Britische Arbeitsmarktdaten und Inflation Report: Was nun, Herr Carney?


13.08.14 14:58
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die Bank of England (BoE) stand am heutigen Vormittag vor einem wahrhaftigen Produktivitätspuzzle, berichten die Analysten der Nord LB.

Die Veröffentlichung des aktuellen Inflation Reports sei von langer Hand geplant gewesen. Einige Marktbeobachter hätten auf hawkishe Kommentare gehofft, dass sich die Hinweise auf eine Leitzinserhöhung noch in diesem Jahr verdichten würden. Der heute vorgestellte Inflation Report sei unerwartet "dovish" ausgefallen.

Um 10:30 Uhr (MESZ) hätten sich quasi die Arbeitsmarktdaten für den Juni vorgedrängelt. Im besagten Berichtsmonat sei die Arbeitslosenquote auf erfreuliche 6,4% zurückgegangen. Das allein würde für eine baldige Zinswende sprechen. Die einstige 7%-Schwelle der Forward Guidance, die genau vor einem Jahr auf der ersten Pressekonferenz unter der Leitung von Mark Carney an dieser Stelle formuliert worden sei, sei längst unterschritten. Für das Jahresende erwarte die Bank of England sogar 6% oder gar noch weniger. Gepaart mit sechs Quartalen des Wachstums in Folge - und keinem Abreißen dieser Serie in Sicht - wäre es in der Tat angebracht, als erste der großen Zentralbanken die Zinswende einzuleiten.

Wäre da nicht das große "Aber": Der Lohnzuwachs sei mit 0,6% Y/Y im Juni erneut so niedrig gewachsen wie noch nie seit dem Beginn der Datenaufzeichnung vor mehr als 13 Jahren (nach +0,7% Y/Y im Mai). Dass die Reallöhne sogar schrumpfen würden, brauche man an dieser Stelle nicht erneut zu betonen. Die einfache Formel scheine daher derzeit zu lauten: Kein (Real-)Lohnzuwachs, keine Zinserhöhung! Dazu passe auch, dass die BoE die eigene Prognose zum Lohnwachstum für das 4. Quartal halbiert habe.

Eine Frage habe auf drei Punkte abgezielt, die der Reporter unterstellt habe: Die BoE wisse nicht genau, was in der eigenen Ökonomie und in der Weltwirtschaft vorgehe. Das MPC wäre uneins über die weitere Vorgehensweise. Und die Forward Guidance würde eher verunsichern als helfen. Die Befragten hätten selbstverständlich zugestehen müssen, dass sie unsicher seien und nicht mehr als die restliche Welt wissen würden. Das sei ehrlich. Dabei jedoch zu unterstellen, sie wären rat- und planlos, sei ein deutlicher Unterschied. Es gebe weiterhin keine Garantien seitens der Zentralbank. Es gäbe Einschätzungen und Beurteilungen. Das Gremium sehe sich zudem einzig seinem Inflationsziel verpflichtet.

Der "George Clooney unter den Zentralbankern" habe sich auch zu dem Umstand geäußert, dass die Forward Guidance langweilig sei. Er habe daher gebetsmühlenartig erwidert, dass gerade diese Stabilität und ständige Wiederholung eine effektive Marschroute ausmachen würden. Die Zinsen auf der Insel scheinen nicht mehr in Stein gemeißelt zu sein, dürften aber noch für den Rest des Jahres auf dem Allzeittief verharren, so die Analysten der Nord LB. Sofern dann die Leitzinsen angehoben würden, dürfte das nach Ansicht der Analysten ohnehin nicht in großen Schritten erfolgen, sondern quartalsweise um 25 Basispunkte. Das wären 2015 vier Zinserhöhungen.

Das Pfund Sterling pendle zum Euro weiter zwischen 79 und 80 Pence. Die Tendenz gehe aber zur leichten Abwertung des Pfunds während der Pressekonferenz in Richtung 0,80 GBP zum Euro.

Der heute vorgestellte Inflation Report sei "dovisher" ausgefallen, als gedacht. Möge sein, dass die Pressekonferenz ohne die Arbeitsmarktdaten eine Stunde zuvor anders ausgefallen wäre. Was nun, Herr Carney? Die Antwort sei der Governor erneut schuldig geblieben. Er habe daher gebetsmühlenartig wiederholt, die BoE werde die einsetzende Erholung nicht aufs Spiel setzen. Die Forward Guidance sei konsistent und wirksam. Die Analysten würden an die einfache Formel glauben: Kein (Real-)Lohnzuwachs, keine Leitzinserhöhung! Die Zinswende sehen wir daher weiterhin im kommenden Jahr mit insgesamt vier Schritten in 2015, so die Analysten der Nord LB. (13.08.2014/alc/a/a)