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Börsencrash zwingt EZB zu stärkerer Reaktion
11.03.20 09:15
Legg Mason
Baltimore (www.anleihencheck.de) - Bis zum Wochenende bestand die wahrscheinlichste Vorgehensweise für die EZB darin, ausreichend Liquidität für die Wirtschaft zur Verfügung zu stellen, so Andreas Billmeier, Sovereign Research Analyst der Legg Mason-Tochter Western Asset Management.
Eine Zinssenkung um 10 Basispunkte sei zwar voll eingepreist gewesen, aber nur ein entfernter zweiter Schritt. Dies habe sich jetzt geändert. Für die Sitzung der EZB am Donnerstag (12. März 2020) seien nun eine Zinssenkung, Liquiditätsmaßnahmen und möglicherweise auch eine Verstärkung des Programms zum Asset-Ankauf zu erwarten.
Warum? Seit Donnerstag habe es zwei zusätzliche Schocks gegeben: Erstens habe Italien zunächst das Kernindustriegebiet Lombardei und 14 benachbarte Provinzen geschlossen, was ungefähr 45 bis 50 Prozent des nationalen BIP ausmache, und mittlerweile das ganze Land unter Quarantäne gestellt. Während Italien deshalb im ersten Quartal 2020 sehr wahrscheinlich in eine Rezession gerate, werde diese Maßnahme zumindest sehr deutliche Auswirkungen auf die europäische Kernproduktions- und Logistikkette haben. Dies betreffe Italien, Teile Österreichs, der Schweiz und Süddeutschlands.
Deutschland und die Eurozone könnten zwar aus definitorischer Sicht im ersten Quartal nicht in eine Rezession fallen, da dazu zwei aufeinander folgende Quartale mit negativen Vorzeichen beim Wachstum stehen müssten. Aber dieser Punkt sei im Wesentlichen akademisch - der wirtschaftliche Schock werde stark sein und die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in der Eurozone steige zum zweiten Quartal. Mit anderen Worten: Auch die Wahrscheinlichkeit eines schnellen Wiederaufschwungs schwinde.
Deshalb könne die EZB den erweiterten Charakter des Schocks nicht länger ignorieren, müsse handeln und das geeignete Instrument sei eine Zinssenkung. Zu bedenken sei auch, dass der Euro nach der jüngsten Aufwertung nicht mehr in seiner Komfortzone um die 1,15 liege und die EZB zu diesem Zeitpunkt sicherlich nicht sehr an einer Aufwertung der Währung interessiert sei.
Zudem würden der Zusammenbruch des OPEC+-Abkommens und die offensichtlichen Auswirkungen auf den Rohölpreis zusätzlich zum stärkeren Euro die Gesamtinflation in der Eurozone auf null und möglicherweise sogar noch darunter drücken, wenn der Ölpreisschock nicht schnell rückgängig gemacht werde. Während die Auswirkungen auf die Kerninflation weniger stark sein würden, werde sich die Übertragung auf die Inflationserwartungen verändern: Nur weil einige Prognosen zu niedrigeren Inflationserwartungen kämen, würde die EZB nicht zu weiteren Schritten greifen. Jetzt aber habe sich die Situation umgekehrt: Wenn zu erwarten sei, dass die Gesamtinflation auf oder sogar unter null sinke, sei fast sicher, dass die Analystenschätzungen für die Inflation absacken würden. Dann aber könne sie genauso gut schon jetzt dagegen vorgehen, indem sie den Betrag der gekauften Vermögenswerte von 20 auf 30 oder 40 Milliarden Euro erhöhe und möglicherweise die Mischung ein wenig verändere.
Insofern sei von der EZB-Sitzung am Donnerstag nun ein relativ breites Maßnahmenpaket zu erwarten, das eine Zinssenkung, erhebliche Anstrengungen auf der Seite der Liquiditätsversorgung und auch eine Erhöhung des Programms zum Ankauf von Vermögenswerten umfasse.
Die Inflationserwartungen stünden insofern unter einer gewissen Unsicherheit, als sich die angespannte Lage zwischen Saudi-Arabien und Russland fast ebenso schnell wieder auflösen könnte, wie sie entstanden sei. Der wirtschaftliche und politische Druck auf Saudi-Arabien sei viel größer als auf Russland. Die russische Wirtschaft sei durch die Anhäufung von Reserven (+ 150 Milliarden in den letzten fünf Jahren) seit geraumer Zeit viel immuner geworden, während für Saudi-Arabien das Gegenteil zutreffe: Die offiziellen Reserven seien im gleichen Zeitraum um etwa 250 Milliarden US-Dollar zurückgegangen. Aus fiskalischer Sicht würden die Haushaltsdefizite außerhalb des Ölsektors nach den entsprechenden Berichten des IWF etwa 30 Prozent des BIP in Saudi-Arabien im Gegensatz zu etwa sechs Prozent des BIP in Russland betragen. Saudi-Arabien könne dieses Spiel nicht sehr lange spielen. (Ausgabe vom 10.03.2020) (11.03.2020/alc/a/a)
Eine Zinssenkung um 10 Basispunkte sei zwar voll eingepreist gewesen, aber nur ein entfernter zweiter Schritt. Dies habe sich jetzt geändert. Für die Sitzung der EZB am Donnerstag (12. März 2020) seien nun eine Zinssenkung, Liquiditätsmaßnahmen und möglicherweise auch eine Verstärkung des Programms zum Asset-Ankauf zu erwarten.
Warum? Seit Donnerstag habe es zwei zusätzliche Schocks gegeben: Erstens habe Italien zunächst das Kernindustriegebiet Lombardei und 14 benachbarte Provinzen geschlossen, was ungefähr 45 bis 50 Prozent des nationalen BIP ausmache, und mittlerweile das ganze Land unter Quarantäne gestellt. Während Italien deshalb im ersten Quartal 2020 sehr wahrscheinlich in eine Rezession gerate, werde diese Maßnahme zumindest sehr deutliche Auswirkungen auf die europäische Kernproduktions- und Logistikkette haben. Dies betreffe Italien, Teile Österreichs, der Schweiz und Süddeutschlands.
Deshalb könne die EZB den erweiterten Charakter des Schocks nicht länger ignorieren, müsse handeln und das geeignete Instrument sei eine Zinssenkung. Zu bedenken sei auch, dass der Euro nach der jüngsten Aufwertung nicht mehr in seiner Komfortzone um die 1,15 liege und die EZB zu diesem Zeitpunkt sicherlich nicht sehr an einer Aufwertung der Währung interessiert sei.
Zudem würden der Zusammenbruch des OPEC+-Abkommens und die offensichtlichen Auswirkungen auf den Rohölpreis zusätzlich zum stärkeren Euro die Gesamtinflation in der Eurozone auf null und möglicherweise sogar noch darunter drücken, wenn der Ölpreisschock nicht schnell rückgängig gemacht werde. Während die Auswirkungen auf die Kerninflation weniger stark sein würden, werde sich die Übertragung auf die Inflationserwartungen verändern: Nur weil einige Prognosen zu niedrigeren Inflationserwartungen kämen, würde die EZB nicht zu weiteren Schritten greifen. Jetzt aber habe sich die Situation umgekehrt: Wenn zu erwarten sei, dass die Gesamtinflation auf oder sogar unter null sinke, sei fast sicher, dass die Analystenschätzungen für die Inflation absacken würden. Dann aber könne sie genauso gut schon jetzt dagegen vorgehen, indem sie den Betrag der gekauften Vermögenswerte von 20 auf 30 oder 40 Milliarden Euro erhöhe und möglicherweise die Mischung ein wenig verändere.
Insofern sei von der EZB-Sitzung am Donnerstag nun ein relativ breites Maßnahmenpaket zu erwarten, das eine Zinssenkung, erhebliche Anstrengungen auf der Seite der Liquiditätsversorgung und auch eine Erhöhung des Programms zum Ankauf von Vermögenswerten umfasse.
Die Inflationserwartungen stünden insofern unter einer gewissen Unsicherheit, als sich die angespannte Lage zwischen Saudi-Arabien und Russland fast ebenso schnell wieder auflösen könnte, wie sie entstanden sei. Der wirtschaftliche und politische Druck auf Saudi-Arabien sei viel größer als auf Russland. Die russische Wirtschaft sei durch die Anhäufung von Reserven (+ 150 Milliarden in den letzten fünf Jahren) seit geraumer Zeit viel immuner geworden, während für Saudi-Arabien das Gegenteil zutreffe: Die offiziellen Reserven seien im gleichen Zeitraum um etwa 250 Milliarden US-Dollar zurückgegangen. Aus fiskalischer Sicht würden die Haushaltsdefizite außerhalb des Ölsektors nach den entsprechenden Berichten des IWF etwa 30 Prozent des BIP in Saudi-Arabien im Gegensatz zu etwa sechs Prozent des BIP in Russland betragen. Saudi-Arabien könne dieses Spiel nicht sehr lange spielen. (Ausgabe vom 10.03.2020) (11.03.2020/alc/a/a)


