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Bank of England lockert weiter


03.02.25 09:30
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Bank of England wird den Leitzins wohl auf 4,50% senken, so die Analysten der Helaba.

Angesichts einer schwierigen Konjunkturlage und einer allmählich nachlassenden Inflation würden weitere Schritte folgen. Als im Dezember die großen Notenbanken ihre Leitzinsen gesenkt hätten, sei die Bank of England nicht mitgezogen und habe ihren Leitzins konstant gelassen. Jüngst habe die EZB mit 25 Basispunkten Lockerung nachgelegt, während die FED stillgehalten habe. Auf der anstehenden Sitzung werde die britische Notenbank aber wohl die europäische Variante wählen und ihren Leitzins von 4,75% auf 4,50% reduzieren.

In den USA sei das Wachstum robust und die Kerninflation noch erhöht, während in der Eurozone die Konjunktur schwierig und die Kernteuerung weniger kritisch sei. In Großbritannien habe sich zuletzt ein ungesunder Mix aus beidem abgezeichnet: Das Wachstum habe sich schwach gezeigt, während die Kerninflation recht hoch ausgefallen sei. Dies erschwere die Arbeit der Bank of England. Allerdings könnte sich diese Konstellation zunehmend in Richtung geldpolitischer Lockerung auflösen. Im Dezember habe sich die Teuerung ohne Energie und Nahrungsmittel auf 3,2% verringert. Vor allem der bislang hohe Anstieg der Dienstleistungspreise sei von 5% auf 4,4% zurückgegangen. Das 2%-Inflationsziel der Notenbank sei aber noch entfernt, zumal der Lohnanstieg trotz der Abschwächung am Arbeitsmarkt wieder angezogen habe.

Dass das gegenwärtige Zinsniveau jedoch restriktiv wirke, zeige sich eindeutig in den Wirtschaftsdaten. Nach dem robusten ersten Halbjahr 2024 habe sich die britische Konjunktur verschlechtert. Im dritten Quartal sei das Bruttoinlandsprodukt nicht mehr gewachsen. Auf Basis monatlicher Werte drohe für das abgelaufene Vierteljahr sogar ein marginales Minus. Auch die Regierungsübernahme von Labour im Juli habe zumindest keine positiven Effekte auf das Wachstum gehabt. Die Hoffnungen auf große fiskalische Impulse nach dem Herbstbudget seien zu relativieren. Zum einen stünden effektiven Mehrausgaben höhere Steuern gegenüber. Zum anderen würden nun sogar weitere Kürzungen im nächsten Haushaltsentwurf drohen. Ein schwächeres Wachstum und damit geringere Steuereinnahmen sowie höhere Zinsausgaben würden die Staatsfinanzen belasten. Der Spielraum für höhere Defizite sei begrenzt, da die Rentenmärkte mit Großbritannien deutlich weniger tolerant wie etwa mit den USA umgehen würden. Im Januar seien zehnjährige Gilt-Renditen bis auf 4,9% geklettert und damit sogar höher als in den prosperierenden USA. Die zuletzt schwachen Konjunkturdaten in Großbritannien schienen allerdings etwas überzogen. Im Jahresverlauf sei schon mit einer Besserung zu rechnen, wenngleich das Wachstum 2025 deutlich näher bei 1% als bei den von der Regierung erhofften 2% liegen werde.

Die Bank of England könne ihre Geldpolitik angesichts des verschlechterten Konjunkturumfelds und der rückläufigen - wenn auch noch erhöhten - Inflation weiter normalisieren, d.h. behutsam lockern. Nach der mutmaßlichen Senkung auf 4,50% dürfte sie ihren Leitzins wohl mit einem Schritt pro Quartal bis Ende 2025 auf 3,75% reduzieren. Gegen deutlichere Zinssenkungen spreche die Teuerung, die vermutlich trotz sinkender Kernraten oberhalb der 2%-Marke verharre. (Wochenausblick vom 31.01.2025) (03.02.2025/alc/a/a)