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Ausblick auf die Sitzungen der EZB und der FED


27.01.23 11:22
Carmignac Gestion

Luxemburg (www.anleihencheck.de) - Kevin Thozet, Mitglied des Investment-Komitees bei Carmignac, kommentiert die geldpolitischen Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) und der US-Notenbank in der kommenden Woche.

Zur Europäischen Zentralbank

Da die Kerninflation keine Anzeichen einer Verlangsamung zeige, die Löhne weiterhin steigen würden und die Wachstumserwartungen nach oben korrigiert würden, bestehe kein Zweifel daran, dass die EZB den Einlagensatz am 2. Februar 2023 auf 2,5 Prozent anheben werde - zumal eine Anhebung um 50 Basispunkte durch die Forward Guidance weitgehend vorprogrammiert sei, vorausgesetzt, man könne der EZB vertrauen. Doch dies sei eine Quelle für viele Diskussionen unter den Anlegern!

Der entscheidende Punkt sei also nicht, ob sie komme, sondern wie lange diese Anhebung um 50 Basispunkte dauern werde. Vielleicht zwei Sitzungen, wie bei der Zinserhöhungsperiode von 75 Basispunkten? Werde sie über den März hinausgehen? Kevin Thozet von Carmignac stelle sich die Frage, ob wir von nun an zu einer Zinserhöhungsperiode von 25 Basispunkten übergehen würden.

Kevin Thozet von Carmignac halte es für wahrscheinlich, dass Christine Lagarde an ihrer restriktiven Haltung festhalten werde, da die europäische Wirtschaft seit ihrer letzten Stellungnahme von 2022 positiv überrascht habe und die Erwartungen, wo die Zinssätze in diesem Erhöhungszyklus enden würden, zusammen mit den Überraschungen bei den Gaspreisen nach unten gegangen seien.

Es werde erwartet, dass sich die Aufmerksamkeit auch auf die Einzelheiten des Programms zur quantitativen Straffung richten werde. Die Verringerung der Bilanzsumme könnte in der Tat einige Fragen aufwerfen: Da die EZB ein Tempo der Straffung von zunächst 15 Milliarde Euro pro Monat angekündigt habe, aber noch nicht bekannt gegeben habe, wie sich dies auf die verschiedenen Segmente des Anleihemarktes (die EZB habe Staatsanleihen, Unternehmensanleihen und gedeckte Schuldverschreibungen gekauft) und die verschiedenen Emittenten (eine Vielzahl von Ländern mit unterschiedlichen wirtschaftlichen Gegebenheiten) auswirken werde, müssten diese Fragen beantwortet werden.

Zur US-Notenbank FED

In den USA sei das erwartete Niveau, auf das die FED die Zinssätze senken werde (auch bekannt als Endsatz), hartnäckig stabil und bewege sich seit November letzten Jahres, als die Kerninflation endlich in Bewegung gekommen sei, um die 5 Prozent herum. Da die FED stärker von Daten abhängig sei, würden alle Augen auf die veröffentlichten Zahlen gerichtet sein, insbesondere auf den bevorstehenden Beschäftigungskostenindex (Employment Cost Index, ECI), der eine zuverlässigere und umfassendere Bewertung der Lohndynamik und damit der Kerninflationsdynamik ermögliche.

Unsere Erwartungen für die FOMC-Sitzung am 1. Februar leiten sich daher von unseren eigenen Prognosen für den ECI ab (veröffentlicht am Dienstag, den 31. Januar 2023); unsere Analyse deutet darauf hin, dass der ECI für das vierte Quartal 2022 bei +1,2 Prozent liegen wird, so Kevin Thozet von Carmignac. Das heiße, +4,9 Prozent im Jahresvergleich - weniger als die 5 Prozent vom dritten Quartal 2022, die bereits niedriger seien als im zweiten Quartal 2022.

Dies deute zwar auf eine nachlassende Lohninflationsdynamik und damit auf ein geringeres Risiko einer Lohn-Preis-Spirale hin, stehe aber nach wie vor im Widerspruch zu dem Niveau der Lohninflation von 4 Prozent (bzw. liege unangenehm darüber), welches die kürzlich veröffentlichten durchschnittlichen Stundenlöhne nahelegen würden.

In Anbetracht dessen, dass die jüngsten Veröffentlichungen der Gesamtinflation und der harten Wirtschaftsdaten ebenfalls nach unten überraschen würden, sei der Disinflationstrend gerechtfertigt. Dies bedeute, dass die FED von nun an die Zinsen langsamer anheben und nächste Woche mit einer "normalen" Anhebung um 25 Basispunkte fortfahren sollte, was die FED Funds an den Rand der Ziellinie der Endzinsen bringe. Und die anhaltende Lohninflation impliziere, dass die Einlagensätze entweder höher als allgemein erwartet angehoben würden oder dass die Einlagensätze länger als erwartet auf dem endgültigen Niveau gehalten würden.

Die kommende FED-Sitzung lasse wenig Raum für Überraschungen. Auf der März- und Juni-Sitzung könnte es zu zwei weiteren Zinserhöhungen um 25 Basispunkte kommen, das heiße mehr als heute eingepreist sei. Auch im Euroraum sei das Risiko für die kurzfristigen Zinssätze eher nach oben geneigt.

Umgekehrt könnten die Renditen bei längeren Laufzeiten sinken. In der Tat hätten sie ihren Schutzwert wiedererlangt, da die Realzinsen wieder im positiven Bereich lägen und immer mehr gute Nachrichten eingepreist würden. (27.01.2023/alc/a/a)