Bank of Japan verschiebt schon wieder Inflationsziel


31.07.17 11:30
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Auch auf ihrer Juli-Sitzung hat die Bank of Japan die wichtigsten geldpolitischen Steuerungsgrößen nicht verändert, berichten die Analysten der Nord LB

Es bleibe also bei dem Leitzins in Höhe von -0,10% und der 0,00% Zielrendite für 10-jährige Staatsanleihen. Etwas sei dann aber doch überraschend gekommen: Die Notenbank habe den Zeitplan für das Erreichen des 2,0%-Inflationsziels abermals nach hinten verschoben - nun schon zum sechsten Mal. Jetzt wolle sie es im Fiskaljahr 2019 schaffen, also noch einmal ein Jahr später als zuletzt veranschlagt. Gleichzeitig habe sie die Inflationsprognosen gesenkt.

Die Analysten der Nord LB hatten vorab bereits mehrfach argumentiert, dass es eine schlechte Idee war, das Ziel so hoch anzulegen. Es wäre wahrscheinlich passender, sich für die risikoaversen Japaner bei ca. 1,0% festzulegen. Der zweite Fehler sei dann auch gewesen, das Ziel in einer bestimmten Zeit erreichen zu wollen. Der Notenbankgouverneur selbst habe vor kurzem eine Bankrotterklärung in Bezug auf die Inflation in der Weise abgegeben, dass sich die Präferenzen der Japaner eben nur sehr langsam geändert hätten. Da man in Japan ungern das Gesicht verliere und einen Fehler eingestehe, werde nun das Ziel immer wieder nach hinten verschoben. Damit sei es eigentlich schon lange obsolet geworden. Ein Ziel, das man immer wieder verschiebe, sei keines sondern eher so etwas wie ein Neujahrsvorsatz den man binnen drei Wochen wieder vergessen habe, sich aber in einem Jahr wieder auf die Fahne schreibe.

Mit dem Renditeziel meine es die Notenbank hingegen schon ernster. Dies habe sie Anfang Juli eindrücklich damit demonstriert, dass sie ein unlimitiertes Ankaufangebot für 10-jährige japanische Staatsanleihen mit einer Rendite von 0,11% gemacht habe. Im Vorfeld seien die Renditen global angestiegen, die der deutschen Bundesanleihen mit der gleichen Restlaufzeit etwa sei auf über 0,5% gestiegen, die der US-Treasuries auf über 2,3% und auch die japanischen Govies seien eher abverkauft worden. Anscheinend sei das der Bank of Japan zu viel gewesen, sodass sie quasi einen Pflock dort gesetzt hätten, wo die Schmerzgrenze liege. Das eigentliche Ziel seien ja 0,0% Rendite. Das Ankaufangebot sei ein klares Signal gewesen, dass die Wirkung auch nicht verfehlt habe. Die Rendite sei gesunken und der Japanische Yen habe abgewertet - zumindest bis die große US-Dollar-Schwäche begonnen habe. Der Greenback habe vor allem Federn lassen müssen, als mit dem Scheitern der Gesundheitsreform klar geworden sei, dass es Trump wohl auch mit anderen politischen Vorhaben nicht einfach haben werde.

Das wirtschaftliche Umfeld in Japan sei momentan sehr positiv. Der Außenhandel wachse dank globaler Konjunktur und die Importe würden mit zweistelligen Jahreswachstumsraten belegen, dass der Binnenkonsum ebenfalls robust aufgestellt sei. Dies würden auch Großhandels- und Fahrzeugumsätze zeigen. Die hohe Beschäftigung und die dynamischere Entwicklung der Barlöhne würden zudem versprechen, dass der Konsum im 3. Quartal ein Wachstumsträger bleibe. Für das 2. Quartal sind die Analysten der Nord LB optimistisch, dass das Tempo im Vergleich zum Jahresstart anzieht: Sie erwarten ein Wachstum von 0,5% Q/Q.

Was derzeit fehle, sei der Schwung in der Preisentwicklung, dies zeige auch die veränderte Projektion der Bank of Japan. Ein Faktor seien hier die nach wie vor günstigen Rohstoffe. Ein weiterer freilich, dass die japanischen Löhne zwar steigen würden, aber nicht in dem Maße wie man es bräuchte, um die 2,0% Zielinflation zu erreichen. Die aktuelle US-Dollar-Schwäche verheiße zusätzlich eher weniger Dynamik in der Preisentwicklung. Insofern haben auch die Analysten der Nord LB ihre Prognosen am aktuellen Rand etwas nach unten angepasst. (Ausgabe August 2017) (31.07.2017/alc/a/a)