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BoJ im Zins-Dilemma: Japans Anleiherenditen steigen auf Rekordwerte


21.08.25 12:00
FONDS professionell

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Renditen japanischer Staatsanleihen mit 20 Jahren Laufzeit sind auf neue Mehrdekaden-Höchststände geklettert, so die Experten von "FONDS professionell".

Auslöser seien anhaltende Sorgen um eine expansive Haushaltspolitik sowie nachlassendes Interesse wichtiger Investoren.

Am Donnerstag (21.08.) sei die Rendite der sogenannten Super-Long-Bonds kurzzeitig auf 2,655 Prozent gestiegen und habe damit den bisherigen Höchststand von 1999 übertroffen. Die Rendite der zehnjährigen Benchmark-Anleihe habe 1,61 Prozent erreicht - den höchsten Wert seit 2008. Die Renditen 30-jähriger Papiere seien auf 3,18 Prozent geklettert und hätten sich damit dem Allzeithoch von 3,2 Prozent im Juli genähert.

Druck durch mögliche Fiskalpolitik

Hintergrund sei die Erwartung neuer Konjunkturpakete nach der Niederlage der Regierungskoalition bei den Oberhauswahlen im Juli. Dies könnte die Emission zusätzlicher Staatsanleihen erforderlich machen und die ohnehin stark belasteten langlaufenden Papiere weiter unter Druck setzen würden. Zugleich sorge die Inflation für Druck auf die Bank of Japan (BoJ), die Zinsen anzuheben.

Auch die Nachfrage von Investoren schwächele. Nach Daten der Japan Securities Dealers Association seien die Nettoauslandsinvestitionen in Anleihen mit Laufzeiten von mehr als zehn Jahren im Juli auf 480 Milliarden Yen (rund 3,3 Mrd. Dollar) gefallen - nur ein Drittel des Volumens aus dem Vormonat. Damit würden sich ausländische Investoren nach kräftigen Käufen in der ersten Jahreshälfte spürbar zurückziehen.

Instabilität langen Ende der Zinskurve?

"Da ausländische Investoren im ersten Halbjahr 2025 bei weitem die dominierende Nachfragequelle für Super-Long-JGBs waren, wirft der starke Rückgang im Nettokauf Fragen nach einer möglichen Instabilität am langen Ende der Zinskurve auf", schreibe Ataru Okumura, Senior Interest-Rate-Stratege bei SMBC Nikko Securities, in einer Analyse vom Donnerstag. Ein anhaltender Anstieg der zehnjährigen Renditen könnte Konsum und Unternehmensinvestitionen belasten. Die Benchmark gelte als wichtiger Indikator für langfristige Finanzierungskosten - von Hypotheken bis hin zu Unternehmenskrediten.

"Der jüngste Anstieg des Open Interest bei JGB-Futures deutet darauf hin, dass aggressive Händler zunehmend überzeugt sind, dass die 'Münze' für eine Zinserhöhung im Oktober bis zur Rückkehr Uedas nach Japan vollständig eingepreist sein wird", meine "Bloomberg"-Stratege Mark Cranfield. (mb/Bloomberg) (21.08.2025/alc/a/a)