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"Beunruhigend": Was die hohe US-Inflation für die Fed-Politik heißt
13.02.25 13:30
FONDS professionell
Wien (www.anleihencheck.de) - Allein im Januar sind die US-Verbraucherpreise um 0,5 Prozent gestiegen, wie am Mittwoch (12.2.) veröffentlichte Inflationsdaten zeigen, so die Experten von "FONDS professionell".
Ökonomen hätten Umfragen zufolge nur mit einem Plus von 0,3 Prozent gerechnet. Auch die Jahresrate hab zugelegt und habe zuletzt bei 3,0 Prozent gelegen, erwartet worden seien 2,9 Prozent.
Theoretisch sollte die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) die Zinsen nun anheben, wenn sie wirklich ein Inflationsziel von zwei Prozent anstrebe, habe Mohamed El-Erian, der Präsident des Queens' College in Cambridge, in einem Interview mit "Bloomberg" gesagt. Wahrscheinlicher sei jedoch, dass die Zentralbank die Zinsen stabil halten und eine höhere Inflation tolerieren werde, um das Wirtschaftswachstum und den "amerikanischen Exzeptionalismus" zu schützen.
Die Fed werde "weiterhin versprechen, dass alles in Ordnung sein wird", habe der frühere Chef des Asset Managers Pimco gesagt. Er erwarte, dass die Notenbank mit Blick auf mögliche Zinsänderungen "eine Pause einlegen" werde. "Die Pausentaste wird viel länger gedrückt bleiben, als die Märkte es erwartet haben", so El-Erian.
Die Kurse von US-Staatsanleihen hätten im Anschluss an die Veröffentlichung der Daten deutlich nachgegeben, was zu einem Anstieg der Renditen um mindestens acht Basispunkte über alle Laufzeiten hinweg geführt habe, wie "Bloomberg" berichte. Zinsswaps hätten gezeigt, dass Händler für den Rest des Jahres 2025 nun nur noch eine Senkung des Leitzinses um einen Viertelpunkt einpreisen würden.
FONDS professionell ONLINE habe die wichtigsten Aussagen aus ausgewählten Marktkommentaren zur US-Inflation zusammengetragen:
Peter Graf, Chief Investment Officer, Nikko Asset Management Americas: "Nach dem heutigen Anstieg der Verbraucherpreisinflation sollte der Markt endlich akzeptieren, dass die US-Notenbank ihren geldpolitischen Kurs beibehalten wird. Leider deuten die jüngsten Daten darauf hin, dass die Geschichte einen unschönen Verlauf nehmen könnte: Die hartnäckige Inflation dürfte die enttäuschende Stimmung weiter eintrüben. In Kombination mit der Schwäche des Dienstleistungssektors stützen diese Daten eine pessimistischere Lesart des zweideutigen Beschäftigungsberichts vom Januar. Die Zuversicht könnte einen Dämpfer erhalten, wenn die Anleger erkennen, dass die Politik von Präsident Trump möglicherweise kein Allheilmittel ist, um die Wirtschaft auf einem stetigen Aufwärtstrend zu halten."
Andreas Busch, Senior Economist, Bantleon: "In unseren Augen spricht vieles dafür, dass für die hohe Januar-Teuerung eine Reihe jährlicher Preisanpassungen verantwortlich ist, die durch die Saisonbereinigungsverfahren nur unzureichend korrigiert werden. Daneben signalisieren die Großhandelszahlen auch bei den Gebrauchtwagenpreisen eine baldige Entspannung. Nicht zuletzt dürfte sich der kräftige Anstieg der Medikamentenpreise so nicht fortsetzen. Alles in allem stellen die Januar-Teuerungsdaten somit den übergeordneten Disinflationstrend nicht grundsätzlich in Frage. Gleichwohl lassen sie erkennen, dass er gegenwärtig flacher verläuft als bislang anzunehmen war. Die Fed wird sich angesichts dessen in ihrer abwartenden Haltung bestätigt sehen und bei den Leitzinsen weiter stillhalten."
Leon Ferdinand Bost, Analyst FI/FX Research, Metzler Capital Markets: "Die US-Inflation ist im Januar deutlich stärker gestiegen als von uns und den Analysten des 'Bloomberg'-Konsensus erwartet. Während eine harmlose Interpretation der Daten sein könnte, dass die Saisonbereinigungsfaktoren der Fed den saisonalen Anstieg im Januar nicht richtig bereinigen konnten, bleibt der Anstieg aus unserer Sicht zumindest beunruhigend. Dies gilt auch insbesondere angesichts des zuletzt überraschend starken Lohnwachstums und der steigenden kurzfristigen Inflationserwartungen der US-Verbraucher. Hinzu kommen nach wie vor Sorgen über eine potenziell inflationäre Politik Donald Trumps. Vor diesem Hintergrund spricht derzeit dann auch wenig für weitere Zinssenkungen der Fed."
Eckhard Schulte, Vorstandsvorsitzender, Mainsky Asset Management: "Die Fed-Politik werden diese Zahlen nicht beeinflussen. Ohnehin ist die Notenbank im 'Wartemodus', und keiner erwartet eine Zinssenkung vor dem Sommer. Der langsame Inflationsfortschritt könnte zwar dazu führen, dass die Fed möglicherweise erst im Herbst oder in diesem Jahr vielleicht auch gar nicht mehr die Zinsen senkt. Dies ist nicht unser Kernszenario, aber letztlich würde auch das keine neue 'Marktstatik' begründen. Dies wäre nur dann der Fall, wenn die Fed über mögliche Zinserhöhungen sprechen würde. Das aber wird sie nicht tun, solange sich das Inflationsbild nicht über mehrere Monate massiv verschlechtert. Das derzeit 'festgemauerte' Zins-Szenario heißt dann aber auch, dass eine Ausweitung der Bewertungen als Performancetreiber für den Aktienmarkt momentan ausfällt. Damit verlieren gerade vor dem Hintergrund der ohnehin schon hohen Bewertungen Wachstumsaktien an Attraktivität. Für das Umfeld gut geeignet sind Banken und generell Titel mit nicht zu hohen Bewertungen, im Technologiebereich zum Beispiel eher KI-Anwender als die großen Hyperscaler. Es empfiehlt sich ebenso unverändert, auch Aktien außerhalb der USA zu allokieren. In Europa senkt die Europäische Zentralbank die Zinsen weiter und die Bewertungen sind noch immer niedrig."
Johannes Mayr, Chefvolkswirt, Eyb & Wallwitz: "Der Preissprung im Januar sollte zwar nicht überinterpretiert werden, denn zu Jahresbeginn sorgen die regulären Anpassungen der Preismessung immer wieder für Volatilität. Klar ist aber: Die US-Inflation sinkt bereits seit einigen Monaten nicht mehr, sondern bewegt sich bei etwa drei Prozent seitwärts beziehungsweise leicht aufwärts. Und dieses Bild wird sich wohl kurzfristig nicht fundamental verändern, denn die Inlandsnachfrage bleibt robust. Die inflationären Effekte der angekündigten Zollanhebungen und restriktiven Migrationsmaßnahmen dürften etwaige Entlastungen bei Steuern und Energie- und Regulierungskosten in den kommenden Monaten in etwa kompensieren. Auch deshalb untermauern die Januardaten die derzeitige Zinspause der Fed. Sorgen vor einer unmittelbaren Kehrtwende der Fed nach oben sind aber ebenso übertrieben. Denn Voraussetzung hierfür wäre ein neues Inflationsregime mit klar höheren mittelfristigen Inflationserwartungen."
Kay-Peter Tönnes, Leiter des Portfoliomanagements, Antecedo Asset Management: "Wir haben schon mehrfach auf die inflationären Gefahren der Wirtschaftspolitik der neuen amerikanischen Regierung hingewiesen. Uns wundert nur, dass sich die Inflation schon so früh zeigt und nicht erst, nachdem die Zölle in der Breite erhoben werden und das Arbeitsangebot durch eine drastische Einwanderungspolitik reduziert wird." Vor diesem Hintergrund erwarte Antecedo keine Zinssenkungen in den USA im laufenden Kalenderjahr, auch wenn die Terminmärkte dies aktuell noch einpreisen. "Längerfristig wird der Blick auf die Zinsentwicklung in den USA vermutlich noch von ganz anderen Faktoren abhängen als von der reinen Inflationsentwicklung. Denn die Amtszeit des derzeitigen Fed-Vorsitzenden Jerome Powell endet im Mai 2026. Und dann kann Donald Trump, ein erklärter Gegner hoher Zinsen, den Nachfolger benennen. Diese Personalentscheidung wird herausragende Bedeutung für den künftigen Kurs der Geldpolitik in den USA besitzen. Die Auseinandersetzungen um diesen Kurs zwischen Trump und der Fed werden sicher schon in diesem Jahr beginnen."
Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst, CMC Markets: "Die Inflationszahlen aus den USA zeigten keine Fortsetzung des im Vormonat gemeldeten Rückgangs der Kerninflation. Viele vermuten, dass dies erst der Anfang sein und Zölle die Preise weiter in die Höhe treiben könnten. Angesichts der aktuellen Inflationszahlen ist es fraglich, ob die Fed ihre für 2025 geplanten zwei Zinssenkungen tatsächlich umsetzen kann. Der Markt rechnet derzeit lediglich mit einem Schritt. Die gestrigen Daten haben dazu geführt, dass sie erst einen Monat später als bisher erwartet wird." (13.02.2025/alc/a/a)
Ökonomen hätten Umfragen zufolge nur mit einem Plus von 0,3 Prozent gerechnet. Auch die Jahresrate hab zugelegt und habe zuletzt bei 3,0 Prozent gelegen, erwartet worden seien 2,9 Prozent.
Theoretisch sollte die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) die Zinsen nun anheben, wenn sie wirklich ein Inflationsziel von zwei Prozent anstrebe, habe Mohamed El-Erian, der Präsident des Queens' College in Cambridge, in einem Interview mit "Bloomberg" gesagt. Wahrscheinlicher sei jedoch, dass die Zentralbank die Zinsen stabil halten und eine höhere Inflation tolerieren werde, um das Wirtschaftswachstum und den "amerikanischen Exzeptionalismus" zu schützen.
Die Fed werde "weiterhin versprechen, dass alles in Ordnung sein wird", habe der frühere Chef des Asset Managers Pimco gesagt. Er erwarte, dass die Notenbank mit Blick auf mögliche Zinsänderungen "eine Pause einlegen" werde. "Die Pausentaste wird viel länger gedrückt bleiben, als die Märkte es erwartet haben", so El-Erian.
Die Kurse von US-Staatsanleihen hätten im Anschluss an die Veröffentlichung der Daten deutlich nachgegeben, was zu einem Anstieg der Renditen um mindestens acht Basispunkte über alle Laufzeiten hinweg geführt habe, wie "Bloomberg" berichte. Zinsswaps hätten gezeigt, dass Händler für den Rest des Jahres 2025 nun nur noch eine Senkung des Leitzinses um einen Viertelpunkt einpreisen würden.
FONDS professionell ONLINE habe die wichtigsten Aussagen aus ausgewählten Marktkommentaren zur US-Inflation zusammengetragen:
Andreas Busch, Senior Economist, Bantleon: "In unseren Augen spricht vieles dafür, dass für die hohe Januar-Teuerung eine Reihe jährlicher Preisanpassungen verantwortlich ist, die durch die Saisonbereinigungsverfahren nur unzureichend korrigiert werden. Daneben signalisieren die Großhandelszahlen auch bei den Gebrauchtwagenpreisen eine baldige Entspannung. Nicht zuletzt dürfte sich der kräftige Anstieg der Medikamentenpreise so nicht fortsetzen. Alles in allem stellen die Januar-Teuerungsdaten somit den übergeordneten Disinflationstrend nicht grundsätzlich in Frage. Gleichwohl lassen sie erkennen, dass er gegenwärtig flacher verläuft als bislang anzunehmen war. Die Fed wird sich angesichts dessen in ihrer abwartenden Haltung bestätigt sehen und bei den Leitzinsen weiter stillhalten."
Leon Ferdinand Bost, Analyst FI/FX Research, Metzler Capital Markets: "Die US-Inflation ist im Januar deutlich stärker gestiegen als von uns und den Analysten des 'Bloomberg'-Konsensus erwartet. Während eine harmlose Interpretation der Daten sein könnte, dass die Saisonbereinigungsfaktoren der Fed den saisonalen Anstieg im Januar nicht richtig bereinigen konnten, bleibt der Anstieg aus unserer Sicht zumindest beunruhigend. Dies gilt auch insbesondere angesichts des zuletzt überraschend starken Lohnwachstums und der steigenden kurzfristigen Inflationserwartungen der US-Verbraucher. Hinzu kommen nach wie vor Sorgen über eine potenziell inflationäre Politik Donald Trumps. Vor diesem Hintergrund spricht derzeit dann auch wenig für weitere Zinssenkungen der Fed."
Eckhard Schulte, Vorstandsvorsitzender, Mainsky Asset Management: "Die Fed-Politik werden diese Zahlen nicht beeinflussen. Ohnehin ist die Notenbank im 'Wartemodus', und keiner erwartet eine Zinssenkung vor dem Sommer. Der langsame Inflationsfortschritt könnte zwar dazu führen, dass die Fed möglicherweise erst im Herbst oder in diesem Jahr vielleicht auch gar nicht mehr die Zinsen senkt. Dies ist nicht unser Kernszenario, aber letztlich würde auch das keine neue 'Marktstatik' begründen. Dies wäre nur dann der Fall, wenn die Fed über mögliche Zinserhöhungen sprechen würde. Das aber wird sie nicht tun, solange sich das Inflationsbild nicht über mehrere Monate massiv verschlechtert. Das derzeit 'festgemauerte' Zins-Szenario heißt dann aber auch, dass eine Ausweitung der Bewertungen als Performancetreiber für den Aktienmarkt momentan ausfällt. Damit verlieren gerade vor dem Hintergrund der ohnehin schon hohen Bewertungen Wachstumsaktien an Attraktivität. Für das Umfeld gut geeignet sind Banken und generell Titel mit nicht zu hohen Bewertungen, im Technologiebereich zum Beispiel eher KI-Anwender als die großen Hyperscaler. Es empfiehlt sich ebenso unverändert, auch Aktien außerhalb der USA zu allokieren. In Europa senkt die Europäische Zentralbank die Zinsen weiter und die Bewertungen sind noch immer niedrig."
Johannes Mayr, Chefvolkswirt, Eyb & Wallwitz: "Der Preissprung im Januar sollte zwar nicht überinterpretiert werden, denn zu Jahresbeginn sorgen die regulären Anpassungen der Preismessung immer wieder für Volatilität. Klar ist aber: Die US-Inflation sinkt bereits seit einigen Monaten nicht mehr, sondern bewegt sich bei etwa drei Prozent seitwärts beziehungsweise leicht aufwärts. Und dieses Bild wird sich wohl kurzfristig nicht fundamental verändern, denn die Inlandsnachfrage bleibt robust. Die inflationären Effekte der angekündigten Zollanhebungen und restriktiven Migrationsmaßnahmen dürften etwaige Entlastungen bei Steuern und Energie- und Regulierungskosten in den kommenden Monaten in etwa kompensieren. Auch deshalb untermauern die Januardaten die derzeitige Zinspause der Fed. Sorgen vor einer unmittelbaren Kehrtwende der Fed nach oben sind aber ebenso übertrieben. Denn Voraussetzung hierfür wäre ein neues Inflationsregime mit klar höheren mittelfristigen Inflationserwartungen."
Kay-Peter Tönnes, Leiter des Portfoliomanagements, Antecedo Asset Management: "Wir haben schon mehrfach auf die inflationären Gefahren der Wirtschaftspolitik der neuen amerikanischen Regierung hingewiesen. Uns wundert nur, dass sich die Inflation schon so früh zeigt und nicht erst, nachdem die Zölle in der Breite erhoben werden und das Arbeitsangebot durch eine drastische Einwanderungspolitik reduziert wird." Vor diesem Hintergrund erwarte Antecedo keine Zinssenkungen in den USA im laufenden Kalenderjahr, auch wenn die Terminmärkte dies aktuell noch einpreisen. "Längerfristig wird der Blick auf die Zinsentwicklung in den USA vermutlich noch von ganz anderen Faktoren abhängen als von der reinen Inflationsentwicklung. Denn die Amtszeit des derzeitigen Fed-Vorsitzenden Jerome Powell endet im Mai 2026. Und dann kann Donald Trump, ein erklärter Gegner hoher Zinsen, den Nachfolger benennen. Diese Personalentscheidung wird herausragende Bedeutung für den künftigen Kurs der Geldpolitik in den USA besitzen. Die Auseinandersetzungen um diesen Kurs zwischen Trump und der Fed werden sicher schon in diesem Jahr beginnen."
Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst, CMC Markets: "Die Inflationszahlen aus den USA zeigten keine Fortsetzung des im Vormonat gemeldeten Rückgangs der Kerninflation. Viele vermuten, dass dies erst der Anfang sein und Zölle die Preise weiter in die Höhe treiben könnten. Angesichts der aktuellen Inflationszahlen ist es fraglich, ob die Fed ihre für 2025 geplanten zwei Zinssenkungen tatsächlich umsetzen kann. Der Markt rechnet derzeit lediglich mit einem Schritt. Die gestrigen Daten haben dazu geführt, dass sie erst einen Monat später als bisher erwartet wird." (13.02.2025/alc/a/a)
Aktuelle Kursinformationen mehr >
| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 2,70 % | 1,90 % | 0,80 % | +42,11% | 27.03./22:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| 2,70 % | 1,80 % | |||


