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Nach Brexit-Votum: Europäische Asset-backed Securities bieten aktuell gute Anlagechancen


05.08.16 09:16
GAM

Berlin (www.anleihencheck.de) - Nach dem britischen Votum für den Austritt aus der Europäischen Union haben sich viele Investoren in traditionelle Anleihen geflüchtet, obwohl diese als sicher wahrgenommenen Werte im momentanen Umfeld nur niedrige oder sogar negative Realrenditen liefern, so Laurence Kubli und Matthias Wildhaber, Portfoliomanager für Asset-backed Securities bei GAM.

Daher rate Laurence Kubli, dass Anleger europäische Asset-backed Securities (ABS) als Alternative zu konventionellen Anleihen stärker ins Auge fassen sollten. "Europäische Asset-backed Securities, kurz ABS, bieten höhere Renditen als konventionelle Anleihen. Darüber hinaus haben sie einen weiteren entscheidenden Vorteil: Die meisten ABS weisen variabel verzinsliche Kupons auf, die Anleger gegen das Durationsrisiko schützen", erkläre Laurence Kubli. Seit dem Referendum hätten europäische ABS unter steigenden Risikoprämien in den meisten Sektoren gelitten. Das gelte auch für Sektoren, die keinen direkten Bezug zu Großbritannien hätten. "Das schafft Chancen für Investments in ABS zu attraktiven Bewertungen", so Kubli.

Zudem seien aktuell auch Anlagen in gebündelte Unternehmenskredite über sogenannte Collateralized Loan Obligations (CLOs) interessant. "Senior-CLO-Tranchen sind sehr gut gegen Ausfälle abgesichert und zahlen relativ hohe Risikoprämien. Die variablen Zinskupons beruhen auf dem Euribor zuzüglich eines Aufschlags", so Kubli. Besonders attraktiv sei das, weil bei den meisten seit Mitte 2015 emittierten CLOs der Euribor-Referenzzins einer Untergrenze von 0 Prozent unterliege. Daher würden sie selbst dann noch positive Renditen abwerfen, wenn der Euribor weiter ins Minus fallen sollte.

Als ebenfalls vielversprechende Anlagelösung sehe Matthias Wildhaber Wertpapiere, die durch Gewerbehypotheken unterlegt seien (CMBS). "Viele ältere Papiere, die vor der Finanzkrise emittiert wurden, notieren immer noch unter dem Nennwert und nähern sich rasch der Fälligkeit, während die Sicherheitenportfolios liquidiert werden", führe Wildhaber aus. "Die besten Chancen bieten Papiere, die möglicherweise früher zurückgezahlt werden als erwartet und einen sogenannten "Pull-To-Par-Effekt" bieten, sich also zum Ende ihrer Fälligkeit hin dem Nennwert nähern."

Grundsätzlich erhole sich der europäische ABS-Markt weiter von der globalen Finanzkrise, habe das durch die US-Pendants verursachte Stigma allerdings noch nicht abgeschüttelt. Obwohl der Markt ein neues Gleichgewicht gefunden habe, sei die Situation aber immer noch nicht vollständig normalisiert. Darin sehe Kubli Chancen: "Die Kreditwürdigkeit hat sich zwar verbessert. Die derzeit verfügbaren Kreditrisikoprämien sind jedoch immer noch um ein Mehrfaches höher als 2007. Damit bieten sie Zugang zu robusten Strukturen, die höhere Renditeaufschläge zu Staatsanleihen bieten als in der Zeit vor der Krise."

Allerdings behindere die Regulierung gemäß Basel III und Solvency II das Investmentvehikel ABS immer noch mit Kapitalanforderungen, durch die sich der Markt gegenüber Unternehmensanleihen und Pfandbriefen im Nachteil befinde. Dies verteuere die Emission von ABS und mindere die Zahl der an den Markt gebrachten Neuemissionen, was die alternative Finanzierung der Realwirtschaft einschränke.

"Die EU-Initiative zur Schaffung einer Kapitalmarktunion soll das geringe Emissionsvolumen abfangen. Sie sieht Regeln für einfache, transparente und standardisierte Verbriefungen unter dem Kürzel STS vor. STS könnten den Markt zwar stärken. Um die Finanzierungs- und Anlagechancen jedoch voll zu unterstützen, muss die allgemeine regulatorische Behandlung von ABS angegangen werden." (Ausgabe vom 04.08.2016) (05.08.2016/alc/a/a)