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Ausblick 2019: Unternehmensanleihen


08.01.19 10:41
Schroders

London (www.anleihencheck.de) - Das vergangene Jahr war für die meisten Marktbereiche schwierig, nicht zuletzt aufgrund des Richtungswechsels von einer quantitativen Lockerung hin zu einer quantitativen Straffung, so Martha Metcalf, Head of US Credit Strategies, und Rick Rezek, Fondsmanager von Schroders.

Dies sei einer der Faktoren, der die Märkte 2019 erneut belasten könnte. Die Prognose für Unternehmensanleihen sei sehr ausgewogen. Die Fundamentaldaten von Qualitätsanleihen und von riskanteren Hochzinsanleihen seien solide, während das makroökonomische Umfeld in den USA stabil bleibe. Dem stünden ein Rückgang der Nachfrage und eine Eintrübung der Stimmung gegenüber, da die Zinsen steigen würden und das Ende des Kreditzyklus in Sicht sei.

Bei Emittenten mit Investment Grade (sprich mit guter Schuldnerqualität) sei das Umsatzwachstum weiterhin positiv, aber die jüngsten Ergebnisse würden darauf hindeuten, dass sich die Wachstumsrate abgeschwächt habe, da die positive Wirkung der US-Steuerreform nachlasse. Das Gewinnwachstum falle jedoch weiterhin höher aus als das Schuldenwachstum. Dies habe zu einer organischen Verbesserung der Verschuldungskennzahlen geführt. Diese Entwicklung dürfte sich in den nächsten Quartalen fortsetzen. Insgesamt seien Unternehmensanleihen mit Investment Grade aus fundamentaler Sicht solide, würden aber allmählich Anzeichen eines spätzyklischen Verhaltens zeigen.

Hochzinsunternehmen hätten im gesamten Jahresverlauf im Allgemeinen ein solides Gewinnwachstum mit weiterhin relativ soliden Bilanzen verzeichnet. Aufgrund des starken makroökonomischen Umfelds, insbesondere in den USA, und der soliden Gewinne verharre die weltweite Ausfallrate der Ratingagentur Moody's für die vergangenen zwölf Monate nahe historischer Tiefststände und dürfte von 2,6% Ende Oktober 2018 auf 2% Ende 2019 zurückgehen. Die Distressed-Quote, ein Indikator für die Ausfallrate sechs bis neun Monate im Voraus, bleibe ebenfalls weiterhin niedrig, während sich die Ratings günstig entwickeln würden.

Zu den beiden Problembereichen würden die Zunahme von Investment-Grade-Anleihen mit BBB-Rating sowie das enorme Wachstum des riskanteren Markts für so genannte Leveraged Loans im Bereich unterhalb von Investment Grade zählen. Unternehmen mit BBB-Rating würden nun die Hälfte des Investment-Grade-Markts aus (Bloomberg Barclays US Corporate Index) machen. Dies entspreche einem Anstieg von 35% im Vergleich zu vor zehn Jahren, obwohl ein bedeutender Prozentsatz dieses Wachstums auf defensivere Unternehmen zurückzuführen sei, deren Rating nach einer Fusion oder Übernahme von A auf BBB zurückgegangen sei. Der Markt für Leveraged Loans könnte anfällig für Verwerfungen sein, sollten sich die wirtschaftlichen Bedingungen verschlechtern, und damit potenziell den gesamten Markt für Unternehmensanleihen belasten.

Die Neuemissionen mit Investment Grade würden 2019 voraussichtlich um 5% bis 10% zurückgehen, nachdem sie 2018 um fast 10% gesunken seien. Rund 20% der Neuemissionen in diesem Jahr hätten der Finanzierung von Fusionen und Übernahmen gedient. Dieser Prozentsatz werde im kommenden Jahr voraussichtlich zurückgehen, da höhere Gesamtrenditen, stärkere Wertschwankungen am Aktienmarkt und die jüngsten Steueränderungen solche Aktivitäten einschränken dürften.

Im Hochzinsbereich habe ein negatives Nettoemissionsvolumen wie bereits 2017 wichtige technische Unterstützung geboten. Das Bruttovolumen der Neuemissionen sei gegenüber dem Vorjahr um fast 40% zurückgegangen, da opportunistische Refinanzierungen weniger attraktiv seien, die Zinsen gestiegen seien und ein Wandel von Anleihen hin zu Darlehen stattfinde. Das Angebotsdefizit bei Hochzinsanleihen habe J.P. Morgan zufolge seinen Höchststand seit über zehn Jahren erreicht, und die Experten von Schroders würden damit rechnen, dass diese wichtige technische Unterstützung weiter bestehen bleibe.

Aus Nachfrageperspektive hätten die Zuflüsse in Publikumsfonds mit Ausrichtung auf Unternehmensanleihen Ende 2018 nach drei Jahren solider Zuflüsse ins Negative gedreht. Die Anleger hätten sich mit steigenden Zinsen, internationalen Handelsspannungen und höheren Absicherungskosten konfrontiert gesehen. Der Rückzug der Zentralbanken aus der lockeren Geldpolitik dürfte zu einer geringeren Nachfrage nach Unternehmensanleihen führen.

Wenn die Zinsen steigen würden, seien die Anleger, die bislang in Anleihen minderer Qualität umgeschichtet hätten, um im Niedrigzinsumfeld ihre Renditeziele zu erreichen, nicht mehr zu diesem Schritt gezwungen. Dem entgegenwirke potenziell unter anderem die Nachfrage nach langfristigen Unternehmensanleihen von US-Pensionsplänen, deren Deckungsgrad durchschnittlich 90% betrage und die möglicherweise die Risiken senken möchten, indem sie von Aktien in Anleihen umschichten würden.

Im Gegensatz zum Investment-Grade-Bereich habe der Markt für Hochzinsanleihen noch nie großartig von der Nachfrage ausländischer Investoren profitiert. Er habe sich 2018 trotzdem gut entwickelt, trotz beständiger Abflüsse im gesamten Verlauf des Jahres 2018, hauptsächlich aufgrund des Mangels an Neuemissionen.

Die jüngste Marktschwäche habe dazu geführt, dass die Bewertungen attraktiver geworden seien. Die Experten von Schroders sähen für die Anleger Spielraum, den Hochzinsbereich neu zu überdenken und ihre Positionen möglicherweise angesichts solider Fundamentaldaten, attraktiver Renditen und einer positiven Nachfragedynamik aufzustocken.

Infolge des Stimmungsumschwungs vor dem Hintergrund erhöhter Schwankungen auf dem Aktienmarkt, sinkender Ölpreise und geopolitischer Unsicherheit seien die Bewertungen von Unternehmensanleihen attraktiver geworden. Die Renditen globaler Investment-Grade-Titel befänden sich auf einem Niveau, das zuletzt Mitte 2012 erreicht worden sei, während die Risikoaufschläge um 50 Basispunkte höher lägen als die Tiefstände seit 2008, die Anfang des Jahres verzeichnet worden seien. Angesichts der soliden Fundamentaldaten und einem zu erwartenden rückläufigen Angebot würden die Experten dies als attraktive Kaufgelegenheit betrachten.

Für Hochzinsanleihen hätten die Bewertungen die meiste Zeit des Jahres eine Herausforderung dargestellt. Die Risikoaufschläge hätten sich innerhalb einer engen Spanne bewegt, hauptsächlich aufgrund ausbleibender Neuemissionen, selbst als andere Risikoanlagen in Turbulenzen geraten seien. Hochzinsanleihen hätten auch von ihrer kürzeren Kapitalbindungsdauer (Duration) profitiert und seien somit weniger anfällig gewesen für steigende Zinsen. Zudem seien sie aufgrund der Binnenmarktorientierung der meisten Hochzinsunternehmen weniger von den Handelsspannungen betroffen gewesen.

Wie auch auf dem Investment-Grade-Markt hätten sich die Renditeaufschläge von Hochzinsanleihen aufgrund der Schwäche des Ölpreises und der Schwankungen auf dem Aktienmarkt im vierten Quartal auszuweiten begonnen und befänden sich nun deutlich über den Anfang des Jahres verzeichneten Tiefstständen. Die aktuellen Bewertungen seien attraktiv genug, um wieder Anleger anzulocken, insbesondere angesichts des günstigen Umfelds in Bezug auf mögliche Ausfallraten.

Nach fast einem Jahrzehnt der Expansion hätten sich die Bilanzen der Zentralbanken im September zum ersten Mal seit der Krise verkürzt. Diese Entwicklung dürfte sich fortsetzen, da die Europäische Zentralbank (EZB) ihr Unternehmensanleihekaufprogramm Ende 2018 auslaufen lasse und andere Zentralbanken ihre Anleihenkäufe allmählich zurückfahren würden. Die Experten von Schroders würden die Auswirkungen auf Unternehmensanleihen genau beobachten.

Die Fundamentaldaten von Unternehmensanleihen befänden sich mit Blick auf das neue Jahr in guter Verfassung, während der voraussichtliche Rückgang des Angebots ein positiver Faktor sei, der durch die Unsicherheit rund um die Nachfrage etwas abgeschwächt werde. Die attraktiven Bewertungen und die soliden makroökonomischen Bedingungen, insbesondere in den USA, könnten die Anleger nach Erachten der Experten von Schroders zum Kauf von Unternehmensanleihen im gesamten Anleihespektrum veranlassen.

Insgesamt dürften spezifische Risiken bestehen bleiben und 2019 noch stärker in den Vordergrund rücken und damit zunehmend Chancen bieten, durch die Emittenten- und Sektorauswahl Renditen zu erzielen. Trotz der breit angelegten Verbesserung der Bewertungen werde es darauf ankommen, weiterhin diszipliniert und selektiv vorzugehen, um eine angemessene Entschädigung für Risiken sicherzustellen. (Ausgabe vom 28.12.2018) (08.01.2019/alc/a/a)