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Ausblick 2016: Bondmärkte im Bann der Notenbanken
23.12.15 12:38
FONDS professionell
Wien (www.anleihencheck.de) - Zwischen mageren Renditen und ersten Zinsschritten der Zentralbanken - nach einem turbulenten Bondjahr drohen Anleihe-Anlegern auch 2016 schwierige Zeiten, so die Experten von "FONDS professionell".
Die US-Notenbank FED habe die Zinserhöhung 2015 immer weiter vor sich her geschoben. Mitte Dezember sei es dann endlich soweit gewesen: FED-Chefin Janet Yellen habe die Federal Funds Rate zum ersten Mal seit knapp zehn Jahren um 25 Basispunkte auf das neue Intervall von 0,25 bis 0,5 Prozent heraufgesetzt.
EZB-Chef Mario Draghi wiederum habe die Marktteilnehmer mit vagen Andeutungen über eine noch expansivere Geldpolitik enttäuscht, die dann aber weit hinter den geschürten Erwartungen zurückgeblieben sei. Und im Frühsommer sei es zu einem noch nie dagewesenen Kursverfall bei Bundesanleihen gekommen.
Unterm Strich sei das Jahr 2015 für Bondinvestoren daher sehr holprig verlaufen. Auch 2016 stünden die Zeichen auf Sturm, würden einige Investment-Experten meinen. Manche Bondprofis würden dennoch Chancen bei festverzinsten Papieren sehen.
Welche Auswirkungen habe es, wenn die US-Notenbank Liquidität aus dem Markt sauge? Volkswirte und Anleihe-Fondsmanager würden 2016 mit einem durchwachsenen Jahr für Bondinvestoren rechnen.
Ulrich Stephan, Deutsche Bank
Anleihen mit vergleichsweise geringem Risiko, zum Beispiel 10-jährige Bundesanleihen, dürften auch 2016 keine nennenswerte Rendite bringen. "Potenzial sehe ich dagegen bei US-Unternehmensanleihen mit Investment-Grade", sage Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank. Hier könnten rund 3,5 Prozent Rendite möglich sein. Für eine noch höhere Rendite müssten Anleger aber auch ein überproportional hohes Risiko eingehen.
Franck Dixmier, Allianz Global Investors
"Das Jahr 2016 dürfte vom Beginn des Auseinanderdriftens der internationalen Geldpolitik geprägt werden, wenn die Federal Reserve mit der Anhebung der Leitzinsen aufgrund der soliden Fundamentaldaten beginnt", sage Franck Dixmier, weltweiter Anleihenchef von Allianz Global Investors. "Wir sollten uns auch bewusst sein, dass eine Welt im Nullzins-Modus auch Fehlallokationen fördert und zu übertriebenen Bewertungen führen kann", warne Dixmier.
Jens Wilhelm, Union Investment
Investitionen in Unternehmensanleihen - bislang ein beliebtes Ausweichmanöver gegen das niedrige Zinsniveau - seien kein Selbstläufer mehr, sage Jens Wilhelm, im Vorstand der Union Asset Management Holding zuständig für Portfoliomanagement und Immobilien. Strengere Regulierung, abnehmende Handelsliquidität und sich verschlechternde Kreditprofile mancher Konzerne dürften die Risikoaufschläge ansteigen lassen. Bei den Renditen sicherer Staatsanleihen erwarte Wilhelm eine Seitwärtsbewegung. Allenfalls in den USA rechne er mit einem leichten Anstieg. Genug jedenfalls, um Investoren zu raten: "Internationalisieren Sie Ihre Kapitalanlage - das ist selbst nach Wechselkurssicherung noch attraktiv."
Juan Nevado, M&G
"Die Angst um die globale Wirtschaft hat in den letzten Jahren die Renditen traditioneller Anleihen auf ein niedriges, nicht zu rechtfertigendes Tief gedrückt", sage Juan Nevado, Manager des M&G Dynamic Allocation und des M&G Prudent Allocation Fund. "Wir denken, dass Staatsanleihen klassischer Industriestaaten, insbesondere am kurzen Ende, im Allgemeinen überbewertet sind, doch sehen wir am langen Ende der US-Kurve ein gewisses Potenzial." Zwar sei es schwer, den Zeitpunkt der Trendwende vorherzusagen, weil die Renditen schon lange auf extremen Tiefstwerten verharren würden, dennoch erwarte er für 2016 wieder steigende Renditen und halte nach Gelegenheiten Ausschau.
Lars Edler, Sal. Oppenheim
Für Renten dürfte 2016 ein schwieriges Jahr werden, meine Lars Edler, Leiter Investmentstrategie von Sal. Oppenheim. "Das Dilemma des Renteninvestors wird ein Zinsanstieg sein, der zwar stark genug ist, um sich negativ auf die Kursentwicklung von Renten auszuwirken, aber zu schwach, um wieder zu attraktiven Renditen zu führen", erkläre Edler. Gewinner könnten die Staatsanleihen der Euro-Peripherieländer (Portugal, Italien, Irland und Spanien) sowie zehnjährige Emerging-Markets-Bonds sein. Unternehmensanleihen dürften von einem weiteren Sinken der Risikoaufschläge profitieren.
Philippe Ithurbide, Amundi
"Die anstehende Runde an Zinserhöhungen der US-Notenbank FED birgt den Samen für größere Schwankungen an den Bondmärkten. Das ist zweifellos die größte Gefahr", sage Amundi-Chefvolkswirt Philippe Ithurbide. Investoren sollten die generelle, große Geldmenge nicht mit einem liquiden Anleihehandel gleichsetzen. "Die geringere Handelsliquidität bei europäischen Staatsanleihen kann plötzliche und heftige Ausschläge hervorrufen", warne Ithurbide.
Luke Bartholomew, Aberdeen
"Sich um abnehmende Liquidität an den Anleihenmärkten zu sorgen, ist in Mode gekommen. Und es ist unwahrscheinlich, dass sich dies in naher Zukunft ändern wird", sage Luke Bartholomew, Investment Manager Fixed Income bei Aberdeen Asset Management. Wie Ithurbide von Amundi warne er davor, Liquidität mit Nachfrage gleichzusetzen.
Tom Ross, Henderson
"Für eine auf längere Sicht positive Einschätzung zu den Kreditmärkten gibt es gute Gründe", meine Tom Ross, Fondsmanager des Credit Alpha Fund von Henderson. "Zum Beispiel sind die Bewertungen heute attraktiver als vor einem Jahr. Andererseits könnten sich die Marktschwankungen kurzzeitig fortsetzen und sich infolgedessen im Spätjahr 2016 bessere Einstiegspunkte bieten."
Christophe Bernard, Vontobel-Chefstratege
"Wir erwarten, dass Staatsanleihen von den sogenannten Kernländern der Eurozone - allen voran deutsche Bundesanleihen und US-Treasuries - geringe Verluste erleiden", meine Christophe Bernard, Vontobel-Chefstratege. Gleichzeitig dürfte sich das Segment der Unternehmensanleihen, beispielsweise hochverzinsliche Papiere, gut behaupten, da eine Rezession ziemlich unwahrscheinlich sei. "Ob sich Aktien und Anleihen der aufstrebenden Volkswirtschaften erholen, hängt stark von der Stabilisierung der Rohstoffpreise ab."
Lukas Daalder, Robeco
"Der Markt für Staatsanleihen hat die Anleger 2015 vor einige Herausforderungen gestellt", würden Lukas Daalder, Chefstratege Investment Solutions von Robeco, und Chefvolkswirt Léon Cornelissen in ihrem Ausblick schreiben. "Zunächst wurden viele im April von der Korrektur in Europa überrascht." Im weiteren Verlauf des Jahres sei der Staatsanleihemarkt dann seinem Anspruch als sicherer Hafen nicht gerecht geworden, weil er im August keinen Schutz vor den drastischen Schwankungen geboten habe. "Wir sehen darin einen Hinweis, dass sich die Anleger zunehmend bewusst sind, dass der Staatsanleihemarkt sehr teuer geworden und nicht mehr der beste Zufluchtsort ist."
Josef Zechner, Spängler IQAM Invest
Das Ertragspotenzial bei Anleihen bleibe begrenzt, meine Professor Josef Zechner, Mitglied der Wissenschaftlichen Leitung bei Spängler IQAM Invest. Wollten Anleger reale Erträge erzielen, seien eine höhere Risikotragfähigkeit und ein langer Planungshorizont erforderlich. "Die Euro-Zinskurven könnten steiler werden. Bei US-Zinskurven ist jedoch tendenziell eine Verflachung zu erwarten. Daher sollte man den Aufschlag bei Euro-Anleihen nutzen", sage Zechner. (23.12.2015/alc/a/a)
Die US-Notenbank FED habe die Zinserhöhung 2015 immer weiter vor sich her geschoben. Mitte Dezember sei es dann endlich soweit gewesen: FED-Chefin Janet Yellen habe die Federal Funds Rate zum ersten Mal seit knapp zehn Jahren um 25 Basispunkte auf das neue Intervall von 0,25 bis 0,5 Prozent heraufgesetzt.
EZB-Chef Mario Draghi wiederum habe die Marktteilnehmer mit vagen Andeutungen über eine noch expansivere Geldpolitik enttäuscht, die dann aber weit hinter den geschürten Erwartungen zurückgeblieben sei. Und im Frühsommer sei es zu einem noch nie dagewesenen Kursverfall bei Bundesanleihen gekommen.
Unterm Strich sei das Jahr 2015 für Bondinvestoren daher sehr holprig verlaufen. Auch 2016 stünden die Zeichen auf Sturm, würden einige Investment-Experten meinen. Manche Bondprofis würden dennoch Chancen bei festverzinsten Papieren sehen.
Welche Auswirkungen habe es, wenn die US-Notenbank Liquidität aus dem Markt sauge? Volkswirte und Anleihe-Fondsmanager würden 2016 mit einem durchwachsenen Jahr für Bondinvestoren rechnen.
Ulrich Stephan, Deutsche Bank
Anleihen mit vergleichsweise geringem Risiko, zum Beispiel 10-jährige Bundesanleihen, dürften auch 2016 keine nennenswerte Rendite bringen. "Potenzial sehe ich dagegen bei US-Unternehmensanleihen mit Investment-Grade", sage Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank. Hier könnten rund 3,5 Prozent Rendite möglich sein. Für eine noch höhere Rendite müssten Anleger aber auch ein überproportional hohes Risiko eingehen.
Franck Dixmier, Allianz Global Investors
"Das Jahr 2016 dürfte vom Beginn des Auseinanderdriftens der internationalen Geldpolitik geprägt werden, wenn die Federal Reserve mit der Anhebung der Leitzinsen aufgrund der soliden Fundamentaldaten beginnt", sage Franck Dixmier, weltweiter Anleihenchef von Allianz Global Investors. "Wir sollten uns auch bewusst sein, dass eine Welt im Nullzins-Modus auch Fehlallokationen fördert und zu übertriebenen Bewertungen führen kann", warne Dixmier.
Jens Wilhelm, Union Investment
Investitionen in Unternehmensanleihen - bislang ein beliebtes Ausweichmanöver gegen das niedrige Zinsniveau - seien kein Selbstläufer mehr, sage Jens Wilhelm, im Vorstand der Union Asset Management Holding zuständig für Portfoliomanagement und Immobilien. Strengere Regulierung, abnehmende Handelsliquidität und sich verschlechternde Kreditprofile mancher Konzerne dürften die Risikoaufschläge ansteigen lassen. Bei den Renditen sicherer Staatsanleihen erwarte Wilhelm eine Seitwärtsbewegung. Allenfalls in den USA rechne er mit einem leichten Anstieg. Genug jedenfalls, um Investoren zu raten: "Internationalisieren Sie Ihre Kapitalanlage - das ist selbst nach Wechselkurssicherung noch attraktiv."
Juan Nevado, M&G
"Die Angst um die globale Wirtschaft hat in den letzten Jahren die Renditen traditioneller Anleihen auf ein niedriges, nicht zu rechtfertigendes Tief gedrückt", sage Juan Nevado, Manager des M&G Dynamic Allocation und des M&G Prudent Allocation Fund. "Wir denken, dass Staatsanleihen klassischer Industriestaaten, insbesondere am kurzen Ende, im Allgemeinen überbewertet sind, doch sehen wir am langen Ende der US-Kurve ein gewisses Potenzial." Zwar sei es schwer, den Zeitpunkt der Trendwende vorherzusagen, weil die Renditen schon lange auf extremen Tiefstwerten verharren würden, dennoch erwarte er für 2016 wieder steigende Renditen und halte nach Gelegenheiten Ausschau.
Für Renten dürfte 2016 ein schwieriges Jahr werden, meine Lars Edler, Leiter Investmentstrategie von Sal. Oppenheim. "Das Dilemma des Renteninvestors wird ein Zinsanstieg sein, der zwar stark genug ist, um sich negativ auf die Kursentwicklung von Renten auszuwirken, aber zu schwach, um wieder zu attraktiven Renditen zu führen", erkläre Edler. Gewinner könnten die Staatsanleihen der Euro-Peripherieländer (Portugal, Italien, Irland und Spanien) sowie zehnjährige Emerging-Markets-Bonds sein. Unternehmensanleihen dürften von einem weiteren Sinken der Risikoaufschläge profitieren.
Philippe Ithurbide, Amundi
"Die anstehende Runde an Zinserhöhungen der US-Notenbank FED birgt den Samen für größere Schwankungen an den Bondmärkten. Das ist zweifellos die größte Gefahr", sage Amundi-Chefvolkswirt Philippe Ithurbide. Investoren sollten die generelle, große Geldmenge nicht mit einem liquiden Anleihehandel gleichsetzen. "Die geringere Handelsliquidität bei europäischen Staatsanleihen kann plötzliche und heftige Ausschläge hervorrufen", warne Ithurbide.
Luke Bartholomew, Aberdeen
"Sich um abnehmende Liquidität an den Anleihenmärkten zu sorgen, ist in Mode gekommen. Und es ist unwahrscheinlich, dass sich dies in naher Zukunft ändern wird", sage Luke Bartholomew, Investment Manager Fixed Income bei Aberdeen Asset Management. Wie Ithurbide von Amundi warne er davor, Liquidität mit Nachfrage gleichzusetzen.
Tom Ross, Henderson
"Für eine auf längere Sicht positive Einschätzung zu den Kreditmärkten gibt es gute Gründe", meine Tom Ross, Fondsmanager des Credit Alpha Fund von Henderson. "Zum Beispiel sind die Bewertungen heute attraktiver als vor einem Jahr. Andererseits könnten sich die Marktschwankungen kurzzeitig fortsetzen und sich infolgedessen im Spätjahr 2016 bessere Einstiegspunkte bieten."
Christophe Bernard, Vontobel-Chefstratege
"Wir erwarten, dass Staatsanleihen von den sogenannten Kernländern der Eurozone - allen voran deutsche Bundesanleihen und US-Treasuries - geringe Verluste erleiden", meine Christophe Bernard, Vontobel-Chefstratege. Gleichzeitig dürfte sich das Segment der Unternehmensanleihen, beispielsweise hochverzinsliche Papiere, gut behaupten, da eine Rezession ziemlich unwahrscheinlich sei. "Ob sich Aktien und Anleihen der aufstrebenden Volkswirtschaften erholen, hängt stark von der Stabilisierung der Rohstoffpreise ab."
Lukas Daalder, Robeco
"Der Markt für Staatsanleihen hat die Anleger 2015 vor einige Herausforderungen gestellt", würden Lukas Daalder, Chefstratege Investment Solutions von Robeco, und Chefvolkswirt Léon Cornelissen in ihrem Ausblick schreiben. "Zunächst wurden viele im April von der Korrektur in Europa überrascht." Im weiteren Verlauf des Jahres sei der Staatsanleihemarkt dann seinem Anspruch als sicherer Hafen nicht gerecht geworden, weil er im August keinen Schutz vor den drastischen Schwankungen geboten habe. "Wir sehen darin einen Hinweis, dass sich die Anleger zunehmend bewusst sind, dass der Staatsanleihemarkt sehr teuer geworden und nicht mehr der beste Zufluchtsort ist."
Josef Zechner, Spängler IQAM Invest
Das Ertragspotenzial bei Anleihen bleibe begrenzt, meine Professor Josef Zechner, Mitglied der Wissenschaftlichen Leitung bei Spängler IQAM Invest. Wollten Anleger reale Erträge erzielen, seien eine höhere Risikotragfähigkeit und ein langer Planungshorizont erforderlich. "Die Euro-Zinskurven könnten steiler werden. Bei US-Zinskurven ist jedoch tendenziell eine Verflachung zu erwarten. Daher sollte man den Aufschlag bei Euro-Anleihen nutzen", sage Zechner. (23.12.2015/alc/a/a)


