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Asset Allocation Insights: Die Volatilität bleibt weiter niedrig


22.06.17 14:00
SYZ Asset Management

Genf (www.anleihencheck.de) - "Sell in May and go away?" Anleger sollten sich das gut überlegen, denn im vergangenen Monat hat sich nicht wirklich etwas verändert, so Fabrizio Quirighetti, Chief Investment Officer und Co-Head Multi-Asset bei SYZ Asset Management,

Die hohen Bewertungen in vielen Anlageklassen würden zwar nach wie vor Sorge bereiten, doch das aktuelle Umfeld unterstütze die Risikobereitschaft. Denn: Es sei eine Goldlöckchen-Wirtschaft, gekennzeichnet durch passables Wachstum ohne jeglichen Inflationsdruck auf dem Weg zur allmählichen geldpolitischen Normalisierung. Die politische Unsicherheit bleibe möglicherweise das größte unbekannte Risiko, wenn sie bedeutend genug sei, um zu Unsicherheiten über das politische Vorgehen zu führen.

Ein politischer Unruheherd könnte allerdings jederzeit entstehen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es dazu komme, sei nunmehr aber in den USA, wo der zunehmend unberechenbare Präsident Trump das Ruder führe, weitaus grösser als in der Eurozone. Dennoch sei es äußerst schwierig, genau vorauszusagen, wann ein Wendepunkt für die Politik oder ein marktschädigender weltweiter Konflikt eintreten könnte - ob es nun um die unterschwelligen Spannungen auf der koreanischen Halbinsel, Terroranschläge oder einen Tweet von Donald Trump gehe.

Unter Berücksichtigung all dieser Faktoren halte Quirighetti an seiner leichten Risikopräferenz fest, die von der niedrigen Volatilität profitieren werde. Zugleich würden die Experten ihre Portfolios für den Fall einer Korrektur weiterhin etwas absichern. Ihrer Ansicht nach sei die Wahrscheinlichkeit, dass eine solche Korrektur in den nächsten Monaten eintreten werde, hoch. Sie würden die Gelegenheit dazu nutzen, das Risiko an einem besseren Einstiegspunkt wieder zu erhöhen.

Das gegenwärtige Umfeld mit seiner niedrigen Volatilität und steigenden Aktienmärkten erinnere an den Zeitraum 2005 bis 2006: hoch bewertete Vermögenswerte, Erholung in der Eurozone, Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar und die EZB kurz vor der Normalisierung der Geldpolitik. Wenngleich die meisten Kommentatoren das aktuelle Umfeld entweder als neu oder außergewöhnlich einordnen würden, sei Quirighetti davon überzeugt, dass es sich um einen Fall handle, in dem sich die Geschichte wiederhole - mit einigen wenigen Unterschieden.

Erstens erstrecke sich der "Aktienwahn" diesmal nicht auf die Schwellenländer, sondern auf den Technologiesektor, der seit Mitte 2013 eine beständige Outperformance erzielt habe. Weitaus wichtiger aber sei, dass die Verschuldung im globalen System noch weiter gestiegen sei. Dadurch werde ein wesentlicher Anstieg im Gesamtniveau der Zinsen verhindert, ohne dass dabei ein Crash entstehe, der zu einer endgültigen "Japanifizierung" der Industrieländer führen würde.

Darüber hinaus gehe es weiter wie gehabt: Die Risikoaufschläge von Aktien und die Kreditspreads seien sogar noch enger als heute gewesen. Solange der Schock nicht groß genug sei, um die Weltwirtschaft aus der Bahn zu werfen oder den von der FED eingeschlagenen Pfad der geldpolitischen Normalisierung drastisch zu ändern, würden Volatilitätshochs nicht viel länger dauern und die Volatilität werde insgesamt niedrig bleiben. Vor diesem Hintergrund hätten die Experten Schwellenländeraktien aus Lateinamerika nach der von dem neuen politischen Skandal in Brasilien ausgelösten Korrektur auf eine leichte Präferenz hochgestuft, da die Befürchtung einer Ansteckung auf Aktienmärkte außerhalb Brasiliens ungerechtfertigt gewesen sei.

In Anbetracht der Ähnlichkeiten mit den Jahren 2005 und 2006 dürften die langfristigen US-Zinsen also recht stabil bleiben. Die einzigen (vorübergehenden) Aufwärtsrisiken auf absehbare Zeit würden ganz sicher nicht aufgrund einer Wachstumsbeschleunigung in den USA oder einer Änderung des Leitzinspfads der FED entstehen, sondern durch eine Neubewertung der deutschen Renditekurve. Dies könnte nun jederzeit geschehen, aber der Tag der offiziellen Feststellung der EZB, dass die geldpolitischen Maßnahmen gedrosselt werden sollten, sei nicht mehr fern. Deshalb würden die Experten insbesondere bei deutschen Bundesanleihen und JGBs an ihrer taktischen negativen Einschätzung der Duration festhalten.

Entsprechend der bereits geäußerten Einschätzung werde der Euro weiter gegenüber dem US-Dollar aufwerten. Einige Positionierungen in Carry-Trades dürften zunehmend überlaufener werden. Der Grund dafür sei, dass einige Schwellenländerwährungen wie der MXN oder die TRY nach wie vor relativ günstig bewertet seien und eine vergleichsweise attraktive absolute und relative Rendite böten, jedenfalls im Vergleich zu den niedrigen erwarteten Renditen europäischer Hochzinsanleihen, die die Experten im vergangenen Monat auf eine negative Einschätzung herabgestuft hätten. Ähnlich wie bei der Heraufstufung europäischer Aktien im vergangenen Monat würden sie ihre Portfoliorisiken umstrukturieren, wenn sie Bereiche mit (relativem) Wertpotenzial finden würden. (22.06.2017/alc/a/a)