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Anleihenmarkt und Nahost-Konflikt: Hoher Wellengang im sicheren Hafen


11.03.26 14:10
FONDS professionell

Wien (www.anleihencheck.de) - Der Krieg rund um den Iran sorgt an den Finanzmärkten für große Nervosität so die Experten von "FONDS professionell".

Die Reaktionen würden dabei allerdings nicht ganz dem aus früheren Krisen vertrauten Muster folgen, sage Serge Nussbaumer, Leiter Public Solutions und Kapitalmarktexperte bei Maverix Securities.

Öl habe zeitweise deutlich über 100 US-Dollar je Fass notiert, die Sorte Brent sei zuletzt sogar kurzzeitig bis nahe 120 Dollar gestiegen. Diese Mischung aus geopolitischem Risiko, realem Angebotsschock, Energiepreisanstieg und unklarer Eskalationsdynamik präge derzeit die Märkte.

Sichere Anleihen unter Druck

Ungewöhnlich sei laut Nussbaumer, dass Staatsanleihen offenbar nur eingeschränkt als klassischer sicherer Hafen funktionieren würden. "In einem herkömmlichen Krisenmuster würden Anleger in großem Umfang in Staatsanleihen investieren, die Kurse würden steigen, und die Renditen würden fallen", so der Experte. Aktuell sei das Bild jedoch differenzierter: "Der Markt reagiert nicht nur auf die Krise selbst, sondern vor allem auch auf die Inflationsgefahr durch den neuen Ölpreissprung." Staatsanleihen würden derzeit stärker über den Inflations- und Zinsausblick gehandelt als über ihre reine Schutzfunktion.

Die Gefahr sei seiner Meinung nach konkreter geworden. "Von einem bloß hypothetischen Inflationsrisiko zu sprechen, wäre inzwischen zu defensiv", meine Nussbaumer. "Der Krieg hat das Risiko eines neuen Inflationsschubs bereits deutlich erhöht." Solange Öl so teuer bleibe, Transportwege im Golf gestört seien und Versicherungs- sowie Frachtkosten steigen würden, wachse die Gefahr von Zweitrundeneffekten. Er sage: "Genau deshalb preisen die Märkte inzwischen nicht nur Unsicherheit, sondern auch das Risiko ein, dass Inflation wieder zäher wird und die Notenbanken länger vorsichtig bleiben müssen."

Warum dieser Ölpreisschock anders sei als früher

Allerdings seien Ölpreisschocks heute nicht mehr eins zu eins mit früheren Krisen vergleichbar. Die ölpreisbedingten ökonomischen Konsequenzen eines Iran-Kriegs dürften daher begrenzter sein als in früheren Jahrzehnten. Höhere Öl- und Gaspreise würden relevant bleiben, so der Maverix-Experte, heute aber auf eine Wirtschaft treffen, die pro Einheit Wertschöpfung weniger energieabhängig sei als in historischen Schockphasen. Genau deshalb dürften die gesamtwirtschaftlichen Folgeschäden begrenzter ausfallen als in historischen Schocks.

Für Anleger bedeute das seiner Meinung nach: Sie sollten nicht pauschal Sicherheit kaufen, sondern sehr bewusst auswählen, welche Teile des Bondmarkts, welche Währungen und welche defensiven Bausteine in diesem Umfeld noch wirklich tragen würden. (11.03.2026/alc/a/a)