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Ausblick 2023: Endlich Entspannung bei der Inflationsentwicklung?
30.12.22 12:04
FONDS professionell
Wien (www.anleihencheck.de) - Eine seit Jahrzehnten nicht erlebte Teuerung bei Waren und Dienstleistungen war im ablaufenden Jahr einer der am heftigsten diskutierten Unsicherheitsfaktoren in Bezug auf die Konjunkturentwicklung weltweit, so die Experten von "FONDS professionell".
Und das werde auch 2023 so bleiben. Von Einigkeit seien die Experten jedenfalls weit entfernt.
Eigentlich könne es gar nicht verwundern, dass selbst die Spezialisten in den Notenbanken die Entwicklung der Inflationsrate lange Zeit vollkommen unterschätzt hätten. Denn zum einen würden auch die Prognosen und Schätzungen der Zentralbanker auf Vergangenheitsdaten und makroökonomischen Modellen basieren, die sich gerade in einer Zeit der Polykrisen als ungenau erweisen könnten. Zudem seien es sehr verschiedene Faktoren, die die Inflation selbst, die sich aber auch gegenseitig beeinflussen könnten.
Am Ende sei es eben nicht nur die Entwicklung von Angebot und Nachfrage bei Gütern und Dienstleistungen, die dabei eine Rolle spiele, auch der Fortgang bei der Produktivität und nicht zuletzt bei Geldmenge und Rohstoffpreisen beeinflusse die Preisentwicklung bis in die unterschiedlichsten Sektoren hinein.
Das dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Geldpolitiker, allen voran die Europäische Zentralbank, im Rückblick einfach zu spät mit entsprechenden Maßnahmen, insbesondere Zinsanhebungen, reagiert hätten. So viel ganz kurz zur Vergangenheitsbewältigung, die allerdings wenig hilfreich sei in Bezug auf die Frage, die sich den Marktteilnehmern aktuell stelle. Die laute: Wo stehe man mit Blick auf die weitere Preisentwicklung im kommenden Jahr? Denn die Antwort darauf werde entscheidend sein für erfolgreiche, sprich ertragbringende Anlageentscheidungen.
Seema Shah, Chief Global Strategist bei Principal Asset Management:
"Die globalen Zentralbanken haben damit begonnen, ihre rasante geldpolitische Straffung zu verlangsamen, aber dies sollte nicht als neues Zeichen der Mäßigung gewertet werden. Da die Zinssätze 2023 noch weiter im restriktiven Bereich liegen sollten, fokussieren sich die Anleger nicht mehr auf das Tempo der Straffung, sondern darauf, wie hoch die globalen Leitzinsen steigen und wie lange die globalen Zentralbanken sie dort halten", so Shah.
"Die neuesten Inflationswerte haben den Eindruck erweckt, dass der Preisdruck nachlässt. Da die US-Notenbank jedoch bis Ende 2023 mit einem Rückgang der PCE-Kerninflationsrate auf nur 3,1 Prozent rechnet, die Bank of England eine Inflationsrate von 5,2 Prozent prognostiziert und die Europäische Zentralbank eine Prognose von 6,3 Prozent gestellt hat, ist eine weitere Straffung eindeutig erforderlich."
Felix Herrmann, Chefvolkswirt und Portfoliomanager bei Aramea Asset Management:
"Im kommenden Jahr dürften wir fallende Teuerungsraten bei zunächst negativen und anschließend zulegenden Wachstumszahlen sehen. Wenngleich wir sicher kein konjunkturelles "Goldilocks"-Umfeld bekommen werden: Die Aussicht auf eine sinkende Inflation in der westlichen Welt sowie die Entspannung bei den Lieferkettenproblemen stellen erhebliche Verbesserungen der Lage gegenüber 2022 dar. Darüber hinaus sollte die Makrounsicherheit im Verlauf des Jahres 2023 deutlich abnehmen."
"Die Leitzinshochs scheinen in den USA und der Eurozone in Reichweite zu sein. Sollten sich aber auch nur die geringsten Verharrungstendenzen auf aus Notenbankensicht inakzeptablen Inflationsniveaus herauskristallisieren, dürften die Währungshüter diesen mit einer ziemlich harschen Null-Toleranz-Strategie begegnen. Dies würde selbst eine Rezession nicht verhindern können. Die Folge wären höhere Leitzinshochs."
Norman Villamin, CIO Wealth Management & Head of Asset Allocation von UBP:
"Die anhaltend hohe Inflation, die restriktivere Geldpolitik, die Energiekrise sowie die Zunahme der geopolitischen Risiken führten zu einem abrupten Ende der Wachstumsphase. Nach einem Plus von drei Prozent im Jahr 2022 zeichnet sich für 2023 ein globales Wirtschaftswachstum zwischen zwei und 2,5 Prozent ab. In den Industrieländern besteht die Gefahr einer Rezession, während asiatische Staaten ihre Aufwärtsentwicklung fortsetzen dürften. Zwar dürfte die Inflation Schritt für Schritt, insbesondere in den USA, nachlassen. Im Durchschnitt könnte sie 2023 aber immer noch über dem von den Zentralbanken der Industrieländer definierten Zielwert von zwei Prozent liegen. In den Industrieländern könnten neue wirtschaftliche Unterstützungsmaßnahmen den Paradigmenwechsel verzögern und die Geldpolitik beeinträchtigen, ohne das Potenzialwachstum zu erhöhen."
Björn Jesch, Global CIO der DWS:
"Die Fragen, in welchem Umfang und wie schnell die Inflation zurückgedrängt werden kann und wie stark die Zentralbanken die Zinsen dafür noch anheben müssen, werden im kommenden Jahr für die Kapitalmärkte das beherrschende Thema sein. Wir denken, dass die Zentralbanken die Zinsen länger hochhalten werden, als die Märkte dies derzeit erwarten. Für die US-Notenbank erwarten wir, dass sie die Leitzinsen im nächsten Jahr auf fünf bis 5,25 Prozent anheben wird, in der Eurozone dürfte der Leitzins auf drei Prozent steigen. Eine Zinssenkung sehen wir im kommenden Jahr derzeit nicht. Die Inflationsraten dürften 2023 zwar zurückgehen, aber dennoch auf einem hohen Niveau bleiben - sechs Prozent in der Eurozone und 4,1 Prozent in den USA."
Hans Stegeman, Chief Investment Strategist bei Triodos Investment Management:
"Die Aussichten für Industrieländer für 2023 sind düster. Die Vielzahl an Krisen hat die Schwächen unseres Wirtschaftssystems offengelegt und in den Industrieländern zu einer rekordhohen Inflation geführt. Obwohl die Inflation sinken soll, wird es keine vorzeitige Entlastung geben. Dies bedeutet, dass eine Verlangsamung des globalen Wachstums unvermeidlich ist, ausgelöst durch Rezessionen in den meisten großen Industrieländern. Wie lange und wie stark sich das Wirtschaftswachstum verlangsamt, wird weitgehend davon bestimmt, wie lange sich die Inflation hält und wie notwendig eine weitere geldpolitische Straffung ist", so Stegeman.
"Das Märchen vom endlosen geldpolitischen Stimulus ist in Stücke gerissen. Im Jahr 2023 müssen sich die Anleger der Realität ohne monetäre Unterstützung stellen. Dies wird sich durch eine erhöhte Marktvolatilität bemerkbar machen, da wir ein weiteres herausforderndes Jahr mit erhöhten Makrorisiken erwarten."
Gergely Majoros, Mitglied des Investment Komitees von Carmignac:
"Wir glauben nicht an das Szenario, dass die USA Anfang nächsten Jahres eine milde und kurze Rezession erleben werden. Vielmehr gehen wir davon aus, dass die US-Wirtschaft noch in diesem Jahr in eine Rezession abgleiten wird, wobei der Konjunkturrückgang allerdings wesentlich stärker und länger ausfallen wird als vom Konsens angenommen. In Anbetracht der Inflation wird die FED die Voraussetzungen für eine echte Rezession mit einer Arbeitslosenquote von deutlich über fünf Prozent schaffen müssen, verglichen mit derzeit 3,5 Prozent, was der Konsens momentan nicht erwartet."
"In Europa werden sich die hohen Energiekosten aller Voraussicht nach auf die Margen der Unternehmen und die Kaufkraft der privaten Haushalte auswirken und dadurch in diesem und im nächsten Quartal eine Rezession auslösen. Diese Rezession wird vermutlich moderat ausfallen, da die gut gefüllten Gasspeicher Energieengpässe verhindern dürften. Allerdings dürfte der wirtschaftliche Aufschwung ab dem zweiten Quartal nur schwach ausfallen, da die Unternehmen aufgrund der anhaltenden Unsicherheit hinsichtlich der Energieversorgung und der Finanzierungskosten bei Einstellungen und Investitionen Zurückhaltung üben werden."
Saira Malik, Chief Investment Officer von Nuveen:
"Wir erwarten, dass Inflation und Zinsdruck 2023 nachlassen werden. In den USA hat die Inflation ihren Höhepunkt wahrscheinlich bereits im Oktober 2022 erreicht. Aber die Rezessionsrisiken nehmen zu. Der Wechsel von Inflations- zu Rezessionsrisiken ist auf die aggressive geldpolitische Straffung durch die Notenbanken zurückzuführen. Diese haben sich zulasten des Wirtschaftswachstums der Inflationsbekämpfung verschrieben. Auch wenn die Inflation beginnt, sich abzuschwächen, zumindest in den USA, ist das kein Garant dafür, dass die Zinspolitik der Notenbanken dieser Entwicklung unmittelbar folgen wird. Unser Basisszenario geht von einer milden Rezession in den USA aus, aber in Europa dürfte das Umfeld schlechter sein."
John Vail, Chief Global Strategist bei Nikko Asset Management:
"Die Zentralbanken mit Ausnahme Japans halten die Zinsen hoch, um "Zweitrundeneffekte" zu verhindern. Diese "Effekte" sind entscheidend für die Entwicklung der Inflation. Dazu zählen Lohnforderungen, Streiks und damit einhergehende Angebotsschocks, aber auch die "Preissetzungsmacht" von Unternehmen und Vermietern. Alles wird darauf schauen, wie entschlossen die Zentralbanken bei einer weiteren Konjunkturabschwächung die Zinsen hoch halten werden. Dies gilt vor allem für Europa: Dort ist die Inflation am höchsten in der entwickelten Welt, die Beschäftigten sind einflussreich. Umgekehrt dürften Länder mit niedrigeren Arbeitnehmerforderungen im Vorteil sein, insbesondere Japan und ein Großteil Asiens mit Ausnahme von Südkorea."
Gilles Moec, Chief Economist Axa Group:
"Der Inflationsschock hat das Jahr 2022 bestimmt und das Ende einer geldpolitischen Ära eingeläutet. In Verbindung mit der quantitativen Straffung führte dies zu der stärksten Verschärfung der allgemeinen Finanzbedingungen seit der großen Finanzkrise 2008-2009. Wir befinden uns in einer Konstellation, die wir seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt haben: eine politisch herbeigeführte Verlangsamung der Weltwirtschaft."
"Wir sind überzeugt, dass die FED die Zinsen nicht so schnell senken will, wie es der Markt derzeit einschätzt (zweites Halbjahr 2023), da sie sich vergewissern will, dass sie die Inflation wirklich in den Griff bekommen hat. Wir sind zwar zuversichtlich, dass sich die Weltwirtschaft bis Mitte 2023 wieder erholen wird, warnen aber vor übermäßigem Enthusiasmus. Abgesehen von der zyklischen Erholung werden viele strukturelle Fragen unbeantwortet bleiben."
Thomas Kruse, CIO von Amundi Deutschland:
"Nach einem schwierigen Jahr 2022 blicken die Anleger nervös auf geopolitische Spannungen, die europäische Energiekrise und die hartnäckige Inflation. Die Aussichten könnten sich jedoch aufhellen, wenn die US-amerikanische Notenbank politisch umschwenkt und die Bewertungen wieder attraktiver werden. Amundi geht in seinem globalen Investment-Outlook 2023 davon aus, dass sich das weltweite Wachstum im nächsten Jahr auf circa 2,2 Prozent abschwächen wird, gegenüber 3,4 Prozent in 2022. Dabei dürften mehrere Industrie- und Schwellenländer eine Stagnation erleben."
"In Europa bleibt der Energieschock, der durch den Inflationsdruck im Zusammenhang mit den Folgen der Corona-Krise noch verstärkt wird, der Hauptdämpfer für das Wachstum. Die daraus resultierende Lebenshaltungskostenkrise wird Europa in diesem Winter in eine Rezession stürzen, bevor es - bei einer weiter hohen Inflation - zu einer langsamen Erholung kommt. In den USA ist das Risiko einer Rezession durch die aggressive Straffung der FED in der zweiten Jahreshälfte gestiegen. Die Inflation konnte die Notenbank jedoch erneut nicht dämpfen", so Kruse.
"Die Inflation sollte 2023 über weite Teile hartnäckig hoch bleiben. Die Zentralbanken werden ihre Politik des "whatever it takes" fortsetzen, um eine Krise wie 1970 zu vermeiden. Die Straffung wird weitergehen, aber langsamer als 2022. Die Europäische Zentralbank und die Bank of England haben in ihren jüngsten Mitteilungen einen unterstützenden Ton angeschlagen und eine weniger aggressive Straffung angedeutet. In Japan wird der Anstieg des Dollars die Zentralbank dazu zwingen, mit der Straffung zu beginnen. Die Höhe des Leitzinses am Ende des Zinszyklus der Fed wird entscheidend sein und die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den USA erhöhen, wenn dieser in der Nähe von sechs Prozent liegen sollte."
Bernd Meyer, Chefanlagestratege und Leiter Multi Asset von Berenberg:
"Das wirtschaftliche Umfeld, das unsere Volkswirte prognostizieren, erscheint für die Finanzmärkte in 2023 insgesamt besser als vielfach erwartet. Insbesondere dürfte der Fokus der Märkte von der Inflation zum Wachstum wechseln. Das birgt Chancen und Risiken gleichermaßen. Einerseits stehen die Chancen gut, dass die Wirtschaft in der Eurozone ihre Rezession bereits im Frühjahr wieder überwinden kann, andererseits dürften die Gewinnerwartungen bei den Unternehmen unter dem Strich zu optimistisch sein. Bei zunehmendem Margendruck dürften die Gewinne kaum steigen."
"Beim Blick auf die konjunkturelle Situation in der Eurozone ist eine ernsthafte Rezession eingeläutet. Der jüngste Rückgang der Großhandelspreise für Gas und neue staatliche Unterstützungsprogramme tragen aber dazu bei, die Abwärtsrisiken zu begrenzen. Zwar wird das Verbrauchervertrauen in den kommenden Monaten wahrscheinlich weiterhin gedämpft bleiben. Erste Signale deuten aber darauf hin, dass sich die Lage in einigen Monaten stabilisieren könnte", so Meyer.
"In den USA verdichten sich die Anzeichen, dass der Inflations- und Lohndruck seinen Höhepunkt erreicht hat, was Hoffnung auf eine sanfte Landung der Wirtschaft nährt. Infolgedessen haben wir unsere Prognose für die Veränderung des realen US-BIP im nächsten Jahr von minus 0,3 Prozent auf minus 0,1 Prozent angehoben, für 2024 wird eine konjunkturelle Erholung um 1,2 Prozent erwartet."
Ufuk Boydak, Vorstandsvorsitzender von Loys:
"Für die Entwicklung im kommenden Jahr werden der Rückgang der Inflation in den USA und in Europa sowie das davon bestimmte Verhalten der Notenbanken maßgeblich sein. Die Verunsicherung der Anleger im zu Ende gehenden Jahr gründete vor allem auf der Beobachtung, dass sich die Notenbanken bei ihren Zinsanhebungen in einem Dilemma befanden: Wie sollte man die Inflation bekämpfen, ohne die Konjunktur abzuwürgen. Der seit Sommer rückläufige Preistrend bei Öl und Industriemetallen dürfte nun den Druck aus der Situation herausnehmen. Wir gehen davon aus, dass der Höhepunkt der Inflation in den Vereinigten Staaten bereits hinter uns liegt. Europa bleibt hinter dieser Entwicklung zwar noch zurück, jedoch ist auch hier zu erwarten, dass die Teuerung im nächsten Jahr deutlich an Dynamik verliert."
"Insgesamt verbesserte sich zum Jahresende damit auch die Einschätzung der Wachstumsperspektiven in der Eurozone. Zudem deutet sich eine Abkehr der chinesischen Regierung von den drakonischen Schließungen in wirtschaftlich wichtigen Produktionsstandorten an. Damit sind die Weichen für ein besseres Jahr 2023 gestellt. Frühindikatoren wie Auftragseingänge und jüngste Gewinnzahlen weisen bereits nach oben. Sollte es sich bewahrheiten, dass auch China den Weg aller führenden Volkswirtschaften einschlägt, die Pandemie für beendet zu erklären, wäre ein großes Hemmnis für das globale Wachstum beseitigt. Eine Entspannung der Lieferketten deutet sich schon seit einigen Wochen an. Blickt man zwei Jahre nach vorn, so könnte sich die Wirtschaftsentwicklung dann vollständig normalisiert haben."
Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege von J.P. Morgan Asset Management:
"Das neue Jahr startet in einem stagflationären Umfeld. Für 2023 ist aber zu erwarten, dass die Inflation nicht nur zurückgeht, sondern sich signifikant abschwächt - sie könnte sich nicht nur in den USA, sondern auch in Europa mehr als halbieren. Das wird ein wichtiges Signal für die Zentralbankpolitik sein. Der Rückgang der Inflation wird beispielsweise durch das Ende der Angebotsengpässe getrieben. Aktuell sehen wir, dass sich die Lager füllen und wir in Teilen des Gütermarkts sogar einen Angebotsüberhang beobachten können. Auch die Transportkosten auf den weltweiten Container-Routen sind im Vergleich zu ihren Höchstständen vor 14 Monaten um mehr als 80 Prozent gefallen", so Galler.
"Auch wenn sich die US-Inflation halbiert, ist diese weiterhin auf einem erhöhten Niveau von drei bis vier Prozent. Das wird die Zentralbanken weiter wachsam halten, insbesondere vor dem Hintergrund eines robusten Arbeitsmarktes. In den USA ist dieser immer noch sehr eng und die Lohnkosten sind weiter ein potenzieller Inflationstreiber", so Galler.
"Wenn der Inflationsdruck weiter nachlässt, sollten die Zentralbanken bald am Ende ihres aktuellen Straffungszyklus angekommen sein. Noch ist es aber zu früh, das Leitzinshoch auszurufen. Denn die realen Zinsen sind weiterhin negativ und noch nie haben die Zentralbanken den Zinszyklus beendet, wenn die realen Leitzinsen noch negativ waren. Im Verlauf der ersten Jahreshälfte 2023 ist allerdings zu erwarten, dass der Schnittpunkt zwischen Inflationsrate und Leitzins erreicht werden wird und dass der Zinserhöhungszyklus zumindest pausiert."
Jacob Vijverberg, Multi-Asset-Investmentmanager bei Aegon Asset Management:
"Die Inflation wird die Anleger im nächsten Jahr mit einem schneller als erwarteten Rückgang überraschen. Dies könnte Anleger dazu veranlassen, ihre Vermögensallokation zu überdenken. Da die Inflation aufgrund einer übermäßigen Verbrauchernachfrage, fiskalischer und geldpolitischer Anreize, eingeschränkter Lieferketten und einer Neuausrichtung der Ressourcensicherheit stark angestiegen ist, befürchten viele Anleger, dass sie sich auf eine strukturell höhere Inflation einstellen müssen. Einige der Faktoren, die in den letzten zwei Jahren zu einem Anstieg der Inflation geführt haben, werden jedoch in den kommenden Quartalen nachlassen, was sich auf die Positionierung der Portfolios auswirken wird."
"Die Straffung der Geldpolitik dürfte die Verbraucherpreise in Zukunft weiter unter Druck setzen, wobei die Auswirkungen der höheren Zinsen sowohl die Hypotheken- und Kreditzinsen als auch die Sparneigung der Verbraucher erhöhen werden. Darüber hinaus ist mit weniger steuerlicher Unterstützung für Privatpersonen zu rechnen. Die kombinierten Auswirkungen dürften zu einem Rückgang der Inflation führen, da der Waren- und Dienstleistungskonsum zurückgeht. Eine Verlangsamung dürfte schließlich auch dazu führen, dass die hartnäckigeren Inflationsarten, wie die Miet- und Lohninflation, zurückgehen." (30.12.2022/alc/a/a)
Und das werde auch 2023 so bleiben. Von Einigkeit seien die Experten jedenfalls weit entfernt.
Eigentlich könne es gar nicht verwundern, dass selbst die Spezialisten in den Notenbanken die Entwicklung der Inflationsrate lange Zeit vollkommen unterschätzt hätten. Denn zum einen würden auch die Prognosen und Schätzungen der Zentralbanker auf Vergangenheitsdaten und makroökonomischen Modellen basieren, die sich gerade in einer Zeit der Polykrisen als ungenau erweisen könnten. Zudem seien es sehr verschiedene Faktoren, die die Inflation selbst, die sich aber auch gegenseitig beeinflussen könnten.
Am Ende sei es eben nicht nur die Entwicklung von Angebot und Nachfrage bei Gütern und Dienstleistungen, die dabei eine Rolle spiele, auch der Fortgang bei der Produktivität und nicht zuletzt bei Geldmenge und Rohstoffpreisen beeinflusse die Preisentwicklung bis in die unterschiedlichsten Sektoren hinein.
Das dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Geldpolitiker, allen voran die Europäische Zentralbank, im Rückblick einfach zu spät mit entsprechenden Maßnahmen, insbesondere Zinsanhebungen, reagiert hätten. So viel ganz kurz zur Vergangenheitsbewältigung, die allerdings wenig hilfreich sei in Bezug auf die Frage, die sich den Marktteilnehmern aktuell stelle. Die laute: Wo stehe man mit Blick auf die weitere Preisentwicklung im kommenden Jahr? Denn die Antwort darauf werde entscheidend sein für erfolgreiche, sprich ertragbringende Anlageentscheidungen.
Seema Shah, Chief Global Strategist bei Principal Asset Management:
"Die globalen Zentralbanken haben damit begonnen, ihre rasante geldpolitische Straffung zu verlangsamen, aber dies sollte nicht als neues Zeichen der Mäßigung gewertet werden. Da die Zinssätze 2023 noch weiter im restriktiven Bereich liegen sollten, fokussieren sich die Anleger nicht mehr auf das Tempo der Straffung, sondern darauf, wie hoch die globalen Leitzinsen steigen und wie lange die globalen Zentralbanken sie dort halten", so Shah.
"Die neuesten Inflationswerte haben den Eindruck erweckt, dass der Preisdruck nachlässt. Da die US-Notenbank jedoch bis Ende 2023 mit einem Rückgang der PCE-Kerninflationsrate auf nur 3,1 Prozent rechnet, die Bank of England eine Inflationsrate von 5,2 Prozent prognostiziert und die Europäische Zentralbank eine Prognose von 6,3 Prozent gestellt hat, ist eine weitere Straffung eindeutig erforderlich."
Felix Herrmann, Chefvolkswirt und Portfoliomanager bei Aramea Asset Management:
"Im kommenden Jahr dürften wir fallende Teuerungsraten bei zunächst negativen und anschließend zulegenden Wachstumszahlen sehen. Wenngleich wir sicher kein konjunkturelles "Goldilocks"-Umfeld bekommen werden: Die Aussicht auf eine sinkende Inflation in der westlichen Welt sowie die Entspannung bei den Lieferkettenproblemen stellen erhebliche Verbesserungen der Lage gegenüber 2022 dar. Darüber hinaus sollte die Makrounsicherheit im Verlauf des Jahres 2023 deutlich abnehmen."
"Die Leitzinshochs scheinen in den USA und der Eurozone in Reichweite zu sein. Sollten sich aber auch nur die geringsten Verharrungstendenzen auf aus Notenbankensicht inakzeptablen Inflationsniveaus herauskristallisieren, dürften die Währungshüter diesen mit einer ziemlich harschen Null-Toleranz-Strategie begegnen. Dies würde selbst eine Rezession nicht verhindern können. Die Folge wären höhere Leitzinshochs."
Norman Villamin, CIO Wealth Management & Head of Asset Allocation von UBP:
"Die anhaltend hohe Inflation, die restriktivere Geldpolitik, die Energiekrise sowie die Zunahme der geopolitischen Risiken führten zu einem abrupten Ende der Wachstumsphase. Nach einem Plus von drei Prozent im Jahr 2022 zeichnet sich für 2023 ein globales Wirtschaftswachstum zwischen zwei und 2,5 Prozent ab. In den Industrieländern besteht die Gefahr einer Rezession, während asiatische Staaten ihre Aufwärtsentwicklung fortsetzen dürften. Zwar dürfte die Inflation Schritt für Schritt, insbesondere in den USA, nachlassen. Im Durchschnitt könnte sie 2023 aber immer noch über dem von den Zentralbanken der Industrieländer definierten Zielwert von zwei Prozent liegen. In den Industrieländern könnten neue wirtschaftliche Unterstützungsmaßnahmen den Paradigmenwechsel verzögern und die Geldpolitik beeinträchtigen, ohne das Potenzialwachstum zu erhöhen."
Björn Jesch, Global CIO der DWS:
"Die Fragen, in welchem Umfang und wie schnell die Inflation zurückgedrängt werden kann und wie stark die Zentralbanken die Zinsen dafür noch anheben müssen, werden im kommenden Jahr für die Kapitalmärkte das beherrschende Thema sein. Wir denken, dass die Zentralbanken die Zinsen länger hochhalten werden, als die Märkte dies derzeit erwarten. Für die US-Notenbank erwarten wir, dass sie die Leitzinsen im nächsten Jahr auf fünf bis 5,25 Prozent anheben wird, in der Eurozone dürfte der Leitzins auf drei Prozent steigen. Eine Zinssenkung sehen wir im kommenden Jahr derzeit nicht. Die Inflationsraten dürften 2023 zwar zurückgehen, aber dennoch auf einem hohen Niveau bleiben - sechs Prozent in der Eurozone und 4,1 Prozent in den USA."
Hans Stegeman, Chief Investment Strategist bei Triodos Investment Management:
"Die Aussichten für Industrieländer für 2023 sind düster. Die Vielzahl an Krisen hat die Schwächen unseres Wirtschaftssystems offengelegt und in den Industrieländern zu einer rekordhohen Inflation geführt. Obwohl die Inflation sinken soll, wird es keine vorzeitige Entlastung geben. Dies bedeutet, dass eine Verlangsamung des globalen Wachstums unvermeidlich ist, ausgelöst durch Rezessionen in den meisten großen Industrieländern. Wie lange und wie stark sich das Wirtschaftswachstum verlangsamt, wird weitgehend davon bestimmt, wie lange sich die Inflation hält und wie notwendig eine weitere geldpolitische Straffung ist", so Stegeman.
"Das Märchen vom endlosen geldpolitischen Stimulus ist in Stücke gerissen. Im Jahr 2023 müssen sich die Anleger der Realität ohne monetäre Unterstützung stellen. Dies wird sich durch eine erhöhte Marktvolatilität bemerkbar machen, da wir ein weiteres herausforderndes Jahr mit erhöhten Makrorisiken erwarten."
Gergely Majoros, Mitglied des Investment Komitees von Carmignac:
"Wir glauben nicht an das Szenario, dass die USA Anfang nächsten Jahres eine milde und kurze Rezession erleben werden. Vielmehr gehen wir davon aus, dass die US-Wirtschaft noch in diesem Jahr in eine Rezession abgleiten wird, wobei der Konjunkturrückgang allerdings wesentlich stärker und länger ausfallen wird als vom Konsens angenommen. In Anbetracht der Inflation wird die FED die Voraussetzungen für eine echte Rezession mit einer Arbeitslosenquote von deutlich über fünf Prozent schaffen müssen, verglichen mit derzeit 3,5 Prozent, was der Konsens momentan nicht erwartet."
"In Europa werden sich die hohen Energiekosten aller Voraussicht nach auf die Margen der Unternehmen und die Kaufkraft der privaten Haushalte auswirken und dadurch in diesem und im nächsten Quartal eine Rezession auslösen. Diese Rezession wird vermutlich moderat ausfallen, da die gut gefüllten Gasspeicher Energieengpässe verhindern dürften. Allerdings dürfte der wirtschaftliche Aufschwung ab dem zweiten Quartal nur schwach ausfallen, da die Unternehmen aufgrund der anhaltenden Unsicherheit hinsichtlich der Energieversorgung und der Finanzierungskosten bei Einstellungen und Investitionen Zurückhaltung üben werden."
Saira Malik, Chief Investment Officer von Nuveen:
John Vail, Chief Global Strategist bei Nikko Asset Management:
"Die Zentralbanken mit Ausnahme Japans halten die Zinsen hoch, um "Zweitrundeneffekte" zu verhindern. Diese "Effekte" sind entscheidend für die Entwicklung der Inflation. Dazu zählen Lohnforderungen, Streiks und damit einhergehende Angebotsschocks, aber auch die "Preissetzungsmacht" von Unternehmen und Vermietern. Alles wird darauf schauen, wie entschlossen die Zentralbanken bei einer weiteren Konjunkturabschwächung die Zinsen hoch halten werden. Dies gilt vor allem für Europa: Dort ist die Inflation am höchsten in der entwickelten Welt, die Beschäftigten sind einflussreich. Umgekehrt dürften Länder mit niedrigeren Arbeitnehmerforderungen im Vorteil sein, insbesondere Japan und ein Großteil Asiens mit Ausnahme von Südkorea."
Gilles Moec, Chief Economist Axa Group:
"Der Inflationsschock hat das Jahr 2022 bestimmt und das Ende einer geldpolitischen Ära eingeläutet. In Verbindung mit der quantitativen Straffung führte dies zu der stärksten Verschärfung der allgemeinen Finanzbedingungen seit der großen Finanzkrise 2008-2009. Wir befinden uns in einer Konstellation, die wir seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt haben: eine politisch herbeigeführte Verlangsamung der Weltwirtschaft."
"Wir sind überzeugt, dass die FED die Zinsen nicht so schnell senken will, wie es der Markt derzeit einschätzt (zweites Halbjahr 2023), da sie sich vergewissern will, dass sie die Inflation wirklich in den Griff bekommen hat. Wir sind zwar zuversichtlich, dass sich die Weltwirtschaft bis Mitte 2023 wieder erholen wird, warnen aber vor übermäßigem Enthusiasmus. Abgesehen von der zyklischen Erholung werden viele strukturelle Fragen unbeantwortet bleiben."
Thomas Kruse, CIO von Amundi Deutschland:
"Nach einem schwierigen Jahr 2022 blicken die Anleger nervös auf geopolitische Spannungen, die europäische Energiekrise und die hartnäckige Inflation. Die Aussichten könnten sich jedoch aufhellen, wenn die US-amerikanische Notenbank politisch umschwenkt und die Bewertungen wieder attraktiver werden. Amundi geht in seinem globalen Investment-Outlook 2023 davon aus, dass sich das weltweite Wachstum im nächsten Jahr auf circa 2,2 Prozent abschwächen wird, gegenüber 3,4 Prozent in 2022. Dabei dürften mehrere Industrie- und Schwellenländer eine Stagnation erleben."
"In Europa bleibt der Energieschock, der durch den Inflationsdruck im Zusammenhang mit den Folgen der Corona-Krise noch verstärkt wird, der Hauptdämpfer für das Wachstum. Die daraus resultierende Lebenshaltungskostenkrise wird Europa in diesem Winter in eine Rezession stürzen, bevor es - bei einer weiter hohen Inflation - zu einer langsamen Erholung kommt. In den USA ist das Risiko einer Rezession durch die aggressive Straffung der FED in der zweiten Jahreshälfte gestiegen. Die Inflation konnte die Notenbank jedoch erneut nicht dämpfen", so Kruse.
"Die Inflation sollte 2023 über weite Teile hartnäckig hoch bleiben. Die Zentralbanken werden ihre Politik des "whatever it takes" fortsetzen, um eine Krise wie 1970 zu vermeiden. Die Straffung wird weitergehen, aber langsamer als 2022. Die Europäische Zentralbank und die Bank of England haben in ihren jüngsten Mitteilungen einen unterstützenden Ton angeschlagen und eine weniger aggressive Straffung angedeutet. In Japan wird der Anstieg des Dollars die Zentralbank dazu zwingen, mit der Straffung zu beginnen. Die Höhe des Leitzinses am Ende des Zinszyklus der Fed wird entscheidend sein und die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den USA erhöhen, wenn dieser in der Nähe von sechs Prozent liegen sollte."
Bernd Meyer, Chefanlagestratege und Leiter Multi Asset von Berenberg:
"Das wirtschaftliche Umfeld, das unsere Volkswirte prognostizieren, erscheint für die Finanzmärkte in 2023 insgesamt besser als vielfach erwartet. Insbesondere dürfte der Fokus der Märkte von der Inflation zum Wachstum wechseln. Das birgt Chancen und Risiken gleichermaßen. Einerseits stehen die Chancen gut, dass die Wirtschaft in der Eurozone ihre Rezession bereits im Frühjahr wieder überwinden kann, andererseits dürften die Gewinnerwartungen bei den Unternehmen unter dem Strich zu optimistisch sein. Bei zunehmendem Margendruck dürften die Gewinne kaum steigen."
"Beim Blick auf die konjunkturelle Situation in der Eurozone ist eine ernsthafte Rezession eingeläutet. Der jüngste Rückgang der Großhandelspreise für Gas und neue staatliche Unterstützungsprogramme tragen aber dazu bei, die Abwärtsrisiken zu begrenzen. Zwar wird das Verbrauchervertrauen in den kommenden Monaten wahrscheinlich weiterhin gedämpft bleiben. Erste Signale deuten aber darauf hin, dass sich die Lage in einigen Monaten stabilisieren könnte", so Meyer.
"In den USA verdichten sich die Anzeichen, dass der Inflations- und Lohndruck seinen Höhepunkt erreicht hat, was Hoffnung auf eine sanfte Landung der Wirtschaft nährt. Infolgedessen haben wir unsere Prognose für die Veränderung des realen US-BIP im nächsten Jahr von minus 0,3 Prozent auf minus 0,1 Prozent angehoben, für 2024 wird eine konjunkturelle Erholung um 1,2 Prozent erwartet."
Ufuk Boydak, Vorstandsvorsitzender von Loys:
"Für die Entwicklung im kommenden Jahr werden der Rückgang der Inflation in den USA und in Europa sowie das davon bestimmte Verhalten der Notenbanken maßgeblich sein. Die Verunsicherung der Anleger im zu Ende gehenden Jahr gründete vor allem auf der Beobachtung, dass sich die Notenbanken bei ihren Zinsanhebungen in einem Dilemma befanden: Wie sollte man die Inflation bekämpfen, ohne die Konjunktur abzuwürgen. Der seit Sommer rückläufige Preistrend bei Öl und Industriemetallen dürfte nun den Druck aus der Situation herausnehmen. Wir gehen davon aus, dass der Höhepunkt der Inflation in den Vereinigten Staaten bereits hinter uns liegt. Europa bleibt hinter dieser Entwicklung zwar noch zurück, jedoch ist auch hier zu erwarten, dass die Teuerung im nächsten Jahr deutlich an Dynamik verliert."
"Insgesamt verbesserte sich zum Jahresende damit auch die Einschätzung der Wachstumsperspektiven in der Eurozone. Zudem deutet sich eine Abkehr der chinesischen Regierung von den drakonischen Schließungen in wirtschaftlich wichtigen Produktionsstandorten an. Damit sind die Weichen für ein besseres Jahr 2023 gestellt. Frühindikatoren wie Auftragseingänge und jüngste Gewinnzahlen weisen bereits nach oben. Sollte es sich bewahrheiten, dass auch China den Weg aller führenden Volkswirtschaften einschlägt, die Pandemie für beendet zu erklären, wäre ein großes Hemmnis für das globale Wachstum beseitigt. Eine Entspannung der Lieferketten deutet sich schon seit einigen Wochen an. Blickt man zwei Jahre nach vorn, so könnte sich die Wirtschaftsentwicklung dann vollständig normalisiert haben."
Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege von J.P. Morgan Asset Management:
"Das neue Jahr startet in einem stagflationären Umfeld. Für 2023 ist aber zu erwarten, dass die Inflation nicht nur zurückgeht, sondern sich signifikant abschwächt - sie könnte sich nicht nur in den USA, sondern auch in Europa mehr als halbieren. Das wird ein wichtiges Signal für die Zentralbankpolitik sein. Der Rückgang der Inflation wird beispielsweise durch das Ende der Angebotsengpässe getrieben. Aktuell sehen wir, dass sich die Lager füllen und wir in Teilen des Gütermarkts sogar einen Angebotsüberhang beobachten können. Auch die Transportkosten auf den weltweiten Container-Routen sind im Vergleich zu ihren Höchstständen vor 14 Monaten um mehr als 80 Prozent gefallen", so Galler.
"Auch wenn sich die US-Inflation halbiert, ist diese weiterhin auf einem erhöhten Niveau von drei bis vier Prozent. Das wird die Zentralbanken weiter wachsam halten, insbesondere vor dem Hintergrund eines robusten Arbeitsmarktes. In den USA ist dieser immer noch sehr eng und die Lohnkosten sind weiter ein potenzieller Inflationstreiber", so Galler.
"Wenn der Inflationsdruck weiter nachlässt, sollten die Zentralbanken bald am Ende ihres aktuellen Straffungszyklus angekommen sein. Noch ist es aber zu früh, das Leitzinshoch auszurufen. Denn die realen Zinsen sind weiterhin negativ und noch nie haben die Zentralbanken den Zinszyklus beendet, wenn die realen Leitzinsen noch negativ waren. Im Verlauf der ersten Jahreshälfte 2023 ist allerdings zu erwarten, dass der Schnittpunkt zwischen Inflationsrate und Leitzins erreicht werden wird und dass der Zinserhöhungszyklus zumindest pausiert."
Jacob Vijverberg, Multi-Asset-Investmentmanager bei Aegon Asset Management:
"Die Inflation wird die Anleger im nächsten Jahr mit einem schneller als erwarteten Rückgang überraschen. Dies könnte Anleger dazu veranlassen, ihre Vermögensallokation zu überdenken. Da die Inflation aufgrund einer übermäßigen Verbrauchernachfrage, fiskalischer und geldpolitischer Anreize, eingeschränkter Lieferketten und einer Neuausrichtung der Ressourcensicherheit stark angestiegen ist, befürchten viele Anleger, dass sie sich auf eine strukturell höhere Inflation einstellen müssen. Einige der Faktoren, die in den letzten zwei Jahren zu einem Anstieg der Inflation geführt haben, werden jedoch in den kommenden Quartalen nachlassen, was sich auf die Positionierung der Portfolios auswirken wird."
"Die Straffung der Geldpolitik dürfte die Verbraucherpreise in Zukunft weiter unter Druck setzen, wobei die Auswirkungen der höheren Zinsen sowohl die Hypotheken- und Kreditzinsen als auch die Sparneigung der Verbraucher erhöhen werden. Darüber hinaus ist mit weniger steuerlicher Unterstützung für Privatpersonen zu rechnen. Die kombinierten Auswirkungen dürften zu einem Rückgang der Inflation führen, da der Waren- und Dienstleistungskonsum zurückgeht. Eine Verlangsamung dürfte schließlich auch dazu führen, dass die hartnäckigeren Inflationsarten, wie die Miet- und Lohninflation, zurückgehen." (30.12.2022/alc/a/a)
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