Erweiterte Funktionen

Brasilien: Rating-Heraufstufung durch Fitch


15.08.23 11:40
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Regierung des linksgerichteten Präsidenten Lula macht weiter große Fortschritte, so die Analysten der DekaBank.

Das neue fiskalische Verantwortungsgesetz sei so gut wie verabschiedet, die Steuerreform habe wichtige Hürden genommen und dürfte noch im zweiten Halbjahr dem Kongress zur Abstimmung vorgelegt werden. Diese Reform sei äußerst wichtig, um das extrem bürokratische Steuersystem zu vereinfachen und die Attraktivität des Landes für Investitionen zu verbessern. Präsident Lula wolle die Regierung auf eine stabilere Basis stellen und verhandle mit zwei Parteien über eine Aufnahme im Kabinett, um deren Unterstützung im Parlament zu sichern. Die politischen Spannungen, die vor allem den Wahlkampf und die ersten Monate nach den Wahlen geprägt hätten, hätten nachgelassen, und die Regierung zeige sich stärker um fiskalische Solidität bemüht als in den ersten Monaten in Verantwortung.

Dies alles unterstütze den Eindruck, dass das Länderrisiko des Landes seit einiger Zeit abgenommen habe. Nun sei dieser Tatsache gewürdigt worden und Fitch habe das Rating Brasiliens von BB- auf BB angehoben. Begründet worden sei dieser Schritt nicht nur mit den Reformfortschritten der aktuellen aber auch der Vorgängerregierung, sondern auch mit der Resilienz der Volkswirtschaft gegenüber externen Schocks sowie mit der Fähigkeit der Regierung, mit dem konservativ dominierten Kongress zu kooperieren.

Nach Meinung der Analysten werde es nicht die letzte Heraufstufung bleiben. Allerdings dürfte sich die brasilianische Wirtschaft in den kommenden Quartalen deutlich abkühlen. Dies sollte einen weiteren Rückgang der Inflation ermöglichen, sodass das Inflationsziel (2023: 3,25%) in greifbare Nähe rücke. Der deutliche Rückgang der Inflation in den vergangenen Monaten habe es der Zentralbank ermöglicht, den Leitzins Anfang August um 50 Basispunkte zu senken - als eine der ersten großen EM-Zentralbanken weltweit. Weitere Zinssenkungen in diesem Umfang dürften in den kommenden Monaten folgen.

Brasilien habe in den vergangenen Jahren wichtige Reformen verabschiedet, allerdings habe zuletzt das Reformtempo deutlich nachgelassen. Auch die neue linksgerichtete Regierung tue sich mit strukturellen Reformen eher schwer. Präsident Lula habe sich in der Vergangenheit interventionistisch gezeigt, allerdings beteuere er jetzt eine moderatere Haltung. Der Wachstumsausblick werde durch die die straffe Geldpolitik belastet.

Die Rahmenbedingungen für Investitionen würden schwierig bleiben; besonders würden die überbordende Bürokratie, das komplexe Steuersystem, die hohe Steuerquote und die schlechte Infrastruktur belasten. Problematisch sei zudem die politische Polarisierung, die unter der Präsidentschaft Bolsonaros deutlich zugenommen habe. Lula zeige sich versöhnlicher. Auch hinsichtlich der Außenpolitik - Stichwort Klimakrise - zeige sich Lula kompromissbereiter als sein Vorgänger.

Der Ratingtrend Brasiliens habe sich bereits seit 2014 aufgrund der Reformunfähigkeit früherer Regierungen, der schwachen fiskalischen Verfassung und des langfristigen Verlusts an Wettbewerbsfähigkeit deutlich verschlechtert. Die Vorgängerregierung habe mit der Rentenreform einen Meilenstein erreicht und für eine fiskalische Stabilisierung gesorgt.

Die neue Regierung zeige sich fiskalisch verantwortungsbewusst und möchte einzelne Reformen vorantreiben, allerdings mit einer stärkeren sozialen Komponente. Dies dürfte insgesamt zu einer Bonitätsverbesserung führen, die bereits durch die Heraufstufung durch Fitch im Juli honoriert worden sei. Die hohe öffentliche Verschuldung mit fast 80% des Bruttoinlandsprodukts sowie die geringe fiskalische Flexibilität würden eine Belastung für die Bonität darstellen. (Ausgabe vom 11.08.2023) (15.08.2023/alc/a/a)