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Bonne Chance, Mme Lagarde


29.10.19 16:00
Aberdeen Standard Investment

London (www.anleihencheck.de) - Paul Diggle, Senior Economist bei Aberdeen Standard Investments, kommentiert den Amtsantritt von Christine Lagarde als neue Präsidentin der EZB.

Christine Lagarde sei eine ausgezeichnete Wahl als Präsidentin der EZB. Sie bringe umfangreiche Erfahrungen sowohl als Finanzministerin als auch als Leiterin des IWF in die Funktion ein. Und obwohl sie keine formell ausgebildete Ökonomin sei, werde sie bei ihrer Arbeit von den Mitarbeitern der EZB kompetent unterstützt.

Ihre früheren geldpolitischen Äußerungen würden darauf hindeuten, dass sie zu einer gemäßigten Richtung tendiere. Sie habe sich für die quantitative Lockerung ausgesprochen, die die EZB kürzlich wieder aufgenommen habe. Und der IWF habe unter ihrer Leitung die negativen Zinssätze weitgehend unterstützt, obwohl er sich der Gefahr einer finanziellen Destabilisierung bewusst gewesen sei, die übermäßig negative Zinssätze ebenfalls mit sich bringen könnten.

Die anhaltende Verlangsamung des Wirtschaftswachstums im Euroraum und der völlige Mangel an zugrunde liegendem Inflationsdruck würden dazu führen, dass Lagarde während ihrer Amtszeit wahrscheinlich weitere Zinssenkungen in die Wege leiten werde. Die Kosten für die Kreditaufnahme noch weiter zu senken, wäre letztlich hilfreich, um die Wirtschaftstätigkeit zu unterstützen. Aber angesichts der bereits derart niedrigen Zinsen könne die Geldpolitik die Wirtschaft des Euroraums nicht allein aus dem Sumpf ziehen.

Stattdessen sei es für den gemeinsamen Währungsraum viel wichtiger, dass die Regierungen fiskalische Impulse setzen, tiefgreifende Strukturreformen durchführen und die Agenda der europäischen Integration vorantreiben würden. Jeder wisse das, und der scheidende EZB-Präsident Mario Draghi habe Jahre damit verbracht, die Botschaft endlos zu wiederholen, weitgehend ohne Erfolg.

Der Wirkungskraft von Christine Lagarde stehe eine riesige Barriere im Weg - die nationalen Regierungen. Aber wenn jemand die Regierungen der Eurozone zum Handeln bewegen könne, dann sei es Lagarde. Sie verfüge über einzigartige Erfahrungen sowohl in der Steuerung der nationalen Finanzpolitik in Frankreich als auch in der Beratung von Regierungen im Bereich Finanzpolitik auf der ganzen Welt. Sie sei der perfekte politische Akteur, wie ihn die Wirtschaft der Eurozone brauche. Jetzt müssten nur noch die nationalen Regierungen mitspielen. Bonne Chance, Mme. Lagarde. (29.10.2019/alc/a/a)