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Ausverkauf im Januar - was kommt als nächstes auf die Finanzmärkte zu?
04.02.22 08:45
Janus Henderson Investors
London (www.anleihencheck.de) - Die Volatilität ist 2022 mit voller Wucht an die Finanzmärkte zurückgekehrt, so Paul OConnor, Head of Multi-Asset und Portfolio Manager bei Janus Henderson Investors.
Dabei würden zwar mehrere Faktoren eine Rolle spielen, aber der wichtigste sei der ungeschickte Versuch der Marktteilnehmer, die sich rasch ändernde US-Geldpolitik einzupreisen. Das Umdenken sei ungewöhnlich abrupt erfolgt. Während im September 2021 die Märkte eine Zinserhöhung von 25 Basispunkten (0,25%) für 2022 eingepreist hätten, würden jetzt allgemein vier oder fünf Anhebungen erwartet. Parallel zu diesen Entwicklungen habe die US-Notenbank signalisiert, dass ihre Ankaufprogramme für Vermögenswerte (Quantative Easing, QE) bald auslaufen würden. Anleger sollten nun davon ausgehen, dass die FED etwa ab Mitte des Jahres mit der Verringerung ihrer Bilanz beginnen werde.
Viele hätten sich von der kürzlich stattfindenden FED-Pressekonferenz eine Verschiebung bezüglich der jüngsten in Aussicht gestellten geldpolitischen Maßnahmen versprochen. Jedoch sei genau der gegenteilige Effekt eingetreten. Powells Äußerungen seien in jeder Hinsicht hawkish interpretiert worden. Er schien sich mehr über eine außer Kontrolle geratene Inflation zu sorgen, als darüber, dass der Markt eine zu straffe Geldpolitik einpreisen könnte.
Das Unbehagen des Vorsitzenden sei verständlich. Da sich die Inflation in den USA auf einem 30-Jahres-Hoch befinde und die Wirtschaft nahe der Vollbeschäftigung liege, sei die Notwendigkeit einer deutlichen Rücknahme der geldpolitischen Unterstützung (Konjunkturmaßnahmen) unschwer erkennbar. Dieser Straffungszyklus beginne ungewöhnlich spät. Denn die realen Leitzinsen (Zinssätze) in den USA seien außergewöhnlich niedrig und die quantitative Lockerung stelle einen zusätzlichen geldpolitischen Anreiz dar. Unter diesen Bedingungen sei es schwer vorherzusagen, in welchem Umfang eine Straffung erforderlich sein werde, bevor der Prozess überhaupt begonnen habe.
Während der Pandemie hätten ungewöhnlich günstige monetäre Bedingungen für Investoren geherrscht. Das Ende dieser Ära und die Rückkehr zu normaleren geldpolitischen Bedingungen seien immer mit einem gewissen Unbehagen der Anleger verbunden gewesen. So wie die niedrigen Zinssätze und das QE die Renditen der Assets erhöht und die Marktvolatilität gedämpft hätten, sollte es keine große Überraschung sein, wenn eine Umkehrung dieser geldpolitischen Bedingungen ein schwierigeres Marktumfeld einläute. Diese Anpassung könnte etwas Zeit erfordern.
Trotzdem würden die Experten auch nach der jüngsten Korrektur, die im Januar zu einem zweistelligen Rückgang des S&P 500-Index und einer Korrektur des NASDAQ 100 im mittleren bis hohen Zehnprozentbereich geführt habe, nicht allzu pessimistisch bleiben. Verschiedene Indikatoren für die Anlegerpositionierung auf dem Optionsmarkt - wie der VIX-Index, der in dieser Woche auf über 30 gestiegen sei - würden darauf hindeuten, dass sich die Anleger nun ausreichend gegen Kursverluste abgesichert hätten, nachdem sie zu Beginn des Jahres noch sehr zuversichtlich gewesen seien. Umfragen zur Stimmung der Privatanleger würden ein ähnliches Bild zeichnen. Solche Stimmungs- und Positionierungsindikatoren seien in der Regel recht zuverlässige Kontraindikatoren - die meisten würden derzeit darauf hindeuten, dass die Marktkorrektur bereits in vollem Gange sei.
Während jedoch einige Indikatoren bereits für einen Kauf während der Bodenbildung des Aktienmarkteinbruchs sprechen würden, würden andere zur Vorsicht mahnen. Eine dieser Überlegungen sei die Dimension. Die Korrektur bei den US-Aktien sei erst etwas mehr als drei Wochen alt. Die meisten Marktkorrekturen würden normalerweise doppelt so lange dauern. Außerdem würden die jüngsten Korrekturen der US-Aktien im Vergleich zu den Gewinnen, die während der Pandemie erzielt worden seien, immer noch bescheiden anmuten. In den beiden Kalenderjahren 2020 und 2021 habe der S&P 500-Index über 50% und der NASDAQ 100 fast 90% zugelegt.
Vermutlich gebe es noch mehr Spielraum für Korrekturen. Auch wenn der FED-Kurswechsel in den letzten Monaten Anleger aufgerüttelt zu haben scheine und sie versuchen würden, das Risiko in ihren Portfolios zu reduzieren, habe es keine Kapitalflucht gegeben. US-Privatanleger hätten in diesem Jahr mehr in Aktien als je zuvor in der Geschichte investiert. Darüber hinaus seien an 16 der ersten 18 Handelstage dieses Jahres Gelder in globale Aktien geflossen, was einem kumulierten Nettozufluss von 84 Mrd. US-Dollar entspreche.
Die kurzfristigen Aussichten für die Finanzmärkte seien ungewöhnlich unsicher. Die Risiken für die Zinserwartungen in den USA scheinen jetzt ausgewogener zu sein, nachdem in letzter Zeit fünf mögliche Zinserhöhungen für dieses Jahr eingepreist worden seien. Aber auch nach diesen Zinserhöhungen würden die monetären Bedingungen im Vergleich zur Stärke der wirtschaftlichen Erholung immer noch ungewöhnlich akkommodierend sein. Während die Erwartungen für die kurzfristigen Zinssätze nun realistischer scheinen, seien die tatsächlichen Anleiherenditen offenbar immer noch sehr niedrig. Sollte sich die Weltwirtschaft in diesem Jahr als so stabil erweisen, wie die Experten erwarten würden, dann sei es für die Schlussfolgerung noch zu früh, dass die Märkte die Normalisierung der Geldpolitik vollständig eingepreist hätten.
Vor diesem recht komplizierten Hintergrund würden die Experten bei einer vorsichtigen Haltung gegenüber risikoreichen Assets bleiben. Sie würden weiterhin Vermögenswerte bevorzugen, die von der globalen Erholung profitieren würden, und würden sich von denjenigen fernhalten, die für steigende Realzinsen am anfälligsten seien. Bei den Aktien spreche das für eine Tendenz in Richtung Value- und weg von Growth-Titeln. Auf regionaler Ebene würden sie weiterhin Aktien aus der Eurozone, Japan und Großbritannien gegenüber dem wachstumsstarken US-Markt bevorzugen. Die Aussichten für chinesische Aktien scheinen nach dem Einbruch im letzten Jahr jetzt ausgewogener zu sein, und die sich abzeichnende geldpolitische Lockerung beginne Wachstumssorgen zu mildern.
Die Experten seien der Meinung, dass es noch zu früh sei, um das Exposure in Bezug auf die Duration an den globalen Anleihemärkten wieder aufzubauen, würden aber nach dem jüngsten Anstieg der Spreads und Renditen allmählich Chancen bei Hochzinsanleihen sehen. (04.02.2022/alc/a/a)
Dabei würden zwar mehrere Faktoren eine Rolle spielen, aber der wichtigste sei der ungeschickte Versuch der Marktteilnehmer, die sich rasch ändernde US-Geldpolitik einzupreisen. Das Umdenken sei ungewöhnlich abrupt erfolgt. Während im September 2021 die Märkte eine Zinserhöhung von 25 Basispunkten (0,25%) für 2022 eingepreist hätten, würden jetzt allgemein vier oder fünf Anhebungen erwartet. Parallel zu diesen Entwicklungen habe die US-Notenbank signalisiert, dass ihre Ankaufprogramme für Vermögenswerte (Quantative Easing, QE) bald auslaufen würden. Anleger sollten nun davon ausgehen, dass die FED etwa ab Mitte des Jahres mit der Verringerung ihrer Bilanz beginnen werde.
Viele hätten sich von der kürzlich stattfindenden FED-Pressekonferenz eine Verschiebung bezüglich der jüngsten in Aussicht gestellten geldpolitischen Maßnahmen versprochen. Jedoch sei genau der gegenteilige Effekt eingetreten. Powells Äußerungen seien in jeder Hinsicht hawkish interpretiert worden. Er schien sich mehr über eine außer Kontrolle geratene Inflation zu sorgen, als darüber, dass der Markt eine zu straffe Geldpolitik einpreisen könnte.
Das Unbehagen des Vorsitzenden sei verständlich. Da sich die Inflation in den USA auf einem 30-Jahres-Hoch befinde und die Wirtschaft nahe der Vollbeschäftigung liege, sei die Notwendigkeit einer deutlichen Rücknahme der geldpolitischen Unterstützung (Konjunkturmaßnahmen) unschwer erkennbar. Dieser Straffungszyklus beginne ungewöhnlich spät. Denn die realen Leitzinsen (Zinssätze) in den USA seien außergewöhnlich niedrig und die quantitative Lockerung stelle einen zusätzlichen geldpolitischen Anreiz dar. Unter diesen Bedingungen sei es schwer vorherzusagen, in welchem Umfang eine Straffung erforderlich sein werde, bevor der Prozess überhaupt begonnen habe.
Während der Pandemie hätten ungewöhnlich günstige monetäre Bedingungen für Investoren geherrscht. Das Ende dieser Ära und die Rückkehr zu normaleren geldpolitischen Bedingungen seien immer mit einem gewissen Unbehagen der Anleger verbunden gewesen. So wie die niedrigen Zinssätze und das QE die Renditen der Assets erhöht und die Marktvolatilität gedämpft hätten, sollte es keine große Überraschung sein, wenn eine Umkehrung dieser geldpolitischen Bedingungen ein schwierigeres Marktumfeld einläute. Diese Anpassung könnte etwas Zeit erfordern.
Während jedoch einige Indikatoren bereits für einen Kauf während der Bodenbildung des Aktienmarkteinbruchs sprechen würden, würden andere zur Vorsicht mahnen. Eine dieser Überlegungen sei die Dimension. Die Korrektur bei den US-Aktien sei erst etwas mehr als drei Wochen alt. Die meisten Marktkorrekturen würden normalerweise doppelt so lange dauern. Außerdem würden die jüngsten Korrekturen der US-Aktien im Vergleich zu den Gewinnen, die während der Pandemie erzielt worden seien, immer noch bescheiden anmuten. In den beiden Kalenderjahren 2020 und 2021 habe der S&P 500-Index über 50% und der NASDAQ 100 fast 90% zugelegt.
Vermutlich gebe es noch mehr Spielraum für Korrekturen. Auch wenn der FED-Kurswechsel in den letzten Monaten Anleger aufgerüttelt zu haben scheine und sie versuchen würden, das Risiko in ihren Portfolios zu reduzieren, habe es keine Kapitalflucht gegeben. US-Privatanleger hätten in diesem Jahr mehr in Aktien als je zuvor in der Geschichte investiert. Darüber hinaus seien an 16 der ersten 18 Handelstage dieses Jahres Gelder in globale Aktien geflossen, was einem kumulierten Nettozufluss von 84 Mrd. US-Dollar entspreche.
Die kurzfristigen Aussichten für die Finanzmärkte seien ungewöhnlich unsicher. Die Risiken für die Zinserwartungen in den USA scheinen jetzt ausgewogener zu sein, nachdem in letzter Zeit fünf mögliche Zinserhöhungen für dieses Jahr eingepreist worden seien. Aber auch nach diesen Zinserhöhungen würden die monetären Bedingungen im Vergleich zur Stärke der wirtschaftlichen Erholung immer noch ungewöhnlich akkommodierend sein. Während die Erwartungen für die kurzfristigen Zinssätze nun realistischer scheinen, seien die tatsächlichen Anleiherenditen offenbar immer noch sehr niedrig. Sollte sich die Weltwirtschaft in diesem Jahr als so stabil erweisen, wie die Experten erwarten würden, dann sei es für die Schlussfolgerung noch zu früh, dass die Märkte die Normalisierung der Geldpolitik vollständig eingepreist hätten.
Vor diesem recht komplizierten Hintergrund würden die Experten bei einer vorsichtigen Haltung gegenüber risikoreichen Assets bleiben. Sie würden weiterhin Vermögenswerte bevorzugen, die von der globalen Erholung profitieren würden, und würden sich von denjenigen fernhalten, die für steigende Realzinsen am anfälligsten seien. Bei den Aktien spreche das für eine Tendenz in Richtung Value- und weg von Growth-Titeln. Auf regionaler Ebene würden sie weiterhin Aktien aus der Eurozone, Japan und Großbritannien gegenüber dem wachstumsstarken US-Markt bevorzugen. Die Aussichten für chinesische Aktien scheinen nach dem Einbruch im letzten Jahr jetzt ausgewogener zu sein, und die sich abzeichnende geldpolitische Lockerung beginne Wachstumssorgen zu mildern.
Die Experten seien der Meinung, dass es noch zu früh sei, um das Exposure in Bezug auf die Duration an den globalen Anleihemärkten wieder aufzubauen, würden aber nach dem jüngsten Anstieg der Spreads und Renditen allmählich Chancen bei Hochzinsanleihen sehen. (04.02.2022/alc/a/a)


