Bund-Future nähert sich Rekordkurs


13.07.12 15:51
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Sommerferien gibt es für die Schuldenkrise im Euroraum nicht, so die Deutsche Börse AG.

Die Aussage des Bundesverfassungsgerichts, sich mit der Entscheidung über die Rechtmäßigkeit des permanenten Rettungsschirms ESM Zeit zu lassen, habe das Sicherheitsbedürfnis der Anleger erhöht. Zudem wirke die jüngste Herabstufung der Kreditwürdigkeit Italiens von A3 auf Baa2 durch die Ratingagentur Moody's.

"Im Wochenverlauf stieg das Sorgenbarometer Euro-Bund-Future bei mittleren Umsätzen um gut 100 Punkte auf über 145 Prozent", berichte Dietmar Blum von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Bis zum Allzeithoch hätten lediglich 100 Basispunkte gefehlt. Insgesamt spüre man aber auch die Urlaubszeit. "Im Anleihehandel fallen die Marktbewegungen moderater aus als sonst", melde Arthur Brunner von ICF Kursmakler.

Das Mehr an Beruhigung hätten Investoren verstärkt in Bundesanleihen und US-Treasuries gesucht und damit spürbar niedrigere Renditen in diesen Wertpapieren bewirkt. Weniger tief in die Tasche greifen müssen habe Blum zufolge die Finanzagentur für die Aufstockung einer zehnjährigen Bundesanleihe (ISIN DE0001135473 / WKN 113547) um fünf Milliarden Euro auf insgesamt 20 Milliarden Euro. "Bei 1,5-facher Überzeichnung war eine Rendite von 1,31 Prozent fällig."

Bei einer Auktion von sechsmonatigen Bubills in Höhe von 3,29 Milliarden Euro zum Wochenbeginn hätten sicherheitsbewusste Anleger gar eine Negativrendite von 0,0344 Prozent in Kauf genommen, wie Klaus Stopp von der Baader Bank berichte. So könne das neue Entschuldungsprogramm der Bundesrepublik aussehen. Zudem nähmen Investoren für das sichere Parken von Liquidität etwa in zweijährigen Bunds Renditen in Kauf, die deutlich im negativen Bereich lägen.

In seiner bislang größten Auktion habe auch der EFSF eine Anleihe mit einer Laufzeit von fünf Jahren und einem Volumen von 6 Milliarden Euro zu einem günstigen Zins von 1,625 Prozent erfolgreich platziert. "Das Interesse der Investoren war bei einem Ordervolumen von rund 8 Milliarden Euro sehr gut", urteile Stopp.

"Auf Dauer kann dies nicht funktionieren." Nach Ansicht von Stopp sei es nur eine Frage der Zeit, bis sich diese Auswüchse wieder zurückbilden würden. "Unser Leben auf der Insel der Glücksseligen ohne Zinsen, Inflation und Arbeitslosigkeit wird endlich sein", greife auch Blum das Thema auf. "Kurzfristig mögen diese Renditedifferenzen zwischen negativ in Deutschland und täglich steigend in der Peripherie wünschenswert sein, langfristig aber ist dies der Sargnagel für unser auf Export basierendes Wirtschaftsmodell."

Die Helaba gehe in ihrem Hauptszenario für das zweite Halbjahr 2012 von einer tendenziell sinkenden Nachfrage nach sehr teuren Bundesanleihen aus und nenne als Grund dafür die zunehmende finanzielle Verpflichtung Deutschlands im Zuge der Euro-Rettung. Die langfristige Bonität Deutschlands werde verstärkt kritisch hinterfragt. Die Hessen würden für den Rest des Jahres eine Verzinsung zwischen 1,1 und 2,2 Prozent für zehnjährige deutsche Staatsanleihen prognostizieren, bei T-Notes würden sie Schwankungen zwischen 1,4 und 2,5 Prozent erwarten.

Zunächst allerdings sehe Stopp den Euro-Bund-Future aus charttechnischer Sicht auf das Hoch vom 6. Juni bei 144,78 Prozent zusteuern. "Kann er sich über dieser Marke etablieren, so ist ein neuerlicher Test des Allzeithoch bei 145,97 Prozent möglich." Erst unterhalb von 143,65 Prozent bestehe die Gefahr eines Rückschlags auf 142,26 Prozent.

Trotz schlechterer Bonitätsnote habe sich Italien am heutigen Freitag zu akzeptablen Konditionen mit neuen Krediten versorgen können. "Verschiedene Auktionen mittel- und langfristig laufender Anleihen mit einem Gesamtvolumen von fünf Milliarden Euro verliefen erfolgreich", beurteile Brunner. Eine dreijährige Anleihe in Höhe von immerhin 3,5 Milliarden Euro mit einer Rendite von 4,65 Prozent sei 1,73-fach überzeichnet.

Der relativen Schwäche der Gemeinschaftswährung und den Diskussionen um ihre Zukunft, seien Anleger seit Monaten mit dem Griff zu Fremdwährungsanleihen begegnet. "Investoren interessieren sich derzeit insbesondere für Corporate Bonds, ausgestellt in australischen Dollar", melde Daniel Förtsch von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft.

Als Renner bei den Privatanlegern entpuppe sich die neue Schäffler-Anleihe (ISIN XS0801261156 / WKN A1G6WT) mit einem Coupon von 6,75 Prozent und einer Laufzeit von fünf Jahren, wie Brunner bemerke. "Bei großen Umsätzen stieg der Kurs um gut 2 Prozent auf 102,2 an, was immer noch eine Rendite von 6,33 Prozent ergibt." Die beiden vorherigen Schäffler-Anleihen vom Januar dieses Jahres hätten eine Mindeststückelung von 100.000 Euro. Damit seien sie für viele Privatanleger uninteressant.

Trotz Sommerloch hätten sich einige Unternehmen mit Neuemissionen an den Markt gewagt. Der niederländische Staatskonzern Nederlandse Gasunie NV etwa habe der Baader Bank zufolge mit einer bis 2022 laufenden Anleihe 500 Millionen Euro zu einem Zins von 2,625 Prozent am Markt eingesammelt. Zwei Tranchen mit einem Volumen von jeweils 750 Millionen Euro habe das französische Energieunternehmen Gaz de France S.A. emittiert. Für Laufzeiten von fünf und zehn Jahren würden jährliche Kupons von 1,5 Prozent bzw. 2,625 Prozent fällig. (13.07.2012/alc/a/a)






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