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Argentinien: Argumente für Peso-Abwertung greifen nicht


07.11.25 10:15
Bank Vontobel Europe AG

München (www.anleihencheck.de) - Es wurde zuletzt stark darüber spekuliert, dass der argentinische Peso möglicherweise überbewertet sei und abgewertet werden sollte, so Thierry Larose, Portfoliomanager bei Vontobel.

Mindestens jedoch sollte die aktuelle Wechselkursbandbreite erweitert werden. Das Ziel müsse sein, die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, der Zentralbank den Wiederaufbau von Devisenreserven zu ermöglichen und die ehrgeizigen Netto-Devisenreserven-Ziele (NIR) zu erreichen, die im Rahmen der erweiterten Kreditfazilität des IWF festgelegt worden seien.

Dabei stütze das Lager der "Abwertungsbefürworter" seine Argumentation auf zwei Hauptpunkte: Erstens blieben die Netto-Devisenreserven (NIR) stark negativ, gleichzeitig sei das private Dollarangebot außerhalb des saisonalen Getreideexportzyklus begrenzt – ein Zyklus, der volatil und schwer vorherzusagen sei. Selbst mit steigenden Exporten von Kohlenwasserstoffen scheine es schwierig, das NIR-Ziel des IWF ohne eine Anpassung des Wechselkurses zu erreichen. Zweitens erinnere das wachsende Tourismusdefizit, so die Befürworter, an Zeiten, in denen der Peso offensichtlich überbewertet gewesen sei. Damals seien Argentinier in Scharen nach Brasilien und Uruguay gereist, seien diese Reiseziele doch "zu günstig, um wahr zu sein" gewesen.

Diese Argumente enthielten teilweise jedoch Fehler oder seien veraltet. Beginne man mit dem Tourismus: Während die Bilanz tatsächlich recht negativ sei (etwa –2 % des BIP), zeigten aktuelle Daten seit Jahresbeginn eine deutliche Verbesserung, da Auslandsreisen in Pesos etwa 30 % günstiger gewesen seien. Obwohl das Defizit weiterhin auf dem Höchststand von 2017 liege, sei das Gesamtbild heute weitaus nachhaltiger, da die Handelsbilanz insgesamt einen Überschuss aufweise, der mit dem Schieferöl-Boom in Vaca Muerta weiter wachsen werde. Das Tourismusdefizit sei also kein Warnsignal, die Befürchtungen, dass die Bewertung des Pesos das externe Gleichgewicht gefährde, seien damit übertrieben.

Die Schwierigkeiten der Zentralbank, private Dollarzuflüsse zu gewinnen, spiegelten wiederum eher die politische Unsicherheit wider als eine Fehlbewertung des Wechselkurses. Lokale Investoren fürchteten weiterhin eine mögliche Rückkehr des Kirchnerismus nach den Wahlen 2027. Solange diese Angst anhalte, halte kein Wechselkurs sie davon ab, ihre Portfolios zu dollarisieren. Eine Politik à la Kirchner, die geprägt sei von staatlicher Intervention und expansiven Sozialausgaben, sei seit 2003 viermal in Wahlen bestätigt worden. Was die Märkte dabei beunruhige, sei vor allem die Art ihrer Finanzierung: unkontrolliertes Gelddrucken, eine der extremsten Formen fiskalischer Dominanz, mit vorhersehbaren Konsequenzen wie chronischer Inflation, schwachen Investitionen, Devisenmangel und Kapitalflucht.

Man finde nichts Beunruhigendes daran, dass der Peso seine Gewinne nach den Wahlen wieder abgegeben habe. Einerseits habe die Nachfrage nach Währungsabsicherungen und vorgezogenen Investitionen in Kapitalgüter nachgelassen. Andererseits baue die Zentralbank Unterstützungsmaßnahmen, die sie vor den Zwischenwahlen implementiert habe, wie etwa Short-Positionen in US-Dollar und die Ausgabe von Dollar-gebundenen Anleihen, wieder ab. Das Fehlen von Interventionen am Kassamarkt deute darauf hin, dass dieser Prozess geordnet verlaufe und den Weg für eine schrittweise Remonetarisierung und einen nachhaltigen Aufbau der Reserven ebne.

Einige Beobachter würden dafür die experimentelle Geldpolitik, Mileis Exzentrizitäten, Korruption oder die Allianz zwischen Populismus und Oligarchie anführen. Doch die Schwäche des Pesos vor den Zwischenwahlen sei hauptsächlich durch das, was die Einheimischen als "Kuka-Risiko" bezeichneten, getrieben worden – die wahrgenommene Gefahr einer Rückkehr des Kirchnerismus. Mit den Wahlen am 26. Oktober sei dieses Risiko für mindestens zwei Jahre gesunken. Mit seinem erneuerten Mandat sei Präsident Milei nun besser positioniert, um seine Reformagenda voranzutreiben – eine Agenda, die, wenn sie erfolgreich sei, die Diskussion über eine bevorstehende Abwertung zu einem Relikt der Vergangenheit machen könne. (Ausgabe vom 06.11.2025) (07.11.2025/alc/a/a)