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Bank of Japan mit neuem Gouverneur


16.02.23 15:30
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die japanische Regierung nominiert Kazuo Ueda offiziell als Nachfolger vom scheidenden Bank of Japan Gouverneur Haruhiko Kuroda, der 10 Jahre lang die Geschicke der Zentralbank mit einer beispiellos expansiven Geldpolitik gesteuert hat, so Christian Eggers Senior FX Trader bei der Hamburg Commercial Bank.

Eine Abkehr von dieser Politik werde allerdings weniger von der Person, sondern vielmehr von der Inflationsentwicklung abhängen.

Der 71-jährige Kazuo Ueda, der ab dem 8. April nun wahrlich kein leichtes Amt antreten werde, sei ein anerkannter Wirtschaftsprofessor und Absolvent der angesehenen Universität von Tokyo sowie Inhaber eines Doktortitels vom Massachusetts Institute of Technology (MIT), jener "Kaderschule" der modernen Geldpolitik, zu der auch solche Größen wie Ex-FOMC Vorsitzender Ben Bernanke und der ehemalige EZB-Präsident Mario Draghi zählen würden.

Dass Japans Regierungschef Fumio Kishida keine Person aus dem aktuellen Direktorium der Bank of Japan ausgewählt habe, habe einige Überraschung und wohl auch Verwirrung ausgelöst. Zunächst hätten Gerüchte den stellvertretenden Gouverneur Masayochi Amamiya als Kandidaten gesehen, der als einer der Architekten der ultra-expansiven Geldpolitik mit Renditekurvenkontrolle gelte - im Zuge dieser Politik würden die langfristigen Renditen kontrolliert. Das hätte in jedem Fall ein "Weiter so" impliziert. Da sich Premier Kishida wohl eher von den sogenannten Abenomics seines Vorgängers Shinzo Abe absetzen möchte, sei die Wahl mit kalkuliertem Effekt auf einen vermeintlich unabhängigen Kandidaten gefallen. Dieser könnte noch am ehesten eine Normalisierung der Geldpolitik glaubhaft angehen. Der Markt sei teilweise darauf hereingefallen und habe zunächst einmal den Yen gekauft. Dabei sei Ueda kein Unbekannter bei der BoJ, sei er doch im Zeitraum von 1998 bis 2005 Direktoriumsmitglied gewesen. In einem ersten Kommentar sei vom designierten Kuroda-Nachfolger allerdings zu hören gewesen, dass die expansive Geldpolitik zunächst noch angebracht sei. Frische Yen-Käufe seien schnell wieder abgebaut worden.

In der Schule des MIT werde die Ansicht vertreten, dass die Effektivität der Geldpolitik asymmetrisch ausgebildet sei. Kurz gesagt sei es leichter Inflation zu kontrollieren als aus der Deflation herauszukommen. Die Kosten, eine expansive Geldpolitik beizubehalten, seien niedriger als ein verfrühter Ausstieg davon. Dass Ueda, der bereits den Beinamen "Japans Ben Bernanke" erhalten habe, sich bereits wiederholt auf diese Asymmetrie bezogen habe, spreche aus seinem Widerspruch zur Zinserhöhung der Bank of Japan im August 2000, seinem Eintreten für die Rücknahme dieser Entscheidung in 2001 verbunden mit der Einführung von Anleihekäufen - eben jenem Quantative Easing - sowie nicht zuletzt aus seinem Artikel im Juli 2022 zur Vermeidung eines verfrühten Anziehens der geldpolitischen Zügel.

Daraus spreche eine Präferenz zu warten, bis sich mehr Evidenz bezüglich einer nachhaltig gestiegenen Inflation angesammelt habe. Am Ende müsse dies aber nicht heißen, dass gar keine Flexibilität vorhanden sein werde. Eben jener mit ähnlicher Haltung ausgestattete Ben Bernanke habe es schließlich noch vor Ende seiner Amtszeit vollbracht, mit einer Zinserhöhung den Ausstieg auf Seiten der FED einzuleiten. Wenn sich die Umstände entscheidend ändern würden, könnten sich politische Präferenzen eben auch ändern.

Für Japan stelle sich die Frage, wieviel Evidenz es denn noch brauche, bis eine Abkehr von der ultra-expansiven Geldpolitik vollzogen werde. Die Inflation sei schließlich auf auch für japanische Verhältnisse sensationelle 4% gestiegen. Der Druck auf die von der BoJ festgelegte Zinsobergrenze bei 10-jährigen Staatsanleihen von 0,25% sei ebenfalls enorm gestiegen, so dass man zwischenzeitlich nicht um eine Erhöhung um 25 Basispunkte auf nunmehr 0,5% umhingekommen sei. Aber der sogenannten Yield Curve Control (YCC) wurde deshalb noch lange nicht entsagt. Mehr Evidenz verspreche man sich nunmehr von den im Frühjahr anstehenden traditionellen Lohnverhandlungen. Demnach ziele fast alles auf die berühmt, berüchtigte Lohn-Preis-Spirale ab.

Gleichzeitig stecke Japans Geldpolitik auch noch in einem anderen Dilemma. Global zeichne sich ein Rückgang der Inflation ab, Stichwort "peak-inflation". In Amerika und Europa drohe trotz jüngster Aufhellungen ein Abgleiten in die Rezession. Und da solle sich ausgerechnet Japan von abkoppeln? Hinzu komme, dass der Inflation importierende Effekt eines bisweilen extrem schwachen Yen doch deutlich abgenommen habe und in diesem Umfeld wahrscheinlich auch nicht mehr in gleichem Ausmaß zurückkehren dürfte.

In diesem Wettstreit aus nationalen und internationalen Kräften komme dem designierten BoJ-Gouverneur Ueda also eine heikle Aufgabe zu. Aus den jüngsten Arbeitsmarktberichten aus den USA und selbst aus Großbritannien vernehme man derzeit jedoch eine erstaunliche Resilienz bei der Beschäftigung. Der Druck, dieses Mal in der Inflationsbekämpfung nicht vorschnell nachzulassen, bleibe anscheinend erhalten. Dass dies in Japan nicht viel anders aussehe, werde sich wahrscheinlich schon bald zeigen. Dann werde auch die BoJ einen Wandel ihrer Geldpolitik einleiten. Eine abrupte Abkehr werde Kazuo Ueda aber wohl zu vermeiden suchen. Schließlich wolle man keine Schockwellen um den Globus schicken. Japans ehemaliger Vize-Finanzminister Sakakibara, bekannt als Mister Yen, sehe Bewegung in der Geldpolitik der BoJ zumindest zum Ende des Jahres. Die Prognosen des Marktes, so auch unsere, sehen mittelfristig einen stärkeren Yen, so Christian Eggers von der Hamburg Commercial Bank. Weitere Konsequenz im Falle eines japanischen Politikwandels dürfte ein steigendes Renditeniveau nicht nur in Japan, sondern auch global sein. Ansätze dazu seien zu beobachten gewesen, als die Obergrenze Mitte Dezember von 25 auf 50 Basispunkte erhöht worden sei. (16.02.2023/alc/a/a)