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Bank of England reagiert auf die zunehmende Inflation und erhöht den Leitzins
04.02.22 16:00
Helaba
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Premierminister Johnson taumelt in seinem Amt, so die Analysten der Helaba.
Die Enthüllungen um die "Partygate"-Affäre hätten den konservativen Regierungschef zwar erschüttert, bislang habe er sich jedoch behaupten können. Noch seien der Öffentlichkeit nicht alle Details aus dem "Gray-Report" über die "Parties" in Johnsons Regierungssitz während des Lockdown bekannt. Der Aufschrei einzelner konservativer Abgeordneter werde aber wohl vorerst verhallen. Die Zahl der Kritiker reiche noch nicht für ein innerparteiliches Misstrauensvotum, auch weil sich - anders als beim Sturz von Theresa May - Johnsons Gegner nicht einig seien.
Einig seien sich die britischen Notenbanker auch nicht gewesen - was das Ausmaß der Zinserhöhungen betroffen habe. Fünf hätten für 25, vier Mitglieder für sogar 50 Basispunkte plädiert. Was die geldpolitische Richtung betreffe, taumle die Bank of England jedoch keineswegs. Angesichts einer in den letzten Monaten massiv gestiegenen Teuerung, die laut ihrer Prognose bis April sogar über 7% klettern werde, solle die Politik deutlich weniger expansiv werden.
Die Notenbank werde auch ihren Anleihebestand reduzieren. Der Erlös aus fälligen Staatsanleihen werde nicht wieder angelegt. Der erheblich geringere Bestand an Unternehmenspapieren solle bis Ende 2023 sogar ganz aufgelöst werden, also auch mit aktiven Verkäufen. Unser bisheriges Bild einer behutsamen Abkehr von der expansiven Geldpolitik passt daher nicht mehr so ganz, so die Analysten der Helaba. Denn weitere Zinsanhebungen seien wohl unausweichlich. So werde die Bank of England den Leitzins von nun 0,5% in den nächsten Sitzungen zügig auf 1,0% erhöhen. Da sich die Inflation ab dem Frühjahr von hohem Niveau allmählich abmildern dürfte, werde die Notenbank vermutlich etwas vorsichtiger. Aber die Bank Rate werde Ende 2022 zumindest 1,25% betragen.
Als Quelle der Konjunktursorgen sehe die Bank of England eher die hohe Teuerung, weil dadurch die Realeinkommen gesenkt würden, zumal steigende Energie- bzw. Importpreise nicht mit entsprechend wachsenden Inlandseinkommen einhergehen würden. Die höheren Öl- und Gaspreise würden zeitverzögert zu Anpassungen der Strom- und Gasversorger führen und die Inflation weiter antreiben. Aber selbst die Kernraten würden kräftig klettern, so dass die Teuerung im Gesamtjahr wohl mehr als 5% betragen werde. Immerhin könne bei den Verbrauchern die erhöhte Sparquote die realen Einbußen kompensieren.
Die britische Wirtschaft sei im Schlussquartal 2021 vermutlich mit 1% sehr solide gewachsen, einen größeren Anstieg habe die Omikron-Welle verhindert. Diese habe das Wachstum auch zum Jahresauftakt gedämpft. Die Aufhebung aller Restriktionen in Großbritannien Ende Januar liefere hingegen positive Impulse. Die konjunkturelle Aufholjagd werde jedoch zwangsläufig an Dynamik verlieren, zumal die hohe Teuerung belaste. Mit weiter soliden Quartalsraten dürfte die britische Wirtschaft 2022 immerhin rund 4% wachsen, nach voraussichtlich stolzen 7,2% im letzten Jahr. Damit müsse sich Boris Johnson wenigstens um die Konjunktur keine großen Sorgen machen. Aber ob ihn das im Amt retten werde, dürfe bezweifelt werden. (04.02.2022/alc/a/a)
Die Enthüllungen um die "Partygate"-Affäre hätten den konservativen Regierungschef zwar erschüttert, bislang habe er sich jedoch behaupten können. Noch seien der Öffentlichkeit nicht alle Details aus dem "Gray-Report" über die "Parties" in Johnsons Regierungssitz während des Lockdown bekannt. Der Aufschrei einzelner konservativer Abgeordneter werde aber wohl vorerst verhallen. Die Zahl der Kritiker reiche noch nicht für ein innerparteiliches Misstrauensvotum, auch weil sich - anders als beim Sturz von Theresa May - Johnsons Gegner nicht einig seien.
Die Notenbank werde auch ihren Anleihebestand reduzieren. Der Erlös aus fälligen Staatsanleihen werde nicht wieder angelegt. Der erheblich geringere Bestand an Unternehmenspapieren solle bis Ende 2023 sogar ganz aufgelöst werden, also auch mit aktiven Verkäufen. Unser bisheriges Bild einer behutsamen Abkehr von der expansiven Geldpolitik passt daher nicht mehr so ganz, so die Analysten der Helaba. Denn weitere Zinsanhebungen seien wohl unausweichlich. So werde die Bank of England den Leitzins von nun 0,5% in den nächsten Sitzungen zügig auf 1,0% erhöhen. Da sich die Inflation ab dem Frühjahr von hohem Niveau allmählich abmildern dürfte, werde die Notenbank vermutlich etwas vorsichtiger. Aber die Bank Rate werde Ende 2022 zumindest 1,25% betragen.
Als Quelle der Konjunktursorgen sehe die Bank of England eher die hohe Teuerung, weil dadurch die Realeinkommen gesenkt würden, zumal steigende Energie- bzw. Importpreise nicht mit entsprechend wachsenden Inlandseinkommen einhergehen würden. Die höheren Öl- und Gaspreise würden zeitverzögert zu Anpassungen der Strom- und Gasversorger führen und die Inflation weiter antreiben. Aber selbst die Kernraten würden kräftig klettern, so dass die Teuerung im Gesamtjahr wohl mehr als 5% betragen werde. Immerhin könne bei den Verbrauchern die erhöhte Sparquote die realen Einbußen kompensieren.
Die britische Wirtschaft sei im Schlussquartal 2021 vermutlich mit 1% sehr solide gewachsen, einen größeren Anstieg habe die Omikron-Welle verhindert. Diese habe das Wachstum auch zum Jahresauftakt gedämpft. Die Aufhebung aller Restriktionen in Großbritannien Ende Januar liefere hingegen positive Impulse. Die konjunkturelle Aufholjagd werde jedoch zwangsläufig an Dynamik verlieren, zumal die hohe Teuerung belaste. Mit weiter soliden Quartalsraten dürfte die britische Wirtschaft 2022 immerhin rund 4% wachsen, nach voraussichtlich stolzen 7,2% im letzten Jahr. Damit müsse sich Boris Johnson wenigstens um die Konjunktur keine großen Sorgen machen. Aber ob ihn das im Amt retten werde, dürfe bezweifelt werden. (04.02.2022/alc/a/a)
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