Ausblick 2019: Anhaltende Volatilität und Rückkehr der Inflation


05.12.18 12:15
AB

München (www.anleihencheck.de) - Findet das Wirtschaftswachstum 2019 sein Ende? Das ist die große Frage, die die Kapitalmärkte im kommenden Jahr bestimmen wird, so Karen Watkin, Portfoliomanagerin All Market Income beim Asset Manager AllianceBernstein (AB).

Nach Meinung der Experten werde 2019 ein Jahr des Übergangs sein. Ihre Prognose laute: Ein etwas schwächeres, aber dennoch stabiles globales Wachstum von 2,9 Prozent sowie eine Inflation, die auf 3 Prozent steige.

Anders als noch Anfang 2018 gebe es mittlerweile weder synchrones globales Wachstum noch eine Geldpolitik, die weltweit gleich ausgerichtet sei. Anleger sollten sich daher darauf einstellen, dass sich Anlageklassen, Regionen und Sektoren nicht mehr im Gleichschritt bewegen würden und die Volatilität hoch bleibe. Diversifikation und die Erschließung neuer Ertragsquellen würden 2019 eine bedeutende Rolle spielen.

Der Gegenwind durch politische und konjunkturelle Risiken werde schärfer. Ob Italien, Brexit oder Handelskriege - es gebe genug potenzielle Auslöser für Marktvolatilität - es werde weitaus mehr Mühe erfordern, einen stetigen Kurs zu halten. Denn: Der zunehmende Populismus und Protektionismus würden nicht nur einzelne Staaten oder Branchen gefährden, sondern seien eine Bedrohung für das globale Wirtschaftswachstum.

Ein weiteres Risiko berge China: Dort könnte sich die Wachstumsdynamik stärker abschwächen. Falls die Regierung zu langsam oder zu halbherzig reagiere, könnte ein eskalierender Handelskrieg mit den USA die Investitionsbereitschaft lähmen und die historisch hohen Margen der Unternehmensgewinne unter Druck setzen. Andererseits könnte es aber auch passieren, dass sich die oben genannten Faktoren besser entwickeln würden, als gemeinhin angenommen. Zusätzlich könnten geldpolitische Maßnahmen jenseits der USA die globale Nachfrage ankurbeln.

Anleger sollten daher weiterhin auf Aktien setzen. Wachsamkeit gegenüber möglichen tiefergehenden Veränderungen sei allerdings unerlässlich.

In 2019 dürfte die globale Inflation drei Prozent erreichen. Für die Industriestaaten würden die Experten mit einem Anstieg auf 2,1 Prozent rechnen. Hohe Kapazitätsauslastung, enge Arbeitsmärkte, aber auch der anhaltende Erfolg des Populismus dürften zudem dazu beitragen, dass die Inflation langfristig steige.

Für die USA würden die Experten bis zum Ende des Jahres drei, vielleicht sogar vier Zinsschritte auf 3,25 beziehungsweise 3,5 Prozent erwarten. Auch in Europa sei in der zweiten Jahreshälfte ein erster Zinsschritt der Europäischen Zentralbank (EZB) möglich. Der Auslöser hierfür dürfte die steigende Inflation werden - diese könnte die EZB zu einer restriktiven Geldpolitik zwingen, selbst bei einer nachlassenden Konjunktur. Wenn die Kaufprogramme der Notenbanken auslaufen würden, werde zudem die Liquidität an den festverzinslichen Märkten abnehmen, da mit dem Rückzug der Währungshüter ein großer Käufer am Markt entfalle.

Rohstoffe würden in Zeiten steigender Inflation in der Regel einen guten Diversifikator darstellen. Diesmal seien die Experten diesbezüglich jedoch etwas skeptischer. Denn: Die nachlassende Konjunktur, insbesondere in den Schwellenländern, könnte die Nachfrage dämpfen. Zusätzlich könnten Rohstoffproduzenten durch die Strafzölle unter Druck geraten.

Die quantitative Lockerung der Notenbanken und das darauffolgende globale Wachstum hätten vielen Anlegern satte Erträge beschert. Chancen werde es auch weiterhin geben - aber die Suche danach werde mühsamer. Die Auswahl der richtigen Aktien und Anleihen erfordere eine gründliche Analyse der Fundamentaldaten. Der Schlüssel zum Erfolg bestehe darin, unkorrelierte Ertragsquellen zu kombinieren, etwa durch Investments in alternative Risikoprämien oder konzentrierte aktive Aktienstrategien, welche bei der Titelauswahl die Spreu vom Weizen trennen würden.

Die Experten würden Aktien gegenüber Anleihen bevorzugen. Die Spreads, insbesondere am US-Markt für Hochzinsanleihen, seien dieses Jahr stabil gewesen. Jedoch würden die Experten befürchten, dass sich dies ändern könnte, besonders wenn es im BBB-Sektor vermehrt zu Rating-Abstufungen kommen sollte. Da die Experten mit einer erhöhten Volatilität rechnen würden, würden sie bei Aktien vor allem auf stabile Qualitätstitel und defensive Branchen wie etwa Versorgungs- und Konsumgüterunternehmen setzen. Gleichzeitig würden sie Chancen in Schwellenländern sehen, zum Beispiel in den unterbewerteten Aktien in Russland, wo die Dividenden ungeachtet der Kursverluste relativ stark seien, oder in Brasilien, wo die politischen Reformen den Weg zu solidem Gewinnwachstum bereiten würden. (05.12.2018/alc/a/a)