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Bundesanleihen: "Flucht-in-Sicherheit"-Anleihenmarkt par excellence
05.03.21 11:00
Degroof Petercam
Brüssel (www.anleihencheck.de) - Die Anleihenmärkte befinden sich weiterhin im "Angst-Modus", so die Experten von Degroof Petercam Asset Management (DPAM).
Offenbar habe der Auslöser im Zusammenhang mit der wenig erfolgreichen Auktion 7-jähriger US-Treasuries am 25. Februar gestanden. Die US-Renditekurve habe sich weiter abgeflacht. Ein Großteil des Ausverkaufs habe im Bereich der 5- bis 7-jährigen Laufzeiten stattgefunden.
Peter De Coensel, CIO Fixed Income bei DPAM, wage einen Ausblick über den Zeitpunkt hinaus, an dem die FED beginnen werde, die Zinsen anzuheben und ihr QE-Kaufprogramm zu justieren. Dieser Zeitpunkt sei nicht Mitte 2023, wenn die Märkte eine erste FED-Anhebung in Richtung 0,25% bis 0,50% fordern würden. Und auch nicht Ende 2021 oder Anfang 2022, wenn die meisten Sell-Side-Strategen davon ausgehen würden, dass die FED die monatlichen Vermögenskäufe von derzeit 120 Mrd. USD pro Monat reduziere. Der DPAM-Experte habe sich angeschaut, wie der Anleihenmarkt die US-Renditekurve im März 2026 einpreise.
Dazu habe er die nominale US-Treasury-Renditekurve sowie die 5-Jahres-Forward-Sätze unter Berücksichtigung der Laufzeitrisiko- und Inflationsrisikoprämie analysiert. Demnach preise der Anleihenmarkt einen Straffungszyklus der FED von sieben bis acht Leitzinserhöhungen ein. Annahmen, dass die FED mit der Nullzins-Politik "verheiratet" sei, sei ein Trugschluss. Man könne davon ausgehen, dass die FED in dem Moment, in dem sie irgendwo zwischen 2023 und 2024 mit Zinserhöhungen beginne, diese um etwa 1,00% pro Jahr anheben werde. Nehme man an, dass sie die Leitzinsen auf 1,75% bis 2,00% erhöhe, würde dies die FED etwa 50 Basispunkte unter ihre aktuelle langfristige Zinsprognose von 2,50% bringen. Die Pandemie habe jedoch sowohl die Beschäftigungsformel als auch die Globalisierungsformel verändert. Beide könnten letztlich den Leitzins drücken.
Weiterhin interessant sei, dass die 10- und 30-jährigen US-Renditen auf einem ähnlichen Niveau lägen! Mit einer 10-jährigen Rendite von 2,42% und einer 30-jährigen Rendite von 2,48% sei die Differenz zwischen dem 10- und 30-jährigen Satz auf 6 Basispunkte geschrumpft. Am 25.02. habe der Höhepunkt der sich verschärfenden Spannung zwischen den 10- und 30-jährigen Renditen bei einem Niveau von 87 Basispunkten gelegen. In den letzten 44 Jahren seien drei sehr kurze Phasen zu beobachten gewesen, in denen dieser wichtige Indikator über 100 Basispunkte gestiegen sei. Wäre dies der Fall, könnte eine Investition in 30-jährige US-Treasuries oder 30-jährige hochwertige Unternehmensanleihen heute sehr lohnend sein.
Und wie sehe es für Europa aus? Untersuche man die aktuelle und 5-Jahres-Forward-Renditekurve deutscher Bundesanleihen, werde deutlich, dass der Markt einen sehr langsamen und späten Zinserhöhungszyklus der EZB erwarte. Bei Zinserhöhungsschritten von 10 Basispunkten könnte man bis 2026 zwei Zinserhöhungen sehen. Effektiv könnte dies heißen, dass es eine gewisse Wahrscheinlichkeit für einen kompletten "Status quo" der EZB-Politik in den nächsten fünf Jahren gebe.
Zudem flache sich die Renditekurve deutlich ab. Allerdings seien die Ausschläge im deutschen Abflachungsprozess geringer als in den USA. Dies deute auf die Einzigartigkeit bzw. den starken Status hin, den die deutsche Renditekurve für Staatsanleihen genieße. Es handle sich um den "Flucht-in-Sicherheit"-Anleihenmarkt par excellence. Investoren sähen Bundesanleihen als "Versicherungsinstrument". Deshalb sei es Teil des Versicherungspakets, negative Renditen in Kauf zu nehmen. Des Weiteren sehe Peter De Coensel starke Parallelen zwischen den Niveaus der 10- und 30-jährigen deutschen Renditen und der Situation in Japan. Wenn man bedenke, dass die japanischen Leitzinsen bei -0,10% eingefroren seien, würden 10-jährige japanische Staatsanleihen mit 0,15% bzw. +0,75% bei 30-jährigen Papieren gut zu den EZB-Leitzinsen um -0,30% und den oben genannten 0,22% und 0,38% bei 10- bzw. 30-jährigen Bundesanleihen im Jahr 2026 passen.
"Heute sollten wir mehr denn je die Relevanz und Bedeutung des kurzfristigen Erfolgs an den Finanzmärkten in Form der Vorhersage von Marktentwicklungen auf 6- bzw. 12-Monatssicht bzw. der Erzielung kurzfristiger Gewinne hinterfragen", meine Peter De Coensel. Die Finanzmärkte würden diesbezüglich nach ungesunden Grenzen suchen. Die Große Finanzkrise von 2008/2009 habe in den Exzessen bei strukturierten Anleihenlösungen mit Bezug auf Hypotheken und Krediten gewurzelt. Werde die nächste Finanzkrise ihre Wurzeln in den Exzessen haben, die durch strukturierte Aktienlösungen repräsentiert würden, wie die neuartigen "Special Purpose Acquisition Companies" (SPACs) oder Nischen-ETFs - sei es mit oder ohne Leverage? Die Zukunft werde für Anleiheninvestoren herausfordernd sein, aber nicht in dem Maße, dass Flucht aus der Anlageklasse mehr Trost bieten würde. Ganz im Gegenteil. (05.03.2021/alc/a/a)
Offenbar habe der Auslöser im Zusammenhang mit der wenig erfolgreichen Auktion 7-jähriger US-Treasuries am 25. Februar gestanden. Die US-Renditekurve habe sich weiter abgeflacht. Ein Großteil des Ausverkaufs habe im Bereich der 5- bis 7-jährigen Laufzeiten stattgefunden.
Peter De Coensel, CIO Fixed Income bei DPAM, wage einen Ausblick über den Zeitpunkt hinaus, an dem die FED beginnen werde, die Zinsen anzuheben und ihr QE-Kaufprogramm zu justieren. Dieser Zeitpunkt sei nicht Mitte 2023, wenn die Märkte eine erste FED-Anhebung in Richtung 0,25% bis 0,50% fordern würden. Und auch nicht Ende 2021 oder Anfang 2022, wenn die meisten Sell-Side-Strategen davon ausgehen würden, dass die FED die monatlichen Vermögenskäufe von derzeit 120 Mrd. USD pro Monat reduziere. Der DPAM-Experte habe sich angeschaut, wie der Anleihenmarkt die US-Renditekurve im März 2026 einpreise.
Weiterhin interessant sei, dass die 10- und 30-jährigen US-Renditen auf einem ähnlichen Niveau lägen! Mit einer 10-jährigen Rendite von 2,42% und einer 30-jährigen Rendite von 2,48% sei die Differenz zwischen dem 10- und 30-jährigen Satz auf 6 Basispunkte geschrumpft. Am 25.02. habe der Höhepunkt der sich verschärfenden Spannung zwischen den 10- und 30-jährigen Renditen bei einem Niveau von 87 Basispunkten gelegen. In den letzten 44 Jahren seien drei sehr kurze Phasen zu beobachten gewesen, in denen dieser wichtige Indikator über 100 Basispunkte gestiegen sei. Wäre dies der Fall, könnte eine Investition in 30-jährige US-Treasuries oder 30-jährige hochwertige Unternehmensanleihen heute sehr lohnend sein.
Und wie sehe es für Europa aus? Untersuche man die aktuelle und 5-Jahres-Forward-Renditekurve deutscher Bundesanleihen, werde deutlich, dass der Markt einen sehr langsamen und späten Zinserhöhungszyklus der EZB erwarte. Bei Zinserhöhungsschritten von 10 Basispunkten könnte man bis 2026 zwei Zinserhöhungen sehen. Effektiv könnte dies heißen, dass es eine gewisse Wahrscheinlichkeit für einen kompletten "Status quo" der EZB-Politik in den nächsten fünf Jahren gebe.
Zudem flache sich die Renditekurve deutlich ab. Allerdings seien die Ausschläge im deutschen Abflachungsprozess geringer als in den USA. Dies deute auf die Einzigartigkeit bzw. den starken Status hin, den die deutsche Renditekurve für Staatsanleihen genieße. Es handle sich um den "Flucht-in-Sicherheit"-Anleihenmarkt par excellence. Investoren sähen Bundesanleihen als "Versicherungsinstrument". Deshalb sei es Teil des Versicherungspakets, negative Renditen in Kauf zu nehmen. Des Weiteren sehe Peter De Coensel starke Parallelen zwischen den Niveaus der 10- und 30-jährigen deutschen Renditen und der Situation in Japan. Wenn man bedenke, dass die japanischen Leitzinsen bei -0,10% eingefroren seien, würden 10-jährige japanische Staatsanleihen mit 0,15% bzw. +0,75% bei 30-jährigen Papieren gut zu den EZB-Leitzinsen um -0,30% und den oben genannten 0,22% und 0,38% bei 10- bzw. 30-jährigen Bundesanleihen im Jahr 2026 passen.
"Heute sollten wir mehr denn je die Relevanz und Bedeutung des kurzfristigen Erfolgs an den Finanzmärkten in Form der Vorhersage von Marktentwicklungen auf 6- bzw. 12-Monatssicht bzw. der Erzielung kurzfristiger Gewinne hinterfragen", meine Peter De Coensel. Die Finanzmärkte würden diesbezüglich nach ungesunden Grenzen suchen. Die Große Finanzkrise von 2008/2009 habe in den Exzessen bei strukturierten Anleihenlösungen mit Bezug auf Hypotheken und Krediten gewurzelt. Werde die nächste Finanzkrise ihre Wurzeln in den Exzessen haben, die durch strukturierte Aktienlösungen repräsentiert würden, wie die neuartigen "Special Purpose Acquisition Companies" (SPACs) oder Nischen-ETFs - sei es mit oder ohne Leverage? Die Zukunft werde für Anleiheninvestoren herausfordernd sein, aber nicht in dem Maße, dass Flucht aus der Anlageklasse mehr Trost bieten würde. Ganz im Gegenteil. (05.03.2021/alc/a/a)


