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Chancen am Aktienmarkt - Anleihen aber interessanter


05.04.23 09:45
Aramea Asset Management

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Mit einem milden Wirtschaftsabschwung rechnet Felix Herrmann, Chefvolkswirtschaft und Portfoliomanager bei ARAMEA Asset Management.

Am Aktienmarkt sehe er dennoch Chancen, halte Anleihen insgesamt aber für interessanter - und plädiere trotz inverser Zinskurven für eine längere Laufzeit im Depot.

"Der Start ins Jahr 2023 war geprägt von gestiegenem Konjunkturoptimismus. Insbesondere die abrupte Wiedereröffnung der chinesischen Wirtschaft sorgte für Euphorie. Zu Beginn des zweiten Quartals ist die Beunruhigung zurück und gerade die Sorge vor einem großen Bankenkollaps treibt Ökonomen und Anleger gleichermaßen um. Wir halten die Probleme der bislang betroffenen Banken aber nicht für den Beginn einer neuen systemischen Krise.

Die Refinanzierungsbedingungen in der Eurozone haben sich durch die restriktive Geldpolitik seit Anfang 2022 erheblich verschärft - die Geldmengen gehen zurück. Erfahrungsgemäß dauert es ein bis zwei Jahre, bis die Folgen einer strafferen Geldpolitik in der Realwirtschaft zu spüren sind - und tatsächlich ist beispielsweise die Kreditvergabe in der Eurozone nun negativ. Es besteht also einerseits Grund zur Annahme, dass die Kerninflation zumindest nicht weiter steigt. Andererseits aber dürften sich die verbesserten konjunkturellen Stimmungsindikatoren als Fehlsignal erweisen: Eine zumindest moderate Rezession im weiteren Jahresverlauf ist nicht nur in Deutschland, sondern ebenso in den USA wahrscheinlich. Dafür sprechen auch die inversen Zinskurven.

Die Inflation dürfte in den kommenden Monaten fallen, jedoch deutlich erhöht bleiben. Das gilt für die USA und die Eurozone sowie jeweils die Kern- und Gesamtrate - den Basiseffekten sei Dank. Für eine Entwarnung ist es aber nach wie vor zu früh, was in erster Linie an dem in beiden Regionen hohen binnenwirtschaftlichem Inflationsdruck liegt. Nachdem in Europa lange Zeit die Energiepreise einen weitaus höheren Einfluss auf die Teuerung hatten, werden nun sowohl US- als auch Euro-Inflation vor allem durch den Servicesektor getrieben.

Aus heutiger Sicht spricht einiges dafür, dass die US-Notenbank tatsächlich spätestens im Mai ihren Zinsanhebungszyklus beenden wird. In der Eurozone dürfte die EZB die Zinsen noch bis in den Sommer hinein anheben. Anders als in den USA hat die Euro-Kerninflationsrate die Trendumkehr nach unten noch nicht eingeleitet. Dies sollte jedoch sehr bald bevorstehen." (05.04.2023/alc/a/a)