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Bank of Japan: Monäterer Tsunami an den Kapitalmärkten


06.05.13 10:54
Allianz Global Investors

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Es gleicht einem monetären Tsunami, was die Bank of Japan geldpolitisch betreibt: Das Ausgießen an Liquidität, die sich - kommunizierenden Röhren gleich - auf allen Finanzmärkten bemerkbar macht, so die Analysten von Allianz Global Investors.

Die Zielrichtung sei klar: Reflationierung der (japanischen) Wirtschaft. Die erste Welle habe den Nikkei auf ein Fünf-Jahres-Hoch und den Japanischen Yen gegenüber dem US-Dollar zwischenzeitlich auf ein Vier-Jahres-Tief getrieben. Die Ausläufer davon kämen nicht nur an den Anleihemärkten der aufstrebenden Staaten an, deren Renditen entsprechend gesunken seien, sondern sie würden sich auch bei den Anleihen Europas und der USA bemerkbar machen. Dass die jüngst begebene deutsche Staatsanleihe sechsmonatiger Laufzeit mit einer negativen Rendite emittiert worden sei, dürfte mit dem vagabundierenden Zentralbankgeld ebenso zusammenhängen wie die Risikoprämien, die sich im Euroraum fast durch die Bank eingeengt hätten.

Zur Erinnerung: Die FED kaufe aktuell jährlich Staatsanleihen, die etwa 7% des Bruttoinlandsproduktes (BIP) der USA umfassen würden. Im Falle Japans seien es 15%. Man solle die Euro-Zentralbank und die Bank of England nicht vergessen: Beide waren bzw. sind ebenfalls aktive Käufer von Staatsanleihen, so die Analysten von Allianz Global Investors.

Interessant: Während die Liquidität durch alle Ritzen quille, habe gleichzeitig die Inflation in der Eurozone auf dem tiefsten Stand seit 2010 gelegen. In den USA pendle sie um die 2-Prozent-Marke, in Japan sei ein Ende der Deflation nicht in Sicht. Zentralbankgeld müsse eben nicht zwangsläufig die Inflation der Verbraucherpreise treiben - siehe Japan seit 1990 - sie könne sich auch in einer Inflation der Vermögenspreise und in der Verzerrung der Währungsrelationen entladen. Das genau sei übrigens der Kern der Finanzmarktkrisen über die 1990er Jahre bis heute. Japan - die Mutter aller Krisen.

Das Grundmuster "Liquidität vor Realwirtschaft" dürfte noch eine ganze Weile anhalten, aber verhaltensökonomisch betrachtet müsse die Ökonomie - also die realwirtschaftlichen wie auch die unternehmensbezogenen Daten - immer wieder Anlässe für weitere Kursanstiege und den Rückgang von Risikoprämien liefern. Würden diese ausbleiben, sei mit schwachen Tagen an den Börsen zu rechnen. Das wiederum biete all jenen Anlässe zum Einstieg, die bisher noch an der Seitenlinie gestanden hätten. Gut, dass die nach Rendite suchende Liquidität immer noch auf akzeptable, um nicht zu sagen attraktive Bewertungen bei den Aktien treffe. Von Kursübertreibungen sei wenig zu spüren. (Ausgabe Mai 2013) (06.05.2013/alc/a/a)