation zu bekämpfen. Um die negativen Folgen der Corona-Pandemie abzufedern, habe das Parlament es der Bevölkerung ermöglicht, Abhebungen aus den privaten Pensionskassen zu tätigen, um den Konsum anzukurbeln. Dies sei gegen den Widerstand der Regierung und trotz der Warnungen der Zentralbank geschehen, die die Geldpolitik deutlich habe straffen müssen.
Die Straffung der Geldpolitik trage nun Früchte: Die Inflationsrate habe sich seit vergangenem Winter halbiert. Sie habe im Juli bei 6,5% gelegen und dürfte weiter zurückgehen, allerdings in langsamerem Tempo, sodass sie erst im kommenden Jahr wieder in den Toleranzbereich der Zentralbank (3% +/- 1%-Punkt) zurückkehren dürfte. Allerdings bleibe die Geldpolitik auf dem aktuellen Niveau deutlich restriktiv und dürfte weiter gelockert werden, sodass sie auf Sicht der nächsten zwölf Monaten auf unter 6% fallen sollte.
Die wirtschaftliche Aktivität habe sich deutlich abgekühlt. Für das gesamte Jahr 2023 dürfte die chilenische Wirtschaft insgesamt nur stagnieren und nur langsam zurück zum Wachstum finden. Die Abschwächung der Inlandsnachfrage habe dazu beigetragen, dass die Leistungsbilanz nun wieder einen Überschuss aufweise. Der Chilenische Peso habe nach Zeiten größerer Volatilität im vergangenen Herbst wieder aufgewertet und zeige sich seit Anfang des Jahres deutlich stabiler, aber die starke Zinssenkung habe zu neuem Abwertungsdruck geführt.
Der linksgerichtete Präsident Gabriel Boric suche aktuell im Parlament Unterstützung für eine Steuerreform mit dem Ziel, höhere Einnahmen zu erzielen, um die ehrgeizigen Sozialprogramme zu finanzieren. Allerdings zeige das Parlament aktuell wenig Bereitschaft, die Regierung dabei zu unterstützen. Boric dürfte sich an die Haushaltsdisziplin halten und die Ausgabenprioritäten überdenken, wenn die Einnahmen aus dem Reformpaket hinter den Erwartungen zurückbleiben würden.
Chile dürfte in den kommenden Jahren keine totale Abkehr von der gewohnten stabilitätsorientierten Politik der vergangenen Jahrzehnte vornehmen. Doch die linksgerichtete Regierung habe klargemacht, dass sie auf die anhaltenden sozialen Spannungen mit einer Erhöhung der Sozialausgaben regieren wolle. Allerdings würden der Regierung dafür die nötigen Mehrheiten im Parlament fehlen. Die chilenische Wirtschaft habe sich nach der Überhitzung in den vergangenen Jahren nun deutlich abgekühlt und dürfte dieses Jahr stagnieren. Für die offene, exportorientierte und stark auf Bergbau ausgerichtete Wirtschaft seien der Kupferpreis und die Nachfrage aus China bestimmende externe Faktoren.
Chile verfüge über die beste Bonität Südamerikas. Das aktuelle Rating liege bei A (S&P), A2 (Moodys) bzw. A- (Fitch). In den vergangenen Jahren sei der Rating-Trend leicht negativ gewesen, aber aktuell würden alle drei Rating-Agenturen einen stabilen Ausblick vergeben. Die fiskalische Verschlechterung der letzten Jahre habe die Bonität belastet: Die öffentliche Verschuldung sei von etwa 25% des BIP vor der Corona-Pandemie auf zuletzt fast 40% des BIP angestiegen. Sie bleibe dennoch im internationalen Vergleich weiterhin moderat.
Noch bestehe Unklarheit über mögliche Budgetbelastungen durch Zusatzausgaben aus der neuen Verfassung. Ebenfalls problematisch für die Entwicklung der Bonität seien die anhaltenden sozialen Spannungen und die starke Rohstoffabhängigkeit. Positiv würden sich die soliden institutionellen Rahmenbedingungen auswirken. (Ausgabe vom 11.08.2023) (17.08.2023/alc/a/a)
Und sie habe dies mit einem Paukenschlag getan: Am 28. Juli habe sie den Leitzins um ganze 100 Basispunkte auf 10,25% gesenkt - stärker als erwartet. Zuvor habe sich die Zentralbank gezwungen gesehen, den Leitzins auf das höchste Niveau seit den Neunzigerjahren anzuheben, um die hohe Inflation zu bekämpfen. Um die negativen Folgen der Corona-Pandemie abzufedern, habe das Parlament es der Bevölkerung ermöglicht, Abhebungen aus den privaten Pensionskassen zu tätigen, um den Konsum anzukurbeln. Dies sei gegen den Widerstand der Regierung und trotz der Warnungen der Zentralbank geschehen, die die Geldpolitik deutlich habe straffen müssen.
Die Straffung der Geldpolitik trage nun Früchte: Die Inflationsrate habe sich seit vergangenem Winter halbiert. Sie habe im Juli bei 6,5% gelegen und dürfte weiter zurückgehen, allerdings in langsamerem Tempo, sodass sie erst im kommenden Jahr wieder in den Toleranzbereich der Zentralbank (3% +/- 1%-Punkt) zurückkehren dürfte. Allerdings bleibe die Geldpolitik auf dem aktuellen Niveau deutlich restriktiv und dürfte weiter gelockert werden, sodass sie auf Sicht der nächsten zwölf Monaten auf unter 6% fallen sollte.
Der linksgerichtete Präsident Gabriel Boric suche aktuell im Parlament Unterstützung für eine Steuerreform mit dem Ziel, höhere Einnahmen zu erzielen, um die ehrgeizigen Sozialprogramme zu finanzieren. Allerdings zeige das Parlament aktuell wenig Bereitschaft, die Regierung dabei zu unterstützen. Boric dürfte sich an die Haushaltsdisziplin halten und die Ausgabenprioritäten überdenken, wenn die Einnahmen aus dem Reformpaket hinter den Erwartungen zurückbleiben würden.
Chile dürfte in den kommenden Jahren keine totale Abkehr von der gewohnten stabilitätsorientierten Politik der vergangenen Jahrzehnte vornehmen. Doch die linksgerichtete Regierung habe klargemacht, dass sie auf die anhaltenden sozialen Spannungen mit einer Erhöhung der Sozialausgaben regieren wolle. Allerdings würden der Regierung dafür die nötigen Mehrheiten im Parlament fehlen. Die chilenische Wirtschaft habe sich nach der Überhitzung in den vergangenen Jahren nun deutlich abgekühlt und dürfte dieses Jahr stagnieren. Für die offene, exportorientierte und stark auf Bergbau ausgerichtete Wirtschaft seien der Kupferpreis und die Nachfrage aus China bestimmende externe Faktoren.
Chile verfüge über die beste Bonität Südamerikas. Das aktuelle Rating liege bei A (S&P), A2 (Moodys) bzw. A- (Fitch). In den vergangenen Jahren sei der Rating-Trend leicht negativ gewesen, aber aktuell würden alle drei Rating-Agenturen einen stabilen Ausblick vergeben. Die fiskalische Verschlechterung der letzten Jahre habe die Bonität belastet: Die öffentliche Verschuldung sei von etwa 25% des BIP vor der Corona-Pandemie auf zuletzt fast 40% des BIP angestiegen. Sie bleibe dennoch im internationalen Vergleich weiterhin moderat.
Noch bestehe Unklarheit über mögliche Budgetbelastungen durch Zusatzausgaben aus der neuen Verfassung. Ebenfalls problematisch für die Entwicklung der Bonität seien die anhaltenden sozialen Spannungen und die starke Rohstoffabhängigkeit. Positiv würden sich die soliden institutionellen Rahmenbedingungen auswirken. (Ausgabe vom 11.08.2023) (17.08.2023/alc/a/a)
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| 2,70 % | 1,90 % | 0,80 % | +42,11% | 24.04./22:00 |
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