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Aufwärtsentwicklung bei deutschen Anleiherenditen erwartet
22.08.22 09:37
Raiffeisen Bank International AG
Wien (www.anleihencheck.de) - In den nächsten beiden Wochen werden in den USA und der Eurozone die meist beachteten Vorlaufindikatoren sowie Inflations- und Arbeitsmarktdaten veröffentlicht, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Die Stimmungsindikatoren hätten sich auf beiden Seiten des Atlantiks in den vergangenen Monaten eingetrübt, wobei der Rückgang des Konsumentenvertrauens hervorsteche. Die Umfragewerte lägen teilweise unter dem Niveau während der Finanz- oder Corona Krise. Insgesamt sei der Rückgang der Konjunkturumfragen in der Eurozone deutlich stärker ausgefallen. Laut Einkaufsmanagerindices stehe die Eurozone an der Kippe zur Rezession. In den USA hätten sich die Erhebungen für den Industrie- und Dienstleistungsbereich oftmals klar im expansiven Niveau halten können. Allerdings seien die BIP Ergebnisse bislang genau andersherum ausgefallen.
Während die USA in der ersten Jahreshälfte eine (technische) Rezession verbucht habe (Rückgang der Wirtschaftsleistung in zwei aufeinander folgenden Quartalen), habe der gesamtwirtschaftliche Output im Euroraum klar zulegen können. Die Vorzeichen für die anstehenden Konjunkturumfragen in den USA (PMI, ISM, Konsumentenvertrauen) seien gemäß den jüngsten regionalen Erhebungen gemischt ausgefallen (Raum New York starker Rückgang und Region Philadelphia überraschend deutlicher Anstieg). In der Eurozone würden die Analysten mit einem fortgesetzten Abwärtstrend (PMI, ifo, Konsumentenvertrauen, etc.) rechnen.
Auf der positiven Seite falle bislang die Resilienz der Arbeitsmarktentwicklung auf. Besonders in den USA stünden die Arbeitsmarktdaten mit einem deutlichen Zuwachs bei der Beschäftigung, der sehr niedrigen Arbeitslosenquote und den kräftigen Lohnanstiegen im diametralen Gegensatz zur ausgewiesenen Rezession. In der Eurozone habe sich die Arbeitslosenquote in den letzten Monaten auf einem sehr tiefen Wert stabilisiert. Auch bei den anstehenden Arbeitsmarktzahlen sei auf beiden Seiten des Atlantiks mit keiner abrupten Kehrtwende ins Negative zu rechnen.
Die Inflationszahlen in den USA und der Eurozone lägen weit über der Komfortzone der jeweiligen Notenbanken. Dies werde mit Sicherheit noch einige Zeit so bleiben. Doch immerhin habe sich in den USA die Aufwärtsdynamik zuletzt eingebremst (Kernrate) und so bestehe Hoffnung, dass die Höchstwerte überschritten worden seien. In der Eurozone gebe es diesbezüglich noch keine Entwarnung. Sowohl die Gesamtrate als auch die Teuerung ex Energie und Nahrungsmittel befinde sich in einem ungebrochenen Aufwärtstrend.
Die Frage in Bezug auf die Inflationsrate in der Eurozone im August sei, ob die 9%-Schwelle überschritten werde. Die Preissteigerungsrate habe im Juli 8,9% im Jahresvergleich erreicht. Die Analysten würden erwarten, dass sich die Lebensmittelinflation, die Inflation für Haushaltsenergie sowie die Kerninflation beschleunigen würden. Der einzige wichtige Faktor, der die Inflation nach unten ziehe, seien die Kraftstoffpreise, die im August bisher deutlich zurückgegangen seien. Die Analysten würden davon ausgehen, dass die Auswirkungen der Kraftstoffpreise gerade ausreichen würden, um die Inflation unter 9% p.a. zu halten. Die Kerninflation dürfte sich von 4,0% p.a. im Juli auf 4,2% p.a. im August beschleunigen.
Gegeben der unerwünscht hohen Inflationsraten sei es nicht verwunderlich, dass Inflationsbekämpfung das vordringliche Vorhaben der US FED und EZB sei. Somit seien aus Marksicht die jüngsten Informationen zur weiteren Vorgehensweise von Interesse. Aus dem zuletzt veröffentlichten Protokoll der vorangegangenen Zinssitzung der US FED (Zinsanhebung um 75 Basispunkte (BP)) sei hervorgegangen, dass sich die FOMC Mitglieder mit der Diskrepanz zwischen BIP und Arbeitsmarktentwicklung befassen würden.
Der Rückgang des BIP werde bislang nicht als Zeichen einer Konjunkturschwäche ausgelegt, welche in weiterer Hinsicht die Inflationsraten sinken lassen würden. Im Gegenteil, die Entscheidungsträger seien der Ansicht, dass der binnenwirtschaftliche Preisdruck unverändert hoch sei. Selbst ein Rückgang von Rohstoffpreisen würde nicht genug sein, um die Teuerung ausreichend nach unten zu führen. Vielmehr bedürfe es auch einer Moderation der Nachfrage und somit einer weiteren Straffung der Geldpolitik, die aber andererseits nicht übers Ziel hinausschießen dürfte. Unter Berücksichtigung der letzten Daten deute das Stimmungsbild des Protokolls darauf hin, dass die FED bei den Zinsanhebungen alsbald Tempo herausnehme. Schon bei der nächsten Gelegenheit im September dürfte eher ein Schritt von 50 BP als 75 BP erfolgen.
Für die EZB sei zuletzt Direktoriumsmitglied Schnabl an die Öffentlichkeit getreten. Die zuletzt in vielen Ländern robusten BIP Daten hätten positive Erwähnung gefunden, in weiterer Folge habe sie aber eine technische Rezession im Euroraum nicht ausschließen wollen. Auch in der EZB herrsche die Auffassung, dass die absehbare Wirtschaftsabkühlung nicht ausreichen werde, die Inflation mittelfristig auf das Ziel zurückzudrängen. Das Interview sei somit als klares Signal zu werten, dass die Zinsnormalisierung selbst bei schwächeren Konjunkturdaten fortgesetzt werde. Immerhin erachte Frau Schnabl die jüngsten Daten als eine Bestätigung für den etwas überraschend großen 50 BP Schritt im Juli und sehe keinen Grund im September nicht entsprechend nachzulegen. 50 BP scheinen also auf der nächsten Zinssitzung gesetzt, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Nach Auffassung der Analysten sei selbst ein aggressiverer Schritt (75 BP) gegeben der eher positiven Marktentwicklung im Nachfeld zu der Überraschung im Juli nicht auszuschließen. Jedenfalls habe man am Markt aus Sicht der Analysten zu viel an Zinsanhebung ausgepreist. Die am Zinsmarkt bis Jahresende eskomptierten rund 100 BP würden die Analysten als Minimum erachten. Sie würden damit rechnen, dass die EZB sehr rasch ein neutrales Zinsniveau erreichen wolle, und bis Jahresende eine Leitzinssteigerung um 150 BP prognostizieren. Dementsprechend würden die Analysten eine Aufwärtsentwicklung bei deutschen Anleiherenditen quer über alle Laufzeiten erwarten. Die Aufwärtsbewegung seit Anfang August würden sie als Beginn eines Trends erachten. (Ausgabe vom 19.08.2022) (22.08.2022/alc/a/a)
Die Stimmungsindikatoren hätten sich auf beiden Seiten des Atlantiks in den vergangenen Monaten eingetrübt, wobei der Rückgang des Konsumentenvertrauens hervorsteche. Die Umfragewerte lägen teilweise unter dem Niveau während der Finanz- oder Corona Krise. Insgesamt sei der Rückgang der Konjunkturumfragen in der Eurozone deutlich stärker ausgefallen. Laut Einkaufsmanagerindices stehe die Eurozone an der Kippe zur Rezession. In den USA hätten sich die Erhebungen für den Industrie- und Dienstleistungsbereich oftmals klar im expansiven Niveau halten können. Allerdings seien die BIP Ergebnisse bislang genau andersherum ausgefallen.
Während die USA in der ersten Jahreshälfte eine (technische) Rezession verbucht habe (Rückgang der Wirtschaftsleistung in zwei aufeinander folgenden Quartalen), habe der gesamtwirtschaftliche Output im Euroraum klar zulegen können. Die Vorzeichen für die anstehenden Konjunkturumfragen in den USA (PMI, ISM, Konsumentenvertrauen) seien gemäß den jüngsten regionalen Erhebungen gemischt ausgefallen (Raum New York starker Rückgang und Region Philadelphia überraschend deutlicher Anstieg). In der Eurozone würden die Analysten mit einem fortgesetzten Abwärtstrend (PMI, ifo, Konsumentenvertrauen, etc.) rechnen.
Auf der positiven Seite falle bislang die Resilienz der Arbeitsmarktentwicklung auf. Besonders in den USA stünden die Arbeitsmarktdaten mit einem deutlichen Zuwachs bei der Beschäftigung, der sehr niedrigen Arbeitslosenquote und den kräftigen Lohnanstiegen im diametralen Gegensatz zur ausgewiesenen Rezession. In der Eurozone habe sich die Arbeitslosenquote in den letzten Monaten auf einem sehr tiefen Wert stabilisiert. Auch bei den anstehenden Arbeitsmarktzahlen sei auf beiden Seiten des Atlantiks mit keiner abrupten Kehrtwende ins Negative zu rechnen.
Die Frage in Bezug auf die Inflationsrate in der Eurozone im August sei, ob die 9%-Schwelle überschritten werde. Die Preissteigerungsrate habe im Juli 8,9% im Jahresvergleich erreicht. Die Analysten würden erwarten, dass sich die Lebensmittelinflation, die Inflation für Haushaltsenergie sowie die Kerninflation beschleunigen würden. Der einzige wichtige Faktor, der die Inflation nach unten ziehe, seien die Kraftstoffpreise, die im August bisher deutlich zurückgegangen seien. Die Analysten würden davon ausgehen, dass die Auswirkungen der Kraftstoffpreise gerade ausreichen würden, um die Inflation unter 9% p.a. zu halten. Die Kerninflation dürfte sich von 4,0% p.a. im Juli auf 4,2% p.a. im August beschleunigen.
Gegeben der unerwünscht hohen Inflationsraten sei es nicht verwunderlich, dass Inflationsbekämpfung das vordringliche Vorhaben der US FED und EZB sei. Somit seien aus Marksicht die jüngsten Informationen zur weiteren Vorgehensweise von Interesse. Aus dem zuletzt veröffentlichten Protokoll der vorangegangenen Zinssitzung der US FED (Zinsanhebung um 75 Basispunkte (BP)) sei hervorgegangen, dass sich die FOMC Mitglieder mit der Diskrepanz zwischen BIP und Arbeitsmarktentwicklung befassen würden.
Der Rückgang des BIP werde bislang nicht als Zeichen einer Konjunkturschwäche ausgelegt, welche in weiterer Hinsicht die Inflationsraten sinken lassen würden. Im Gegenteil, die Entscheidungsträger seien der Ansicht, dass der binnenwirtschaftliche Preisdruck unverändert hoch sei. Selbst ein Rückgang von Rohstoffpreisen würde nicht genug sein, um die Teuerung ausreichend nach unten zu führen. Vielmehr bedürfe es auch einer Moderation der Nachfrage und somit einer weiteren Straffung der Geldpolitik, die aber andererseits nicht übers Ziel hinausschießen dürfte. Unter Berücksichtigung der letzten Daten deute das Stimmungsbild des Protokolls darauf hin, dass die FED bei den Zinsanhebungen alsbald Tempo herausnehme. Schon bei der nächsten Gelegenheit im September dürfte eher ein Schritt von 50 BP als 75 BP erfolgen.
Für die EZB sei zuletzt Direktoriumsmitglied Schnabl an die Öffentlichkeit getreten. Die zuletzt in vielen Ländern robusten BIP Daten hätten positive Erwähnung gefunden, in weiterer Folge habe sie aber eine technische Rezession im Euroraum nicht ausschließen wollen. Auch in der EZB herrsche die Auffassung, dass die absehbare Wirtschaftsabkühlung nicht ausreichen werde, die Inflation mittelfristig auf das Ziel zurückzudrängen. Das Interview sei somit als klares Signal zu werten, dass die Zinsnormalisierung selbst bei schwächeren Konjunkturdaten fortgesetzt werde. Immerhin erachte Frau Schnabl die jüngsten Daten als eine Bestätigung für den etwas überraschend großen 50 BP Schritt im Juli und sehe keinen Grund im September nicht entsprechend nachzulegen. 50 BP scheinen also auf der nächsten Zinssitzung gesetzt, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Nach Auffassung der Analysten sei selbst ein aggressiverer Schritt (75 BP) gegeben der eher positiven Marktentwicklung im Nachfeld zu der Überraschung im Juli nicht auszuschließen. Jedenfalls habe man am Markt aus Sicht der Analysten zu viel an Zinsanhebung ausgepreist. Die am Zinsmarkt bis Jahresende eskomptierten rund 100 BP würden die Analysten als Minimum erachten. Sie würden damit rechnen, dass die EZB sehr rasch ein neutrales Zinsniveau erreichen wolle, und bis Jahresende eine Leitzinssteigerung um 150 BP prognostizieren. Dementsprechend würden die Analysten eine Aufwärtsentwicklung bei deutschen Anleiherenditen quer über alle Laufzeiten erwarten. Die Aufwärtsbewegung seit Anfang August würden sie als Beginn eines Trends erachten. (Ausgabe vom 19.08.2022) (22.08.2022/alc/a/a)


