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Bauboom auch bei Anleihen


21.03.18 12:00
Wolfgang Steubing AG

Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Alle sprechen davon, dass die niedrigen Zinsen die Bauindustrie an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen lässt und man sich in der Immobilienbranche ein goldenes Näschen verdienen kann, so das Asset Management Team der Steubing AG.

Weltweit in den Metropolregionen gehe es bei den Immobilienpreisen nur in eine Richtung: Steil nach oben.

Immobilienunternehmen würden am Fremdkapitaltropf hängen. Ohne diese Droge würde das Geschäft schnell erlahmen. Seitdem die Zinsen niedrig seien, hätten die Unternehmen verstärkt den Kapitalmarkt zur Fremdkapitalaufnahme entdeckt. Auf der einen Seite müsse zwar ein Risikozinssatz bezahlt werden, auf der anderen Seite müssten keine umfangreichen Sicherheiten wie bei Bankkrediten üblich hinterlegt werden, die das Geschäftsmodell von "Bauen oder Kaufen/Vermieten/Verkaufen" stark einschränken würde.

In den letzten neun Monaten seien vermehrt Anleihen von Immobilienunternehmen emittiert worden. Warum? Alle volkswirtschaftlichen Analysen würden davon ausgehen, dass nach der FED auch die EZB die Zinsen moderat und planbar erhöhen werde. Deswegen seien die Immobilienkredite bei Banken auch seit geraumer Zeit schon wieder angestiegen, damit die Banken bei einer langfristigen Zinsbindung nicht auf dem falschen Fuß erwischt würden und sich damit neue Risiken in den Bankbilanzen auftun würden.

Unter anderem habe Aroundtown Property Holdings noch einmal die Möglichkeit genutzt und Geld über den Kapitalmarkt relativ günstig aufgenommen. Insgesamt drei Anleihen in unterschiedlicher Währung seien seit November 2017 mit einem Volumen von EUR 1,8 Mrd. begeben worden - mit einem Kupon zwischen 0,732% und 1,625%. Gecina habe im Jahr 2017 und in den knapp ersten drei Monaten von 2018 insgesamt acht Anleihen emittiert. Vonovia habe im Januar 2018 eine Anleihe über EUR 500 Mio. emittiert bei einem günstigen Kupon von 0,75%. Zu den Anleiheemittenten hätten auch: DIC Asset, Corestate und Grand City Properties gezählt.

Aber nicht nur die big player würden sich jetzt noch einmal besonders günstig am Kapitalmarkt Geld besorgen. Das Immobilienunternehmen FCR habe sich EUR 25 Mio. am Kapitalmarkt mit einem Zinskupon von 6% aufgenommen. UBM hatbe eine nicht geratete und unbesicherte Hybridanleihe mit unendlicher Laufzeit (mit vorzeitiger Rückzahlmöglichkeit nach fünf Jahren) über EUR 100 Mio. zu einem Kupon von 5,5% ausschließlich an institutionelle Investoren begeben. EYEMAXX habe ebenfalls angekündigt sich Gedanken zu machen, eine Anleihe zeitnah zu begeben.

Zusammenfassend: Der anhaltende Bauboom und die steigenden Immobilienpreise würden noch einmal zusätzlich die Kapitalmarktaktivitäten der Immobilienunternehmen beschleunigen. Die Investoren würden nicht glauben, dass die Banken steigende Zinsen in naher Zukunft an sie weitergeben würden. Deswegen würden sie ihr Kapital lieber für Anleihen einsetzen - selbst mit einem abgesenkten Kupon gegenüber vorher emittierten Bonds - die aus ihrer Sicht über haptische Sicherheiten verfügen würden - nämlich Anleihen von Immobilienunternehmen. Es sei davon auszugehen, dass dieser Trend noch eine Zeitlang Bestand haben werde. (21.03.2018/alc/a/a)