Ausblick 2019: Inflation ist keine wirkliche Bedrohung


05.02.19 11:31
SYZ Asset Management

Genf (www.anleihencheck.de) - Die aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind durch nachlassende Wachstumsdynamik, verhaltenen Inflationsdruck und eine Verschärfung der US-Geldpolitik geprägt und wir empfehlen zu Beginn von 2019 eine vorsichtige Haltung, die Liquidität, Qualität und Wertpotenziale in den Vordergrund stellt, so Fabrizio Quirighetti, CIO und Head of Multi-Asset bei SYZ Asset Management.

In ihrem Basisszenario würden die Experten jedoch davon ausgehen, dass sich in diesem Jahr einige Chancen ergeben würden. Denn Unsicherheiten würden abnehmen und das Bewertungsniveau habe sich weit genug verbessert, um diesen standzuhalten.

Berechtigterweise würden sich Investoren über Handelskriege, Chinas Wachstum, das Erreichen des Scheitelpunkts bei den Unternehmensgewinnen, den Brexit oder Italien sorgen. Nach Meinung der Experten sei aber der eigentliche Auslöser der jüngsten Marktkorrektur die Tatsache, dass Anleger wieder die Möglichkeit hätten, Renditen auch abseits von risikobehafteten Märkten zu erzielen. Nach einem Jahrzehnt der finanziellen Repression gebe es nun Alternativen. Anders ausgedrückt: Zum ersten Mal seit der großen Finanzkrise sei die Rendite auf US-Staatspapiere höher als die Inflationsrate. Anleger in den USA müssten deshalb nicht länger zusätzliche Risiken eingehen, um die Kaufkraft ihrer Ersparnisse zu erhalten.

Dies wirke wie ein starker Magnet, der Mittel von Vermögensgegenständen abziehe, die keinen ausreichenden zu erwartenden Ausgleich im Vergleich zur Rendite auf ein liquides Einlagenkonto in US-Dollar bieten würden. Es könnte als die letzte Stufe der Normalisierung der US-Geldpolitik angesehen werden, falls es - wie von den Experten erwartet - keinen übermäßigen Inflationsdruck gebe, der die US-Notenbank FED zu einer weiteren Verschärfung ihrer Geldpolitik zwingen würde.

Dieser lange und recht hektische Prozess habe bereits vor mehr als fünf Jahren unter dem damaligen FED-Chef Ben Bernanke mit seinem sogenannten "Taper Tantrum" begonnen. Das Bewertungsniveau vieler Anlagen sei seitdem bereits angepasst worden: Gold, Wertpapiere aus Schwellenländern (ihr Wert sei parallel zu den Erwartungen zu Zinserhöhungen der FED seit 2013 gestiegen und gefallen) und mittlerweile auch bestimmte Bereiche der Aktienmärkte wie US-Small-Cap-Titel und der US-Technologiesektor. Diese hätten sich bis vor kurzem der Schwerkraft der Barrendite entziehen können, welche plötzlich attraktiv genug geworden sei.

Die Experten würden bis auf weiteres Aktienrisiken in ihren Portfolios belassen, weil sich die Bewertungskennzahlen inzwischen verbessert hätten, die Wachstumsaussichten weiter unterstützend wirken würden und die Inflation keine wirkliche Bedrohung darstelle.

Die Experten würden jedoch neutral in Bezug auf die Duration bleiben, die nicht billig sei und zudem vor dem Hintergrund steigender Realzinssätze nicht als Puffer diene. Zu Investment-Grade-Unternehmensanleihen hätten die Experten wegen der Asymmetrie zwischen potenziellen Gewinnen und Verlusten eine defensive Haltung. Da die FED gegenwärtig versuche, den 30 Jahre alten "Greenspan Put" zu beseitigen, sollten Anleger überlegen, ob die Duration in einem volatilen Marktumfeld weiterhin als Puffer fungieren werde oder ob Unternehmensanleihen auch in Zukunft höhere risikobereinigte Renditen einbringen würden als Aktien.

Eine Mischung aus Gold und verzinslichen bargeldnahen Anlagen in US-Dollar oder Anleihen mit kurzer Laufzeit könne sich ebenfalls als nützlich erweisen, um Aktienrisiken zu mildern und so die Volatilität des Gesamtportfolios zu stabilisieren. (05.02.2019/alc/a/a)