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Bundesanleihen stark gefragt


14.02.14 15:07
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Dass der Kapitalmarkt nicht nur von Volkswirten und Wirtschaftsmathematikern, sondern auch von Marketingfachleuten beeinflusst wird, zeigt die große Anzahl kreativer Abkürzungen, die im täglichen Finanzjargon genutzt werden, so die Analysten der Weberbank.

So würden Investitionen in Schwellenländer auf Hochglanzprospekten und Kundenpräsentationen mit "BRIC", "MINT" oder "Next 11" umschrieben und auf die Erfolgsgeschichte der Wachstumsländer hinweisen. Doch am Finanzmarkt würden nicht nur positive Abkürzungen kursieren. So sei in den Hochzeiten der Eurokrise mit der Abkürzung "PIIGS" schnell ein Synonym für die hochverschuldeten Peripheriestaaten gefunden worden.

Neuerdings seien in allerwelts Munde die "Fragile Five", also die "Fragilen Fünf". Dahinter würden sich mit Brasilien, Indonesien, Indien, Türkei und Südafrika fünf klassische Schwellenländer verbergen, die zu Jahresbeginn für große Unsicherheit an den Kapitalmärkten gesorgt hätten. Der Name "Fragile Five", der bereits im vergangenen Sommer von der Investmentbank Morgan Stanley erstmals genutzt worden sei, umschreibe somit alles andere als den langjährigen Wachstumserfolg der Schwellenländer. Vielmehr unterstreiche der Begriff unrühmliche Eigenschaften dieser Länder wie hohe Inflation, sich abschwächende Wachstumszahlen, ungesunde Handelsdefizite und Abhängigkeit von ausländischen Investoren.

In Zeiten offener Liquiditätsschleusen der großen Notenbanken seien die Schwachpunkte dieser Länder in den Hintergrund gerutscht, jedoch mit dem Beginn des Taperings der US-Notenbank im Januar habe sich der Kapitalmarkt auf langsam absinkende Liquidität einstellen müssen, und es seien erste Zweifel gegenüber den genannten Ländern aufgekommen. Dies habe zur Folge gehabt, dass die Währungskurse stark unter Druck geraten seien, da ausländische Investoren ihre Gelder in Sicherheit gebracht hätten. Die globalen Kapitalmärkte hätten somit gleich zum Jahresanfang hohe Schwankungen und Unsicherheit verkraften müssen.

Für etwas Beruhigung hätten mal wieder die Notenbanken sorgen können. So hätten zum einen die Zentralbanken der "Fragilen Fünf" reagiert, indem sie zum Teil massiv die Leitzinsen erhöht und somit die Devisenkurse etwas stabilisiert hätten. Aber auch die Notenbanker aus den industrialisierten Ländern hätten in den vergangenen zwei Wochen zu einer Beruhigung am Kapitalmarkt beitragen können: So habe EZB-Präsident Draghi zuletzt betont, dass die Notenbank willens und bereit sei, weitere expansive Maßnahmen einzuführen.

Einen Vorgeschmack dessen habe ein hochrangiges EZB-Mitglied in dieser Woche geliefert. Demnach ziehe die EZB ernsthaft in Erwägung, nicht nur den Leitzins erneut zu senken, sondern auch den Einlagenzinssatz erstmals mit negativen Zinsen zu versehen. Das würde bedeuten, dass Banken "bestraft" würden, wenn sie Gelder bei der Notenbank parken und nicht per Kredit an die Wirtschaft vergeben würden. Sollte es tatsächlich dazu kommen, könnte sich dies positiv auf die schwache Kreditvergabe in den Peripherieländern auswirken und die dortige Wirtschaftsentwicklung deutlich unterstützen.

Der europäische Rentenmarkt habe sich folglich sehr erfreulich in den vergangenen Wochen entwickeln können. Die deutschen Bundesanleihen hätten insbesondere von der Flucht in den "sicheren Hafen" aufgrund der Unsicherheit um die Schwellenländer profitiert. Denn nicht nur die "Fragilen Fünf" hätten am Kapitalmarkt Verluste verkraften müssen, sondern auch die Anrainerstaaten seien in den Abwärtsstrudel geraten.

Auch wenn dieses Rentensegment erneut unter Druck geraten sei, würden die Analysten ihre strategische Empfehlung für Anleihen aus den Wachstumsländern aufrecht halten. Die fundamentale Situation, abgesehen von den fünf genannten Ländern, sei weiterhin sehr gesund und auf Wachstum ausgerichtet. Des Weiteren lohne die Beimischung von Wandelanleihen, die eine konservative Partizipation am Aktienmarkt darstellen würden.

Obwohl auch die Aktienmärkte negativ von den Turbulenzen beeinflusst worden seien, so hätten sie sich erstaunlich robust in den vergangenen Tagen gezeigt. Sowohl der deutsche als auch amerikanische Leitindex seien nur noch wenige Prozentpunkte von ihren jeweiligen Allzeithochs entfernt, und diese könnten kurzfristig durchbrochen werden. Die Analysten würden weiterhin keine Überbewertung an den Aktienmärkten und gute Unternehmenskennzahlen aus der US-Bilanzsaison sehen. Während die US-Unternehmen starke Wachstumszahlen hätten präsentieren können, sehe es bei ihren europäischen Pendants bisher nicht ganz so rosig aus.

Insbesondere das Umsatzwachstum hinke den Erwartungen hinterher. Jedoch mit Blick auf das positive Konjunkturbild der Analysten sei ein Einstieg bzw. eine Aufstockung der Aktienquote weiterhin empfehlenswert, insbesondere wenn es zu einer Korrekturphase komme wie zu Beginn des Jahres. Denn die Analysten würden auch im weiteren Verlauf zwischenzeitliche Rückschläge, aber selbst einen Rückgang um 700 bis 800 Punkte im DAX erwarten und somit ein Test der 200-Tage-Linie würde die mittelfristige Perspektive nicht gefährden. (14.02.2014/alc/a/a)