Bank of England: Schwierige Inflationsprognose am Super Thursday


13.05.16 10:40
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Wie erwartet hat das Monetary Policy Committee (MPC) der Bank of England (BoE) auf seiner heutigen Sitzung den bisherigen geldpolitischen Kurs beibehalten, so die Analysten der Nord LB.

Die Bank Rate verharre damit bei 0,50% und das Volumen der Wertpapierkäufe sei bei GBP 375 Mrd. belassen worden. Ebenfalls wie erwartet sei der Beschluss einstimmig erfolgt. Der Notenbankchef Mark Carney habe eindringlich vor den Gefahren eines Brexit gewarnt.

Die sicherlich unter Volkswirten wie unter den neun MPC Mitgliedern gleichermaßen unumstrittene Geradeausfahrt sei der einzige Bewegungsspielraum der in der Zwickmühle steckenden BoE. Am aktuellen Rand liege die Inflationsrate mit 0,5% Y/Y in der breiten Abgrenzung und 1,5% Y/Y unter Herausrechnung von Energie und Nahrungs- und Genussmitteln weit entfernt von der Zielmarke bei 2,0%. Allerdings hätten sich die Preise mit dem schwachen Wechselkurs des Pfund und der zögerlichen Stabilisierung der Rohölnotierungen zuletzt dezent nach oben bewegt.

In den Konjunkturdaten hätten sich die Verunsicherungen der Unternehmen und Verbraucher durch den völlig unvorhersehbaren Ausgang des Referendums am 23. Juni bereits materialisiert. Die Einkaufsmanagerindices seien im April regelrecht abgestürzt, der für die Industrie erhobene Indikator sogar unter die als Expansionsschwelle interpretierbare Marke von 50 Punkten.

Auch die gestern veröffentlichten Daten zur Industrieproduktion im Berichtsmonat März seien schwach ausgefallen. Die Analysten würden der britischen Wirtschaft im laufenden 2. Quartal nur noch ein hauchdünnes Wachstum von 0,1% Q/Q zutrauen. Das spräche für sich genommen sogar eher für eine geldpolitische Lockerung - wäre da nicht das von den Brexit-Sorgen geschwächte Pfund.

Immer wenn die BoE einmal im Quartal gleichzeitig mit der Bekanntgabe ihrer geldpolitischen Entscheidungen den Inflation Report vorstelle, werde das Ereignis gern als "Super Thursday" tituliert. Die darin enthaltene Vorausschätzung könne schließlich als Wegweisung für die weitere geldpolitische Strategie angesehen werden.

Die Notenbank leite ihre Inflationsprognose aus einer Reihe von Variablen ab, darunter auch aus der Renditeentwicklung der Staatsanleihen und aus dem Wechselkurs des Britischen Pfund. Ein "Super Dilemma" am "Super Thursday" liege nun darin begründet, dass die BoE für das am 23. Juni stattfindende Referendum eine Mehrheit für den Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union unterstelle, der Wechselkurs und die Strukturkurve aber nachweislich und merklich durch die Einpreisung der Brexit-Risiken beeinflusst seien.

Die in dieser Konstellation zumindest pragmatische Vorgehensweise der BoE äußere sich darin, dass der Inflationsausblick mit knapp über 2% kaum verändert worden sei. Carney habe explizit darauf hingewiesen, dass die makroökonomischen und finanzmarktbezogenen Indikatoren derzeit weniger aussagekräftig seien als sonst. Eine gelungene Umschreibung des "Super Dilemma". Immerhin aber habe die Notenbank ihre Sorge um einen Brexit in klaren Worten zu Protokoll gegeben.

Ein möglicher Austritt aus der EU würde das Wachstum empfindlich dämpfen, das Pfund schwächen und die Inflationsgefahren vergrößern. Dieser Prognose sei aus Sicht der Analysten nichts entgegenzusetzen. Ob das die Prognose des Wahlausgangs erleichtere, sei indes ein anderes Thema. Die Vorausschau auf eine vorerst fortgesetzte Geradeausfahrt der BoE werde damit allerdings schon eindeutiger. Das Pfund habe nach der Zinsentscheidung und dem Inflation Report fester notiert.

Die Bank of England habe auf ihrer heutigen Sitzung erwartungsgemäß ihren geldpolitischen Kurs beibehalten. Der Inflation Report sei dabei in das "Super Dilemma" der Annahme eines Verbleibs Großbritanniens in der EU bei gleichzeitig von den Brexit-Risiken beeinflussten Finanzmarktpreisen geraten. Mark Carney habe eindringlich vor den Gefahren eines Austritts gewarnt und die Inflationsprognose nahezu unverändert belassen. Alles deute damit auf eine fortgesetzte Geradeausfahrt der BoE hin. (Ausgabe vom 12.05.2016) (13.05.2016/alc/a/a)