Erweiterte Funktionen
Asiatische Anleihen bieten Schutz vor Brexit-Turbulenzen
04.07.16 08:50
NN Investment Partners
Den Haag (www.anleihencheck.de) - Als am 24. Juni deutlich wurde, dass die Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union (EU) gestimmt hatten, setzte sofort eine Flucht in sichere Häfen ein, so Joyce Tan, Portfolio Specialist Asian Debt bei NN Investment Partners, Singapur.
Die Anleger hätten ihr Kapital aus Rohstoffen und aus globalen Aktien abgezogen. Das Pfund Sterling sei auf den schwächsten Stand seit 30 Jahren eingebrochen. Wie erwartet hätten traditionelle sichere Häfen wie Gold, der US-Dollar und der Yen zugelegt und die Renditen von 10-jährigen US-Treasuries seien auf 1,56%, den niedrigsten Stand seit Mitte 2012 gefallen.
Eins hätten die Märkte vielleicht nicht in dieser Form erwartet: Asiatische US-Dollar-Anleihen hätten sich in den Brexit-Turbulenzen ebenfalls als sicherer Hafen erwiesen. An den Märkten für asiatische Unternehmensanleihen, die traditionell als "riskante Vermögenswerte" angesehen würden, sei die Lage nach dem Referendum bemerkenswert ruhig gewesen; es habe kaum Anzeichen für Panikverkäufe gegeben. Der JPMorgan Asia Credit Index habe am 24. Juni eine positive Gesamtrendite in Höhe von 0,24% erzielt. Grund dafür seien die niedrigeren US-Treasury-Renditen, die eine Ausweitung der Credit Spreads zum Teil kompensiert hätten.
Für diese Widerstandsfähigkeit gebe es mehrere Gründe. Eine fundamentale Ursache sei darin zu sehen, dass Asiens Handelsbeziehungen zu Großbritannien insgesamt gering seien und ihr Anteil in den meisten Ländern weniger als 1% des BIP ausmache. Als Standard and Poor's das AAA-Rating für Großbritannien aufgehoben habe, habe die Agentur gleichzeitig geschrieben, der Brexit habe kaum Auswirkungen auf das Rating asiatischer Anleihen. In Bezug auf Chinas High-Yield-Kreditnehmer habe sich die Ratingagentur optimistisch gezeigt und geäußert, die Dollar-Verschuldung erscheine nach proaktiven Refinanzierungen durchaus kontrollierbar.
Aus technischer Sicht seien die asiatischen Rentenmärkte inzwischen weniger anfällig für Stimmungsumschwünge bei den internationalen Anlegern, da der Anteil einheimischer Anleiheinhaber angestiegen sei. Rund 70% der neu begebenen Unternehmensanleihen würden heutzutage von asiatischen Anlegern erworben; vor zwei Jahren seien es noch 50% gewesen. Deshalb handele Asien zu einem niedrigeren Beta als andere globale Schwellenländer. Außerdem habe es sich aus technischer Sicht in diesem Jahr als günstig erwiesen, dass deutlich weniger neue Anleihen platziert worden seien, da chinesische Emittenten ihre in Dollar denominierten Finanzierungen auf Onshore-Yuan umgestellt hätten.
Mittelfristig könnte Asien weiterhin von der Suche nach Renditen profitieren. Es werde bereits zunehmend damit gerechnet, dass die Zentralbanken in den entwickelten Ländern ihre Leitzinsen senken würden, um die Auswirkungen des Brexit unter Kontrolle zu halten. Der soeben erst eingeleitete Straffungszyklus der US-Federal Reserve scheine bereits verpufft zu sein. Mit einer Rendite von rund 4,2% bis zum Laufzeitende würden die risikobereinigten Renditen asiatischer Papiere verglichen mit den Alternativen durchaus attraktiv erscheinen.
All dies bedeute jedoch nicht, dass Asien gegen die Folgen des Brexit immun sei. Vor allem Chinas Reaktion auf die neu aufgeflammte Volatilität werde für die asiatischen Rentenmärkte von entscheidender Bedeutung sein. Kurzfristig bestehe eines der größten Risiken darin, dass der stärkere US-Dollar zu Druck auf den Yuan führen und eine weitere Runde von Kapitalabflüssen auslösen könnte. 2015 seien bereits geschätzt 906 Mrd. US-Dollar abgezogen worden, und auch in diesem Jahr seien die Kapitalflussbilanzen im Defizit. Dagegen sei es als positiv anzusehen, dass Chinas Zentralbank begriffen zu haben scheine, wie wichtig eine gute Kommunikation für die Marktstimmung sei. Freitag vor einer Woche habe sie den Anlegern in einer kurzen Mitteilung erklärt, dass sie Pläne ausgearbeitet habe, um dem Schock des Brexit-Referendums entgegenzuwirken.
In den kommenden Monaten werde die Volatilität angesichts der politischen Auseinandersetzungen zwischen Großbritannien und der EU anhalten. Ironischerweise erscheine Asiens politische Landschaft vergleichsweise ruhig. Auf der Suche nach sicheren Häfen könnten die Anleger gut daran tun, auf asiatische Hartwährungsanleihen zu setzen. (Ausgabe vom 01.07.2016) (04.07.2016/alc/a/a)
Die Anleger hätten ihr Kapital aus Rohstoffen und aus globalen Aktien abgezogen. Das Pfund Sterling sei auf den schwächsten Stand seit 30 Jahren eingebrochen. Wie erwartet hätten traditionelle sichere Häfen wie Gold, der US-Dollar und der Yen zugelegt und die Renditen von 10-jährigen US-Treasuries seien auf 1,56%, den niedrigsten Stand seit Mitte 2012 gefallen.
Eins hätten die Märkte vielleicht nicht in dieser Form erwartet: Asiatische US-Dollar-Anleihen hätten sich in den Brexit-Turbulenzen ebenfalls als sicherer Hafen erwiesen. An den Märkten für asiatische Unternehmensanleihen, die traditionell als "riskante Vermögenswerte" angesehen würden, sei die Lage nach dem Referendum bemerkenswert ruhig gewesen; es habe kaum Anzeichen für Panikverkäufe gegeben. Der JPMorgan Asia Credit Index habe am 24. Juni eine positive Gesamtrendite in Höhe von 0,24% erzielt. Grund dafür seien die niedrigeren US-Treasury-Renditen, die eine Ausweitung der Credit Spreads zum Teil kompensiert hätten.
Aus technischer Sicht seien die asiatischen Rentenmärkte inzwischen weniger anfällig für Stimmungsumschwünge bei den internationalen Anlegern, da der Anteil einheimischer Anleiheinhaber angestiegen sei. Rund 70% der neu begebenen Unternehmensanleihen würden heutzutage von asiatischen Anlegern erworben; vor zwei Jahren seien es noch 50% gewesen. Deshalb handele Asien zu einem niedrigeren Beta als andere globale Schwellenländer. Außerdem habe es sich aus technischer Sicht in diesem Jahr als günstig erwiesen, dass deutlich weniger neue Anleihen platziert worden seien, da chinesische Emittenten ihre in Dollar denominierten Finanzierungen auf Onshore-Yuan umgestellt hätten.
Mittelfristig könnte Asien weiterhin von der Suche nach Renditen profitieren. Es werde bereits zunehmend damit gerechnet, dass die Zentralbanken in den entwickelten Ländern ihre Leitzinsen senken würden, um die Auswirkungen des Brexit unter Kontrolle zu halten. Der soeben erst eingeleitete Straffungszyklus der US-Federal Reserve scheine bereits verpufft zu sein. Mit einer Rendite von rund 4,2% bis zum Laufzeitende würden die risikobereinigten Renditen asiatischer Papiere verglichen mit den Alternativen durchaus attraktiv erscheinen.
All dies bedeute jedoch nicht, dass Asien gegen die Folgen des Brexit immun sei. Vor allem Chinas Reaktion auf die neu aufgeflammte Volatilität werde für die asiatischen Rentenmärkte von entscheidender Bedeutung sein. Kurzfristig bestehe eines der größten Risiken darin, dass der stärkere US-Dollar zu Druck auf den Yuan führen und eine weitere Runde von Kapitalabflüssen auslösen könnte. 2015 seien bereits geschätzt 906 Mrd. US-Dollar abgezogen worden, und auch in diesem Jahr seien die Kapitalflussbilanzen im Defizit. Dagegen sei es als positiv anzusehen, dass Chinas Zentralbank begriffen zu haben scheine, wie wichtig eine gute Kommunikation für die Marktstimmung sei. Freitag vor einer Woche habe sie den Anlegern in einer kurzen Mitteilung erklärt, dass sie Pläne ausgearbeitet habe, um dem Schock des Brexit-Referendums entgegenzuwirken.
In den kommenden Monaten werde die Volatilität angesichts der politischen Auseinandersetzungen zwischen Großbritannien und der EU anhalten. Ironischerweise erscheine Asiens politische Landschaft vergleichsweise ruhig. Auf der Suche nach sicheren Häfen könnten die Anleger gut daran tun, auf asiatische Hartwährungsanleihen zu setzen. (Ausgabe vom 01.07.2016) (04.07.2016/alc/a/a)


