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Blickpunkt FED: Der nächste Schritt zum Tapering


23.09.21 09:15
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die September-Zinssitzung der FED war durchaus hawkish, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG.

Auch wenn das Tapering nicht offiziell angekündigt worden sei, erscheine die Hürde für November niedrig. Neue Prognosen würden das Narrativ vorübergehender Inflation bestätigen, würden jedoch Spekulationen über eine Zinserhöhung 2022 nähren.

"Wenn die Fortschritte im Großen und Ganzen wie erwartet anhalten, ist das Gremium der Ansicht, dass eine Drosselung des Tempos der Käufe von Vermögenswerten bald gerechtfertigt sein könnte". Mit der Aufnahme dieses Satzes in die geldpolitische Erklärung sei die FED dem Tapering deutlich näher gerückt. Auch wenn "der Anstieg der COVID-19-Fälle die Erholung verlangsamt hat", scheine die Verschlechterung der Pandemiesituation nicht ausgereicht zu haben, um ein Umdenken bei den Mitgliedern des Offenmarktausschusses (FOMC) auszulösen. Schließlich hätten sich "die von der Pandemie am stärksten betroffenen Sektoren in den letzten Monaten verbessert", so die FED.

Die neue Formulierung zum Tapering könne als Vorab-Ankündigung über eine bevorstehende Änderung der Geldpolitik verstanden werden. Somit sei eine tatsächliche Ankündigung der Reduzierung der Nettokäufe auf der nächsten FOMC-Sitzung Anfang November wahrscheinlich. Einige FOMC-Mitglieder seien der Ansicht, dass die Bedingungen für das Tapering bereits erfüllt worden seien. Powell selbst würde gerne noch einen "vernünftigen" Arbeitsmarktbericht sehen. Die Hürde für eine bevorstehende Ankündigung erscheine niedrig. Auf der Pressekonferenz habe Powell außerdem erwähnt, dass das Tempo des Tapering zwar diskutiert, aber noch keine Entscheidung getroffen worden sei. Ein schrittweises Tapering, das etwa Mitte nächsten Jahres abgeschlossen sein werde, sei laut Powell plausibel. Dies wäre etwas schneller als bisher erwartet (Ende der Anleihekäufe in Q3 2022).

Neben den Informationen zum Tapering habe ein neues Set makroökonomischer Prognosen im Fokus gestanden. Wie erwartet sei die Inflationsprognose für das laufende Jahr deutlich angehoben worden. Der Median aus FOMC-Mitgliedern erwarte für Q4 2021 eine PCE-Inflation von 4,2% p.a. (Kerninflation: 3,7%). Die Inflation sei hoch, was die nächsten Monate auch so bleiben dürfte. Auf mittlere Sicht habe sich die Einschätzung jedoch nicht wesentlich verändert. So bleibe die FED bei ihrer Annahme weitgehend vorübergehender Inflationsanstiege, da die Kapazitätsengpässe allmählich abklingen sollten. Die Risiken für den Inflationsausblick würden als aufwärts gerichtet angesehen. Es werde erwartet, dass die Kerninflation im Zeitraum 2022-24 moderat über dem Zielwert von 2% bleibe.

Powell habe betont, dass das Tapering keine direkten Auswirkungen auf die Entwicklung der Federal Funds Rate (FFR) habe. Die Bedingungen für eine Zinserhöhung seien restriktiver als jene fürs Tapering: Erstens müssten Arbeitsmarktbedingungen ein Niveau erreicht haben, das mit maximaler Beschäftigung vereinbar sei. Zweitens müsse die Inflation 2% erreicht haben. Und drittens müsse ein moderates Überschießen der Inflation in Aussicht stehen.

Der Median aus FOMC-Mitgliedern gehe nun davon aus, dass diese Bedingungen bereits 2022 erfüllt sein würden. Die Details würden ein gespaltenes Gremium zeigen. Drei Mitglieder würden zwei Zinserhöhungen erwarten, sechs Mitglieder würden eine Erhöhung und neun Mitglieder erwarten, dass die FFR 2022 nicht angehoben werde. Eine erste Zinserhöhung 2022 sei also nicht sicher. Allgemein würden alle bis auf einen darin übereinstimmen, dass die FFR Ende 2023 über dem heutigen Niveau liegen werde.

Der Markt habe mit einer Verflachung der Renditekurve (langes Ende unverändert) reagiert und der US-Dollar habe aufgewertet. (23.09.2021/alc/a/a)