Erweiterte Funktionen

Bank of Japan muss aufpassen


04.08.23 13:45
RBC BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Angeführt von Bewegungen am langen Ende der Renditekurve stiegen die Staatsanleiherenditen in der vergangenen Woche weiter an, so Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay, RBC BlueBay Asset Management.

Die Herabstufung der Kreditwürdigkeit durch die Ratingagentur Fitch sei die Haushaltslage der USA vor dem Hintergrund eines erhöhten Angebots an Staatsanleihen erneut in den Mittelpunkt gerückt. Unterdessen zeige die Wirtschaftstätigkeit kaum Anzeichen einer Verlangsamung.

Indikatoren wie der Cleveland Fed CPI Nowcast würden auf einen robusten Anstieg der Kernpreise um 0,4 Prozent im Juli hindeuten. Sollten sich diese Daten bestätigen, könnte das beunruhigend sein: Sie würden das Bild einer Inflation zeichnen, die sich im Bereich von 3 bis 4 Prozent festsetze. In diesem Fall könnte eine weitere geldpolitische Straffung erforderlich sein. Der schmerzhaftere Teil des Straffungszyklus liege dann möglicherweise vor und nicht hinter uns.

Viele Marktteilnehmer hätten im vergangenen Monat ihr Engagement in Risikoanlagen erhöht und Absicherungen gegen Abwärtsrisiken abgebaut - in der Hoffnung, dass die US-Notenbank die geldpolitische Straffung bald abgeschlossen habe und eine deutliche Verlangsamung der US-Wirtschaft vermieden werden könne. Da die Staatsanleiherenditen gestiegen seien, seien die Positionen unter Druck geraten. Es sei zu einer gewissen Schwäche bei Risikoanlagen gekommen. Die Aktienkurse seien gefallen und die Spreads hätten sich ausgeweitet. Die Analysten würden zu der Annahme neigen, dass sich diese Trends fortsetzen könnten, falls die Entwicklung bei den Staatsanleihen anhalte.

Die Bank of Japan (BoJ) habe im Anschluss an die Anpassung der Renditekurvensteuerung weiter für Schlagzeilen gesorgt. Außerplanmäßige Interventionen hätten offenbar darauf abgezielt, den Anstieg der zehnjährigen Renditen über 0,50 Prozent zu bremsen. Die hauptsächliche Folge sei jedoch die Schwächung des Yen gewesen.

BoJ-Gouverneur Kazuo Ueda müsse aufpassen, dass er Devisenspekulanten kein grünes Licht für Carry-Trade-Geschäfte gibt und den Yen deutlich über 150 schwäche. In der Vergangenheit habe das Finanzministerium bei einem Wert von 145 eingegriffen. Devisenmarktinterventionen würden aber nicht glaubwürdig sein, wenn der Markt von der BoJ gegenteilige Signale vernehme.

Es werde immer deutlicher, dass Japan entweder versuchen könne, das Niveau der zehnjährigen Renditen oder den Yen zu kontrollieren - aber nicht beides. Höhere US-Treasury-Renditen würden diese Dynamik weiter verstärken, da sich die Zinsdifferenzen ausweiten würden. Aus Sicht der Experten werde die BoJ in den kommenden Wochen erkennen, dass sie einen Renditeanstieg bei 10-jährigen japanischen Staatsanleihen von derzeit 0,65 Prozent auf eine Spanne zwischen 0,75 Prozent und 1,0 Prozent zulassen müsse.

Die Experten würden derweil den Yen für eine stark unterbewertete Währung halten und weiterhin bei einer Short-Position in japanischen Staatsanleihen und einer Long-Position in Yen bleiben. Dabei sei erstere wesentlich größer als letztere. Sie seien zuversichtlich, dass die BoJ bald die Unzulänglichkeiten ihrer jüngsten Interventionen bei den zehnjährigen Renditen erkennen werde. Wenn sie ihre Käufe in den nächsten Wochen zurückfahre, würden sich die Renditen nach Meinung der Experten auf einem höheren Niveau stabilisieren. Der Yen könne dann letztlich stärker notieren.

Heute richte sich das Augenmerk wieder auf den US-Arbeitsmarkt. Die Daten scheinen auf eine weiterhin robuste Nachfrage nach Arbeitskräften hinzudeuten. Vor dem Hintergrund eines angespannten Arbeitsmarktes werde sich die FED nach Meinung der Experten besonders stark auf die Lohnzuwächse konzentrieren. Kommende Woche werde sich die Aufmerksamkeit wieder auf die Inflationsdaten selbst richten. (04.08.2023/alc/a/a)