Bondprimärmarkt bricht im Januar alle Rekorde


10.02.17 10:25
Baader Bank

Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Das hatten die populistischen Befürworter des Brexits vor dem Referendum der Briten über den EU-Austritt am 23. Juni vergangenen Jahres wohl übersehen - oder ganz bewusst verschwiegen: Bis zu 60 Mrd. EUR könnte die EU-Kommission von London aus gemeinsam eingegangenen Verpflichtungen fordern, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.

Der Brexit könnte Großbritannien also teuer zu stehen kommen. Bei den Forderungen zwischen 40 und 60 Mrd. EUR gehe es insbesondere um Haushaltsverpflichtungen aus dem siebenjährigen, mittelfristigen Finanzrahmen der EU, welcher bis 2020 laufe und den Großbritannien mitgetragen habe. Hierbei handle es sich unter anderem um Pensionslasten für britische EU-Mitarbeiter sowie um Kosten, die im Zusammenhang mit Strukturprojekten oder z.B. dem Rettungsprogramm für Irland stünden und die auch nach dem EU-Austritt noch fällig wären.

Für Brüssel sei das ein zentrales Thema für die anstehenden Brexit-Verhandlungen. Denn, wenn London nicht zahlen würde, wären die 27 bleibenden Länder gezwungen, die Rechnung zu übernehmen.

Das Brexit-Gesetz sei am Mittwoch in die entscheidende Abstimmung im britischen Unterhaus gegangen. Dabei habe sich Premierministerin Theresa May die Zustimmung für den Austrittsantrag von der EU geben lassen. Der Chef der oppositionellen Labour-Partei, Jeremy Corbyn, habe die Abgeordneten seiner Partei unter Fraktionszwang zugunsten des EU-Austritts gesetzt. Labour wolle aber versuchen, Änderungen am Gesetzestext vorzunehmen, um sich Einfluss auf die Brexit-Verhandlungen mit der EU zu sichern. Brexit-Staatssekretär, David Jones, habe zwar versprochen, dass das britische Parlament über ein Abkommen mit der EU am Ende der zweijährigen Austrittsverhandlungen abstimmen dürfe, eine Ablehnung werde dann aber nicht zu Nachverhandlungen führen.

Premierministerin May habe angekündigt, sie werde gleich zu Verhandlungsbeginn mit der EU versuchen, eine Regelung für die Rechte von EU-Bürgern in Großbritannien und für Briten in der EU zu finden. In Schottland stoße die Entscheidung für den Brexit indessen weiter auf Ablehnung. Das Regionalparlament in Edinburgh habe in einer Protestabstimmung mit 90 zu 34 Stimmen gegen das Brexit-Gesetz der britischen Regierung votiert. Die schottische Regierung habe zu der Abstimmung aufgerufen, obwohl diese keine rechtliche Relevanz habe.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die europäischen Geldgeber würden sich im Streit um das dritte Rettungspaket für das krisengeschüttelte Griechenland aufeinander zubewegen. Die Lücke zwischen den Ansichten werde kleiner, habe IWF-Europadirektor, Poul Thomsen, gesagt. Eine Übereinstimmung in allen Punkten sei aber noch nicht in Sicht.

Der IWF sei zwar nach wie vor der Ansicht, dass Griechenland ohne eine größere Schuldenentlastung nicht in der Lage sein werde, sich aus eigener Kraft wieder zu berappeln. Aber offenbar trage hier die Sturheit von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) Früchte, der erklärt habe, ohne IWF-Beteiligung könnte die europäische Griechenland-Hilfe sogar komplett beendet werden. So könne sich der Fonds offenbar inzwischen vorstellen, unter bestimmten Voraussetzungen einen Überschuss von 3,5% für eine begrenzte Zeit als nachhaltig zu betrachten. Bisher habe der IWF einen Überschuss von 1,5% propagiert, sonst würde man die Konjunktur in Hellas abwürgen.

Die jetzige Annäherung könne als Signal gewertet werden, dass der IWF eventuell beim dritten Rettungspaket doch mit dabei sein werde. Man müsse es nur noch gesichtswahrend formulieren. Besonders Deutschland habe immer wieder betont, dass eine Zustimmung für das dritte Rettungspaket von der Beteiligung des IWF abhänge. Der IWF dagegen fordere seit langem einen Schuldenschnitt, den die Eurogruppe ablehne. Denn damit wären Steuergelder für Athen unwiderruflich verloren.

Helfen könnte auch, wenn es der Regierung in Athen endlich gelingen würde, ihre Steuereinnahmen zu erhöhen und auf eine breitere Basis zu stellen, wie der IWF nun fordere. Noch immer würden 60% der griechischen Haushalte keine Einkommensteuer zahlen. Außerdem gehe es darum, faule Kredite bei den Banken massiv zu reduzieren, um wieder mehr Geld an Unternehmen verleihen zu können. Derzeit tue sich Griechenland schwer damit, eine funktionierende Steuerfahndung zu etablieren und das Eintreiben bereits festgestellter Steuerschulden zu optimieren. Hier würden einige der IWF-Direktoren die Möglichkeit sehen, den höheren Haushaltsüberschuss zu erzielen. Griechenlands Schulden hätten 2016 laut IWF 183% des Bruttoinlandsproduktes erreicht. Die Maastricht-Verträge der EU würden 60% erlauben.

Vor vielen Jahren, als die Finanzwelt noch in Ordnung gewesen sei, hätten sich nur wenige Analysten für die Bilanzsummen der einzelnen Notenbanken interessiert. Aber zur Stabilisierung der Finanzmärkte hätten die Währungshüter während der Weltfinanzkrise und teilweise bis zum heutigen Tag massiv interveniert. Infolge der selbst auferlegten Ankaufprogramme seien die Bilanzen der Zentralbanken angeschwollen und es sei nun an der Zeit, diesem Trend ein Ende zu setzen.

In den USA spreche man in diesem Zusammenhang von einer Mammutaufgabe, die es zu stemmen gelte. Obwohl von offizieller Seite immer wieder das Ende der Ankäufe durch die amerikanische Notenbank (FED) betont werde, so werde dabei stets verschwiegen, dass Fälligkeiten und Zinszahlungen unmittelbar reinvestiert würden. Doch auf diesem Wege werde das Investitionsvolumen nicht reduziert und somit schrumpfe auch die Bilanzsumme von aktuell ca. 4,5 Bill. USD nicht auf ein vertretbares Niveau.

Würde man auf eine Re-Investition verzichten, so könnten nach Commerzbank-Berechnungen in den kommenden fünf Jahren mittels Fälligkeiten Bestände in Höhe von ca. 1,5 Bill. USD abgebaut werden. Dadurch wäre ein Niveau erreicht, das von vielen Kapitalmarktexperten als sinnvoll und vertretbar angesehen werde. Doch noch vor Ausbruch der weltweiten Finanzkrise in den Jahren 2007/2008 hätten sich die Positionen der FED auf lediglich 800 Mrd. USD addiert, was allerdings angesichts der wachsenden Wirtschaft nicht mehr als Gradmesser herangezogen werden könne. Sollte der Abbau der eigenen Positionen allerdings nicht so abrupt vonstattengehen, so werde der Bilanzabbau noch etliche Jahre dauern.

Die Frage sei also inzwischen nicht mehr ob, sondern wann damit begonnen werde. Hierbei würden viele Marktteilnehmer - trotz anstehender Zinserhöhungen - einen Start Anfang des kommenden Jahres erwarten. Zu diesem Zeitpunkt werde auch geklärt sein, wer für die nächsten Jahre der FED vorstehen und die amerikanische Geldpolitik prägen werde. Denn der Vertrag von Janet Yellen werde im Januar 2018 auslaufen und momentan gelte es als unwahrscheinlich, dass eine weitere Amtszeit vom neuen US-Präsidenten gewünscht werde.

In den noch verbleibenden Monaten werde das Augenmerk der FED-Präsidentin sicherlich auf die konjunkturelle Entwicklung der USA gerichtet sein, um gegebenenfalls zur Jahresmitte mit Zinserhöhungen einzugreifen. Dies würde allerdings fallende Kurse der angekauften US-Staatsanleihen und normalerweise Abschreibungen nach sich ziehen. Doch nicht so in den USA. Hier sei bereits vor Jahren eine Klausel eingebaut worden, die es der FED erlaube, die Verluste der einzelnen regionalen Zentralbanken als eine Verbindlichkeit gegenüber dem Finanzministerium zu buchen, anstatt gegen das eigene FED-Kapital. Im Notfall müsse man sich eben nur zu helfen wissen.

Manche Ökonomen würden es als "Kapitalflucht nach Norden" bezeichnen, was da an der Entwicklung der so genannten Target2-Salden ablesbar sei. So seien die Forderungen der Deutschen Bundesbank an die Europäische Zentralbank (EZB) im Rahmen des Zahlungssystems Target2 von Ende Dezember 2016 bis 31. Januar dieses Jahres um 42 Mrd. EUR auf den Rekordwert von 796 Mrd. EUR geklettert. Dieser Trend bestehe seit 2014 und spiegele im Kern die Anleiheankäufe der EZB wider.

Innerhalb des Target2-Systems stünden hohe Verbindlichkeiten der südeuropäischen Länder den Forderungen weniger anderer Länder, Deutschland, Niederlande und Finnland, gegenüber. Target2-Salden seien Ausdruck der Zahlungsbilanz, die im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr innerhalb der Eurozone entstünden. Fließe dem Bankensystem einer Volkswirtschaft der Eurozone mehr Zentralbankgeld über das Target2-System zu, als abfließe, entstehe ein positiver Saldo. Sofern mehr Zentralbankgeld abfließe, baue sich ein negativer Target2-Saldo auf. Die Target2-Salden würden zeigen, dass damit die Banken in Südeuropa zwar liquide gehalten würden, die Ungleichgewichte in Euro-Land aber immer größer würden. Wirtschaftliche Probleme würden lediglich mit einer immensen Geldflut durch das Anleihe-Ankaufprogramm der EZB überdeckt.

Wenn man so wolle, stecke dahinter der wahre Kern, den Donald Trump meine, wenn er von Währungsmanipulationen durch die EZB rede. Denn durch die Flutung der Märkte mit Zentralbankgeld sorge die EZB für einen permanent unterbewerteten EUR, den andere als Mittel des Exportkrieges wahrnehmen könnten.

Sofern ein Land nun die Eurozone verlassen wolle, müsse es seine Verbindlichkeiten im Rahmen des Target2-Systems vorher begleichen. Aus diesem Grund käme Italien oder Frankreich ein Austritt extrem teuer. EZB-Präsident Mario Draghi habe darauf laut Reuters erst vor kurzem in einem Brief an zwei italienische Europa-Abgeordnete hingewiesen.

Seit seinem Amtsantritt treibe D.T. der Unberechenbare mit seinen Tweets und Dekreten die Weltöffentlichkeit vor sich her. In Medien und Talkshows versuche man ebenso wie in der Wirtschaftswelt die kurzatmigen Äußerungen des neuen US-Präsidenten zu interpretieren. Dabei würden sie wohl genau für jene Unruhe sorgen, die der rechtsgerichtete Chefberater von Trump, Steve Bannon, im Sinn habe, wenn er gegen die von ihm zum Feind erklärten Eliten hetze.

Sich dennoch mit kühlem Kopf klar zu machen, was die möglichen Folgen der Trump'schen Politik sein könnte, sei Aufgabe von Wirtschaftsvertretern und Notenbankern außerhalb der USA. So habe es Außenhandelspräsident Anton Börner in dieser Woche getan, indem er die protektionistischen Töne aus den USA angesprochen habe, die zu einem konkreten Risiko für deutsche Unternehmen werden könnten. Und er habe dabei sogar von einer Katastrophe gesprochen.

Sollten die Ideen des US-Präsidenten für neue Handelsbarrieren tatsächlich, insbesondere gegen China, umgesetzt werden, dann würde sich dies zweifelsohne aufgrund des großen Handelsvolumens katastrophal auf die exportorientierte deutsche Wirtschaft auswirken. Der Chef des Branchenverbandes BGA in Berlin habe Trump einen von sich absolut überzeugten und machtbesessenen Familienunternehmer ohne Bindung zur sozialen Marktwirtschaft genannt.

Bei der Verhängung von Strafzöllen gegenüber einzelnen Unternehmen oder Ländern würde Donald Trump allerdings in Konflikt mit der Welthandelsorganisation WTO geraten, so Börner. Sollte der US-Präsident dennoch diese roten Linien austesten wollen, gelte es gemeinsam, also Politik und Wirtschaft, stark aufzutreten und harte Antworten zu formulieren.

Für den Fall, dass sich im Zuge eines Handelskriegs der USA mit China das Wirtschaftswachstum in China merklich abkühlen sollte, hätte dies aus Börners Sicht auch negative Auswirkungen auf deutsche Ausfuhren nach Fernost. Eine weltweite Rezession wäre dann laut BGA unausweichlich. Hinter die aktuelle Prognose für die Exportentwicklung von plus 2,5% für 2017 habe Börner daher ein großes Fragezeichen gesetzt.

Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann habe sich gezwungen gesehen, auf die Äußerungen von Trump zu reagieren, der sich beklagt habe, es würden in Deutschland zu wenig Chevrolets fahren, während in den USA viele Mercedes-Fahrzeuge zu sehen seien. Ja, das sei schon eine merkwürdige Vorstellung von fairem Handel, wenn für jedes importierte deutsche Auto ein amerikanisches nach Deutschland exportiert werden solle, habe er dazu dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" gesagt.

Weidmann stellte dabei die Frage, ob denn die Amerikaner zum Ausgleich dafür, dass bei uns im Fernsehen amerikanische Erfolgsserien laufen, nun jeden Sonntag "Tatort" schauen müssten, so die Analysten der Baader Bank. Vielleicht könnte dann ja ein neues Tatort-Team in Washington ermitteln. Der Kern internationaler Arbeitsteilung sei ja gerade, so Weidmann, dass jeder das mache, was er am besten könne - und nicht jedes Land alles selbst produziere. Wenn die Politik Handelsbarrieren errichte oder einen Abwertungswettlauf anzettle, gebe es am Ende nur Verlierer, so Weidmanns Credo.

Auch EZB-Präsident Mario Draghi habe den Vorwurf der Trump-Regierung gekontert, wonach sich Europa und vor allem Deutschland mit dem schwachen EUR Vorteile auf dem Weltmarkt verschaffen würden. "Wir sind keine Währungsmanipulatoren", habe Draghi in Brüssel gesagt. Vielmehr spiegele die Geldpolitik der EZB den unterschiedlichen Zustand der Wirtschaft im Währungsraum im Vergleich zu den USA wider. Der gemeinsame Markt würde mit anhaltenden wettbewerbsgetriebenen Abwertungen nicht überleben.

Ob solche Argumente bei einer Administration ankämen, die sich "alternativen Fakten" verschrieben habe, dürfe bezweifelt werden. Man hofft aber, dass die Mechanismen der wirtschaftlichen Fakten, die auch die internationalen US-Konzerne durchaus verstehen, ihre magische Kraft entfalten mögen, so die Analysten der Baader Bank.

Noch nie zuvor seien in einem Monat so viele Bonds emittiert worden wie im Januar 2017. Den Statistiken zufolge seien Anleihen für 530,84 Mrd. USD emittiert worden und der Rekord vom Januar 2013 (501,59 Mrd. USD) habe sogar deutlich übertroffen werden können. Auch im Euroraum brauche man sich mit dem Emissionsvolumen von rund 30 Mrd. EUR nicht zu verstecken. Es sei der zweitstärkste Monat nach Januar 2009 mit gut 50 Mrd. EUR gewesen und in dieser Februar-Berichtswoche sei es nahtlos weiter mit Unilever, Ryanair und Avinor gegangen.

Des Weiteren habe Hapag-Lloyd die Aufstockung eines Bonds (ISIN XS1555576641 / WKN A2E4V1) um 200 Mio. EUR auf 450 Mio. EUR erfolgreich abschließen können. Der Ausgabepreis sei mit 102,375% festgelegt worden, was einem Spread von +665 Bps über der vergleichbaren Bundesanleihe entspreche. Die Investoren würden bis zur Fälligkeit am 01.02.2022 Zinsen in Höhe von jährlich 6,75% erhalten.

Unilever habe gleich zwei Bonds mit einem Volumen von je 600 Mio. EUR aufgelegt. Die erste Tranche (ISIN XS1566100977 / WKN A19DB0), ein 6-jähriger Bond, sei am 14.02.2023 fällig und mit einem Kupon in Höhe von 0,375% ausgestattet. Der Emissionspreis habe bei 99,905% gelegen, was +15 Bps über Mid Swap entsprochen habe. Die zweite, 10-jährige Anleihe (ISIN XS1566101603 / WKN A19DB1) mit Fälligkeit am 14.02.2027 zahle dem Anleger Zinsen in Höhe von 1,00% jährlich und habe zu einem Preis von 99,726% ausgegeben werden können. Dies habe einen Emissionsspread von +30 Bps über Mid Swap bedeutet.

Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair habe ebenfalls erfolgreich 750 Mio. EUR am Kapitalmarkt eingesammelt. Der Bond (ISIN XS1565699763 / WKN A19C9L) sei am 15.08.2023 endfällig und weise einen jährlichen Kupon in Höhe von 1,125% auf. Der Ausgabepreis habe bei 99,381% gelegen, was einer Benchmark von +92 Bps über Mid Swap gleichgekommen sei.

Als letzter im Bunde habe sich in dieser Woche Avinor in die Emisssionsflut eingereiht und eine Anleihe (ISIN XS1562601424 / WKN A19C1B) mit einem Volumen von 500 Mio. EUR begeben. Das norwegische Staatsunternehmen, welches unter anderem 46 Flughäfen betreibe, habe den Bond mit einem Zins von 1,25% ausgestattet, welcher bis zur Fälligkeit am 09.02.2027 jährlich gezahlt werde. Der Reoffer habe bei 99,534% gelegen, was einem Emissionsspread von +87,7 Bps über der vergleichbaren Bundesanleihe entsprochen habe.

Alle Emittenten hätten eine Make Whole-Option in die Anleihebedingungen aufnehmen lassen und die Mindeststückelung auf 100.000 EUR festgelegt, womit sie primär institutionelle Investoren ansprechen würden.

Habe man am vergangenen Donnerstag noch die Angst der Investoren vor steigenden Zinsen in den Mittelpunkt der Überlegungen gestellt, so könne man heute feststellen: "Manchmal kommt es doch anders als man denkt." Denn in dieser Woche habe das Sorgenbarometer Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) seinem Namen alle Ehre gemacht und sich infolge der wieder aufflammenden Euro-Finanzkrise positiv entwickelt. Die politischen Risiken in den USA seien vorerst vergessen gewesen und man habe sich den hausgemachten Problemen Europas gewidmet.

Hierbei würden die Wahlen in diversen Euro-Staaten, die fehlende Kapitaldecke vieler europäischer Banken, die griechische Tragödie, der Brexit und ein möglicher "Frexit" dunkle Schatten auf die europäische Staatengemeinschaft werfen. Deutsche Staatsanleihen seien somit verstärkt nachgefragt worden, was wiederum zu einer deutlichen Spreadausweitung gegenüber den anderen europäischen Staaten geführt habe. So sei beispielsweise der Renditespread gegenüber Frankreich auf ein Mehrjahreshoch gestiegen.

Aus charttechnischer Sicht würden sich jetzt alle Blicke auf den Test der 200-Tage-Linie beim Euro-Bund-Future richten, die aktuell bei 164,29% verlaufe. Sollte diese Hürde genommen werden, so sei ein Test des zum Jahresauftakt erzielten Höchstkurs bei 164,94% möglich. Die somit in den ersten Handelswochen erzielte Bandbreite zwischen 161,31% und 164,94% sei Beweis genug für die fehlende klare Linie. Doch Angst fresse bekanntlich Hirn und daher könne in dieser politisch unkalkulierbaren Zeit auch eine vorübergehende Rückkehr zu bisherigen Tiefstständen nicht ausgeschlossen werden. Am 09.02. habe das Rentenbarometer bei 164,10% notiert.

Nachdem in der vergangenen Handelswoche für Investoren "Magerkost" angesagt gewesen sei, habe man jetzt wieder die Qual der Wahl gehabt. Sowohl die üblichen T-Bills mit Laufzeiten von vier Wochen sowie drei und sechs Monaten als auch 3-jährige sowie 10-jährige T-Notes und 30-jährige T-Bonds im Gesamtvolumen von 169 Mrd. USD hätten ihre Abnehmer gesucht.

In der Eurozone seien für den gleichen Zeitraum Emissionen für insgesamt ca. 12 Mrd. EUR in Aussicht gestellt worden. Gleich zum Wochenstart hätten die Niederlande eine 10-jährige Staatsanleihe (ISIN NL0012171458 / WKN A19C29) emittiert, bevor Österreich am Dienstag zwei Anleihen (ISIN AT0000A105W3 / WKN A1HJL5, 2023; ISIN AT0000A1K9C8 / WKN A18X6P, 2026) zum Kauf angeboten habe.

Deutschland habe am gleichen Tag die erst 2046 endfällige inflationsindexierte Anleihe (ISIN DE0001030575 / WKN 103057) um 500 Mio. EUR auf insgesamt 5,5 Mrd. EUR aufgestockt. Die Zuteilung sei bei einer realen Durchschnittsrendite von -0,48% erfolgt. Zur Wochenmitte habe die Finanzagentur zusätzlich Material der aktuellen 10-jährigen Benchmark Anleihe (ISIN DE0001102416 / WKN 110241) zur Verfügung gestellt. Hierbei seien 3 Mrd. EUR offeriert worden, die mit einer Durchschnittsrendite von 0,33% zugeteilt worden seien. Das Gesamtvolumen der Emission belaufe sich inzwischen auf 8 Mrd. EUR. Den Schlusspunkt setz(t)en mit je zwei Anleihen Portugal (ISIN PTOTESOE0013 / WKN A1Z6CE, 2022; ISIN PTOTEQOE0015 / WKN A1HKUP, 2024) und Irland (fünf und zehn Jahre), so die Analysten der Baader Bank.

Der richtige Winter mit zweistelligen Minusgraden scheine vorerst vorbei zu sein. Die Temperaturen würden in den Plusbereich steigen und auch die Sonnenstunden würden wieder mehr. Im Gegensatz dazu werde die Stimmung an den Finanzmärkten immer eisiger und statt der Temperaturen steige die Unsicherheit der Marktteilnehmer.

So habe es die europäische Gemeinschaftswährung dieser Tage schwer, sich bei dem derzeitigen Marktgeschehen zu behaupten. Nachdem in der Vorwoche der EUR seitens der Vereinigten Staaten noch starkgeredet worden sei und in der Folge auf ein neues Jahreshoch (1,0829 USD) gestiegen sei, habe er seit Wochenbeginn stetig an Wert eingebüßt. Die aktuellen politischen Unsicherheiten im Euroraum und nicht die Stärke des Greenbacks hätten den EUR zeitweise bis auf Kurse von 1,0640 USD abrutschen lassen. Aufgrund fehlender Impulse sei der EUR gestern Morgen wenig verändert bei 1,0680 USD in den Handel gestartet.

Etwas mehr zu bieten habe da nach wie vor die Türkische Lira (TRY). In den bisher wenigen Handelswochen in 2017 habe sich die Währung der Türkei in einer Handelsspanne zwischen 3,70 TRY zu Jahresbeginn und 4,20 TRY (12. Januar 2017) bewegt. Die Volatilität der Währung spiegele die teilweise sehr schwierige politische Situation und die Unsicherheit im Land wider. Am 09.02. habe die TRY wieder unter der wichtigen Marke von 4,00 TRY gehandelt.

Das Vertrauen in den EUR sei durch die jüngsten Entwicklungen nicht unbedingt gestiegen. Die Privatanleger seien somit bestrebt, ihr Vermögen sorgfältig und risikobewusst anzulegen. So stünden Fremdwährungsanleihen auf USD, Brasilianische Real, TRY sowie Russische Rubel in der Gunst der Anleger.

Disclaimer:

Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten. (Ausgabe vom 09.02.2017) (10.02.2017/alc/a/a)





hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
125,1945 € 125,2722 € -0,0777 € -0,06% 01.01./01:00
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE0009652644 965264 132,00 € 124,26 €
Werte im Artikel