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Bank of Japan- und FOMC-Meetings als Antriebsfaktor für Währungsmärkte


27.04.16 10:30
Saxo Bank

Kopenhagen (www.anleihencheck.de) - Am heutigen Mittwoch wird der Offenmarktausschuss der US-Notenbank (FOMC) zusammenkommen und die aktuelle geldpolitische Aussage vorstellen, so John J. Hardy, Head of FX Strategy bei der Saxo Bank.

Diese Aussage folge auf ein rundherum gemäßigtes FOMC-Meeting im März, bei dem die klar gemäßigte Linie und das verzweifelte Händeringen der Notenbank angesichts des weltweiten Hintergrunds den Markt eindeutig überrascht habe. Der Schwerpunkt auf globale Aspekte in den Überlegungen der US-Notenbank hätten zudem den Verdacht einiger Investoren bekräftigt, dass die FED sich durchaus bewusst sei, dass sie quasi die Rolle als Zentralbank für die ganze Welt innehabe (und nicht nur für die USA) und dass sich die Welt schlichtweg keinen stärkeren US-Dollar nach Zinserhöhungen der FED leisten könne.

Fairerweise müsse man zugeben, dass die US-Notenbank in einer wenig beneidenswerten Position sei und in den kommenden sechs Monaten nicht nur international, sondern auch national das volle Programm an Ereignisrisiken durchstehen müsse, und das wegen des wohl außergewöhnlichsten Wahlkampfs für die Präsidentschaftsvorwahlen seit den 1960er Jahren, der das Land so gründlich spalte, dass eine Gefährdung des Wirtschaftswachstums nicht ausgeschlossen werden könne.

Die US-Notenbank müsse diese politisch brisanten Themen natürlich auf Samtpfoten umgehen, könne also nicht ausdrücklich darauf hinweisen, wie diese populistischen Aufstände am politischen und allgemeinen Grundgerüst der USA rütteln würden; allerdings sei diese Problematik schon zwangsläufig in das politische Kalkül der FED eingeflossen. Die US-Notenbank unter Yellen würde vermutlich am liebsten eine Auszeit nehmen und sich in einer Höhle weitab der Zivilisation verstecken - und erst im November wieder herauskriechen und die entstandenen Schäden beurteilen. Leider könne sich die FED diesen Luxus nicht leisten.

Ganz gleich, was in den nächsten fünf FOMC-Meetings bis zur US-Präsidentschaftswahl am 8. November noch passiere, würden alle Aktionen und Argumente der US-Notenbank in einem zunehmend politischen Licht betrachtet. Diese Risiken würden zudem in beiden Richtungen gelten - ob es nun einen Sturzflug der Wirtschaft gebe oder sie weiter an Fahrt aufnehme, ohne dass die FED entsprechend reagiere -, weil die US-Notenbank in jedem Fall der Bevorzugung beschuldigt würde.

Und schon habe Donald Trump, der voraussichtliche Kandidat der Republikaner, kräftig gegen die Geldpolitik der US-Notenbank ausgeteilt; er habe durchblicken lassen, dass er die FED schwächen und Janet Yellen das Ruder aus der Hand nehmen wolle, sobald ihre laufende Amtszeit Anfang 2018 ende. Anders gesagt, könne man auf eine geldpolitische Aussage der FED warten, dass sie alles tun werde, um jegliche Einflussnahme zu vermeiden. Der USD könne unabhängig von den Aussagen der FED stärker werden.

Auch die Japanische Zentralbank (BoJ) halte in dieser Woche ein Meeting über ihre künftige Geldpolitik ab, und das zu einem Zeitpunkt, an dem die aktuelle Geldpolitik massiv an ihre absoluten Grenzen stoße, sowohl hinsichtlich des maximal zu verkraftenden Rückgangs der Zinssätze als auch hinsichtlich der Anzahl der Anleihen, die die BoJ von immer unwilligeren Verkäufern ankaufen könne. (Die glücklichen Inhaber der japanischen Staatsanleihen mit der längsten Laufzeit würden schließlich noch auf enormen nicht realisierten Gewinnen sitzen - eine vierzigjährige JGB habe in den ersten Monaten dieses Jahres um mehr als 25 Prozent [in JPY] zugelegt, während die Erträge in den Keller gefallen seien.)

Einer Zentralbank gehe die Munition natürlich nie aus, weil sie die geltenden Regeln ständig umschreiben könne. Der bekannte Blogger Mike Shedlock trage dieses Argument vor und plädiere dabei scherzhaft für eine geldpolitische Mischung, mit der das Inflationsziel der Japanischen Zentralbank im Handumdrehen erreicht würde, beispielsweise die Besteuerung der japanischen Staatsanleihen mit einem Prozent pro Monat und die Einführung einer negativen Umsatzsteuer durch die Regierung Abe.

Aber irgendwann erreiche selbst eine Zentralbank das Ende der politischen und selbst der gesellschaftlichen Fahnenstange (inwieweit gehe das derzeitige politische Klima in den USA auf das Konto der FED-Geldpolitik?), ansonsten würde sie Gefahr laufen, sich de facto zum Diktator einer entkräfteten Wirtschaft und dysfunktionaler Märkte aufzuschwingen. Die Japanische Zentralbank wolle unter keinen Umständen an diesen Punkt gelangen, selbst wenn sie derzeit die weltweit radikalste Geldpolitik verfolge und bereits die Regierung dringend bitte, ihr einen größeren Teil der politischen Last abzunehmen.

Beim dieswöchigen Meeting werde die BoJ wohl leider nur wieder Flickschusterei betreiben - oder gar nichts tun. Der Yen werde dadurch unter Umständen stärker, habe aber womöglich bereits das maximale Potenzial erreicht, wenn Japan den geldpolitischen Radikalismus in den kommenden Monaten zwangsläufig auf die nächste Stufe hebe. (27.04.2016/alc/a/a)