BoE-Inflation Report: Wachstumsprognosen zu optimistisch?


12.02.14 14:41
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Waren die Analysten der Nord LB im November 2013 noch - vorsichtig formuliert - verwundert ob des prognostizierten Wachstums auf der Insel für 2014 und 2015, ergab sich am heutigen Vormittag die Situation einer kurzfristigen Schnappatmung.

Die Bank of England habe in ihrem aktualisierten Inflation Report ein BIP-Wachstum für das laufende Jahr in Höhe von 3,4% ausgerufen. Vor drei Monaten seien die Offiziellen in der Threadneedle Street noch von 2,8% ausgegangen.

Auch für 2015 habe Governor Mark Carney einen Pflock eingerammt: 2,7% BIP-Wachstum anstatt zuvor erwarteter 2,3%. Zudem gehe das Monetary Policy Committee davon aus, dass die Wachstumszahlen des 4. Quartals 2013 noch einmal nach oben revidiert würden - von 0,7% Q/Q auf 0,9% Q/Q. Die BoE möchte auch künftig trotzdem ihre entgegenkommenden und versorgenden geldpolitischen Maßnahmen weiter ultraexpansiv halten.

Im März jähre sich der Dauertiefzins bei 0,50% zum fünften Mal. Seit 2009 befinde sich der maßgebliche Leitzins für die Insel auf dem historisch einmaligen Niveau knapp oberhalb der Nulllinie. Noch im August 2013 sei eine Zinsanhebung laut Forward Guidance Ende 2016 realistisch gewesen. Vor drei Monaten sei ein Zinsschritt für 2015 nicht mehr gänzlich ausgeschlossen und kurzzeitig sogar 2014 für realistisch gehalten worden. Die Bank Rate werde mittelfristig nicht auf den Vorkrisendurchschnitt in Höhe von 5% anziehen.

Aber wo solle das Wachstum herkommen? Die Arbeitslosenquote werde bald auf 7% fallen und sich mittelfristig bei 6 bis 6,5% einpendeln. Die ungenutzten Kapazitäten in der Volkswirtschaft seien zudem immer noch hoch. Die Lohnentwicklung liege seit geraumer Zeit unterhalb der Inflationsrate. Die Kaufkraft sinke Monat für Monat. Das Wachstum müsse erst noch auf verschiedene Wirtschaftszweige und damit auf mehrere Schultern verteilt werden. Es falle schwer, so positiv für die Insel zu sein. Die Jugendarbeitslosigkeit bleibe ein Problem. Anziehende Zinsen seien Gift für die variabel verzinsten Hypotheken vieler Familien. Die Exportwirtschaft sei nicht konkurrenzfähig verglichen mit der Deutschen usw. Die Briten hätten noch nicht all ihre Hausaufgaben erledigt. Zudem werde über die Abspaltung Schottlands diskutiert und 2015 sei Wahljahr, sodass bereits dieses Jahr der Wahlkampf beginnen sollte oder gar habe. Den prognostizierten Wachstumspfad sehen die Analysten der Nord LB kritisch!

Der "George Clooney unter den Zentralbankern" habe sich auch erwartungsgemäß zur Forward Guidance (FG) äußert. Die Aussage sei weiterhin klar und verständlich und die Unsicherheit spürbar zurückgegangen. Die erste Phase der FG sei abgeschlossen. Man werde jetzt nicht die Erholung der Volkswirtschaft aufs Spiel setzen. Es werde keinen Zeitrahmen diesbezüglich geben. Auch auf Nachfrage habe er für 2014 eine Leitzinserhöhung nicht ausschließen wollen. Die Zinsen auf der Insel scheinen trotz erwarteten stärkeren Wachstums als zum Beispiel in Deutschland noch für lange Zeit niedrig zu bleiben, so die Analysten der Nord LB. Sofern die Leitzinsen angehoben würden, dürfte das ihrer Ansicht nach ohnehin nicht in großen Schritten erfolgen.

Das Pfund Sterling habe sehr freundlich auf die heutigen Nachrichten reagiert und gegenüber dem Euro spürbar aufgewertet. Solche Bewegungen würden wiederum dem Exportsektor schaden, wenngleich die Gefahr importierter Inflation zurückgehe.

Der heute vorgestellte Inflation Report habe erwartungsgemäß so Einiges an Inhalt und Überraschungspotenzial geboten. Die Wachstumsprognosen für 2014 und 2015 seien noch einmal spürbar angehoben worden. Die Analysten der Nord LB hielten bereits die letzten Zahlen für sehr optimistisch. Wo solle das Wachstum nun herkommen? Die Antwort sei Mark Carney schuldig geblieben. Die Bank of England werde die einsetzende Erholung nicht aufs Spiel setzen. Das klinge, als würden die Leitzinsen noch für lange Zeit niedrig bleiben. Das Pfund präsentiere sich freundlich und habe aufgewertet. Die Marktteilnehmer scheinen den Briten mehr zuzutrauen als die Analysten der Nord LB. (12.02.2014/alc/a/a)