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Bremst die FED wirklich?


20.11.18 12:15
Deutsche Bank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Am vergangenen Freitag herrschte noch große Aufregung, weil sich die Möglichkeit abzuzeichnen schien, dass die US-Notenbank ihr Tempo im laufenden Zinserhöhungszyklus womöglich schon bald zurücknehmen könnte, berichtet die Deutsche Bank AG in einer aktuellen Ausgabe "MÄRKTE am Morgen".

Auch gestern hätten sich Kommentatoren gefragt, ob das jüngste CNBC-Interview, das der Vize-Präsident der FED, Richard Clarida, gegeben habe, einen Richtungswechsel der US-Notenbank signalisiert habe. So habe Clarida unter anderem geäußert, er sehe Anhaltspunkte dafür, dass sich das globale Wachstum abkühlen werde. Auch hätten sich die kurzfristigen Zinsen in etwa auf dem neutralen Niveau bewegt. Nun wisse niemand so recht, wo sich dieser neutrale Zins genau befinde. Wie der FED-Vize erneut bestätigt habe, sei der Offenmarktausschuss der US-Notenbank noch bei der September-Sitzung davon ausgegangen, dass sich dieser Zinssatz, der weder das Wachstum hemme noch stimuliere, zwischen 2,5 und 3,5 Prozent befinde. Tatsächlich habe Clarida auch nichts anderes gesagt, als dass der Leitzins zuletzt dieser Bandbreite etwas näher gekommen sei. Zur Erinnerung: Der Leitzins liege zwischen 2,00 und 2,25 Prozent und müsste mindestens noch drei Mal um 25 Basispunkte erhöht werden, um etwa in der Mitte der geschätzten Bandbreite des neutralen Zinssatzes anzukommen.

Manchmal sei es schlichtweg nur die Kombination von Interviews und Medienberichten, die zu einem bestimmten Zeitpunkt aufeinandertreffen und so zu einer Neubewertung marktrelevanter Sachverhalte führen würden. Am vergangenen Freitag könnte es ein Editorial des Wall Street Journal gewesen sein, das, bereits lange vor der Rede Claridas publiziert, zu einer erhöhten Wachsamkeit der Entscheider geführt haben möge. Denn dort ("America is not an Island") sei zu lesen gewesen, dass Deutschlands Wachstum im dritten Quartal um 0,2 Prozent und das von Japan um 0,3 Prozent geschrumpft sei. Und wenn man noch das enttäuschende chinesische Bruttoinlandsprodukt von lediglich 6,5 Prozent im dritten Quartal hinzuziehe, entstehe tatsächlich der Eindruck, dass die Gefahren für das globale Wachstum gestiegen seien.

Indes: Die schlechten Wachstumszahlen in Deutschland seien auf Sondereffekte aus dem Kfz-Sektor zurückzuführen, und Japan habe im dritten Quartal immerhin die Folgen einer Naturkatastrophe zu verarbeiten gehabt. Und dass Chinas Wachstum enttäuscht habe, sei schon im Oktober, lange vor der November Sitzung der FED, bekannt gewesen. Aber mit einem Male habe mancherorts implizit eine Forderung im Raum gestanden, die FED solle die für Dezember vielerorts erwartete Zinserhöhung von 25 Basispunkten noch einmal überdenken. Und dies sei zumindest einer, wenn nicht der Hauptgrund, warum der US-Dollar auch gestern geschwächelt habe und der Euro sogar aus seinem kurzfristigen Abwärtstrend in eine Seitwärtsbewegung zwischen 1,1215 und 1,1585 gezwungen worden sei. (20.11.2018/alc/a/a)