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Anleihenmarkt: Renditeaufschläge schrumpfen immer weiter
08.09.14 08:54
Deutsche Börse AG
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Damit hatten die Wenigsten gerechnet: Am Donnerstag senkte die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins auf ein neues Rekordtief von 0,05 Prozent und kündigte außerdem Käufe von mit Krediten besicherten Wertpapieren (ABS) und gedeckten Anleihen wie Pfandbriefen an, so die Deutsche Börse AG.
Weitere unkonventionelle Maßnahmen seien zudem für die Zukunft nicht ausgeschlossen worden. "Das war schon eine Überraschung. Laut Bloomberg hatten nur fünf von 55 Volkswirten eine Leitzinssenkung erwartet", kommentiere Arthur Brunner von ICF Kursmakler. Bundesanleihen hätten sich aber nicht mehr verteuert, vielmehr seien die Kurse am Donnerstag sogar gefallen - gegen den Trend am europäischen Markt. Staatstitel der kriselnden südeuropäischen Länder wie Griechenland, Spanien und Italien hätten zugelegt.
"Ob so eine kleine Zinsveränderung noch einen Effekt hat, kann man bezweifeln", meine Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft. Interessanter seien die Prognosen: "Für 2014 und 2015 rechnet die EZB nun mit einem etwas schwächeren Wachstum in der Eurozone, die Prognose für 2016 wurde aber etwas angehoben." Der Euro-Bund-Future notiere am Freitagmittag bei 150,86 Punkten, zehnjährige Bundesanleihen würden 0,96 Prozent abwerfen. Vergangene Woche seien die Zinsen für zehnjährige Papiere auf ein historisches Tief von 0,88 Prozent gefallen, der Euro-Bund-Future habe ein Rekordhoch von 151,83 Punkten markiert.
"Die Erwartungshaltung für den Kupon der in der kommenden Woche neu in den Markt kommenden zehnjährigen Bundesanleihe geht wieder eher in Richtung der 1 Prozent", erkläre Sabine Tillmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Vergangene Woche sei über einen Zins mit einer Null vor dem Komma spekuliert worden.
Dass der Euro-Bund-Future nicht weiter gefallen sei, habe Brunner zufolge zwei Gründe: "Zum einen hat sich die Lage in der Ukraine etwas entspannt, Bundesanleihen als sicherer Hafen sind daher nicht mehr so gesucht." Zum anderen würden Anleger lieber zu Staatsanleihen der europäischen Peripherie greifen, die höher verzinst würden und - dank der EZB-Politik - ebenfalls als sicher gelten würden. "Hauptprofiteure sind die europäischen Sorgenkinder. Die Renditeaufschläge zu Bundesanleihen liegen auf historischen Tiefs." Die Renditen zweijähriger Irland-Anleihen seien diese Woche sogar erstmals in den Minusbereich gefallen.
Dass auch Spanien keinerlei Probleme bei der Refinanzierung mehr habe, zeige die Begebung einer Anleihe mit 50 Jahren Laufzeit zu Anfang der Woche, die allerdings komplett privat platziert worden sei. Die Spanier müssten lediglich 4 Prozent im Jahr dafür zahlen. "Seitens der Investoren ist es ein mutiger Schritt, Geld für 50 Jahre bei einem solchen Schuldenberg zu verleihen, und nur mit dem Prinzip Hoffnung zu erklären", urteile Klaus Stopp von der Baader Bank. In Börsenkreisen würden solch waghalsige Engagements gerne mit den Worten: "Rückzahlung nicht ausgeschlossen" kommentiert. Daneben habe sich Portugal (ISIN PT0TER0E0014 / WKN nicht bekannt) 3,5 Milliarden Euro bis 2030 zu einem Kupon von 3,875 Prozent geholt. "Der erste Kurs lag bei 99,42 Prozent, jetzt sind es 101,23", melde Brunner.
Die Anleihen zweier Emittenten aus dem High Yield-Bereich hätten letzte Woche deutlich an Wert verloren, wie Tillmann berichte: "Der Waffenproduzent Heckler & Koch kämpft mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die aktuellen Zahlen sollen nicht gut aussehen." Die Anleihe (ISIN XS0626438112 / WKN A1KQ5P) habe zu Wochenbeginn um 20 Prozent nachgegeben, aktuell notiere der Titel bei 79 Prozent, vor einer Woche seien es noch über 95 Prozent gewesen. Auch für die südafrikanische Bekleidungskette Edcon (ISIN XS0596918135 / WKN A1GM2S, ISIN XS0888936118 / WKN A1HF51) sei es bergab gegangen. "Die liquidere Anleihe (ISIN XS0596918135 / WKN A1GM2S) verlor von rund 91,50 Prozent bis kurz über der 80 Prozent-Marke, konnte aber bereits einen Teil des Kursverlustes aufholen."
Daniel melde Nachfrage nach einer Anleihe (ISIN XS1068092839 / WKN A12TV1) des Autozulieferers Mahle, die bei einem Kupon von 2,50 Prozent bis 2021 laufe, und Interesse an einer unbefristeten Fürstenberg-Anleihe, hinter der die Nord LB stecke, mit Kupon von aktuell 5,344 Prozent.
Das Geschäft mit Neuemissionen habe sich nach der Sommerpause wieder belebt. Wie Stopp berichte, habe zum Wochenauftakt die Deutsche Bahn das günstige Zinsumfeld genutzt und eine achtjährige variabel verzinsliche Anleihe (ISIN XS1107266782 / WKN A1ZN7E) mit Fälligkeit September 2022 emittiert. Bei einem Volumen von 300 Millionen Euro liege der Kupon 28 Basispunkte über dem Dreimonats-Euribor. Die Stückelung von 1.000 Euro passe zwar für Kleinanleger, beim aktuellen Preis ergebe sich allerdings eine negative Rendite. Des Weiteren habe Autobauer Toyota eine siebenjährige Anleihe (ISIN XS1107890763 / WKN A1ZPC6) mit Kupon von 1 Prozent und kleinanlegerfreundlicher Stückelung aufgelegt, wie Stopp weiter melde.
Daneben habe das Frankfurter Immobilienunternehmen DIC Asset seine dritte Unternehmensanleihe (ISIN DE000A12T648 / WKN A12T64) platziert. Diese laufe bis 2019 und biete einen Zins von 4,625 Prozent. "Die Anleihe kommt gut an", erkläre Rainer Petz von Close Brothers Seydler. Bei einem Kurs von 101,35 Prozent liege die Rendite am Freitagmittag bei 4,13 Prozent.
Die Schwäche der europäischen Gemeinschaftswährung - am Freitag müssten für einen Euro nur noch 1,2955 US-Dollar gezahlt werden - locke Anleger wieder in Fremdwährungsanleihen. Gesetzt werde Stopp zufolge vor allem auf Papiere in der Türkischen Lira, dem Neuseeland-Dollar, dem US-Dollar sowie dem Südafrikanischen Rand. Auch Daniel berichte von einem regen Handel, besonders in auf Brasilianischen Real lautenden Papiere. "Das geht aber in beide Richtungen." Petz habe ein deutlich gewachsenes Interesse an US-Dollar-Anleihen registriert. Auch für zwei neue T-Mobile-Bonds (ISIN US87264AAN54 / WKN A1ZPC8, ISIN US87264AAM71 / WKN A1ZPDW) mit Kupon von 6,375 und 6 Prozent und Laufzeit bis 2025 und 2023 erwarte er eine rege Nachfrage. Der Handel starte diese Woche. (Ausgabe vom 05.09.2014) (08.09.2014/alc/a/a)
Weitere unkonventionelle Maßnahmen seien zudem für die Zukunft nicht ausgeschlossen worden. "Das war schon eine Überraschung. Laut Bloomberg hatten nur fünf von 55 Volkswirten eine Leitzinssenkung erwartet", kommentiere Arthur Brunner von ICF Kursmakler. Bundesanleihen hätten sich aber nicht mehr verteuert, vielmehr seien die Kurse am Donnerstag sogar gefallen - gegen den Trend am europäischen Markt. Staatstitel der kriselnden südeuropäischen Länder wie Griechenland, Spanien und Italien hätten zugelegt.
"Ob so eine kleine Zinsveränderung noch einen Effekt hat, kann man bezweifeln", meine Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft. Interessanter seien die Prognosen: "Für 2014 und 2015 rechnet die EZB nun mit einem etwas schwächeren Wachstum in der Eurozone, die Prognose für 2016 wurde aber etwas angehoben." Der Euro-Bund-Future notiere am Freitagmittag bei 150,86 Punkten, zehnjährige Bundesanleihen würden 0,96 Prozent abwerfen. Vergangene Woche seien die Zinsen für zehnjährige Papiere auf ein historisches Tief von 0,88 Prozent gefallen, der Euro-Bund-Future habe ein Rekordhoch von 151,83 Punkten markiert.
"Die Erwartungshaltung für den Kupon der in der kommenden Woche neu in den Markt kommenden zehnjährigen Bundesanleihe geht wieder eher in Richtung der 1 Prozent", erkläre Sabine Tillmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Vergangene Woche sei über einen Zins mit einer Null vor dem Komma spekuliert worden.
Dass der Euro-Bund-Future nicht weiter gefallen sei, habe Brunner zufolge zwei Gründe: "Zum einen hat sich die Lage in der Ukraine etwas entspannt, Bundesanleihen als sicherer Hafen sind daher nicht mehr so gesucht." Zum anderen würden Anleger lieber zu Staatsanleihen der europäischen Peripherie greifen, die höher verzinst würden und - dank der EZB-Politik - ebenfalls als sicher gelten würden. "Hauptprofiteure sind die europäischen Sorgenkinder. Die Renditeaufschläge zu Bundesanleihen liegen auf historischen Tiefs." Die Renditen zweijähriger Irland-Anleihen seien diese Woche sogar erstmals in den Minusbereich gefallen.
Die Anleihen zweier Emittenten aus dem High Yield-Bereich hätten letzte Woche deutlich an Wert verloren, wie Tillmann berichte: "Der Waffenproduzent Heckler & Koch kämpft mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die aktuellen Zahlen sollen nicht gut aussehen." Die Anleihe (ISIN XS0626438112 / WKN A1KQ5P) habe zu Wochenbeginn um 20 Prozent nachgegeben, aktuell notiere der Titel bei 79 Prozent, vor einer Woche seien es noch über 95 Prozent gewesen. Auch für die südafrikanische Bekleidungskette Edcon (ISIN XS0596918135 / WKN A1GM2S, ISIN XS0888936118 / WKN A1HF51) sei es bergab gegangen. "Die liquidere Anleihe (ISIN XS0596918135 / WKN A1GM2S) verlor von rund 91,50 Prozent bis kurz über der 80 Prozent-Marke, konnte aber bereits einen Teil des Kursverlustes aufholen."
Daniel melde Nachfrage nach einer Anleihe (ISIN XS1068092839 / WKN A12TV1) des Autozulieferers Mahle, die bei einem Kupon von 2,50 Prozent bis 2021 laufe, und Interesse an einer unbefristeten Fürstenberg-Anleihe, hinter der die Nord LB stecke, mit Kupon von aktuell 5,344 Prozent.
Das Geschäft mit Neuemissionen habe sich nach der Sommerpause wieder belebt. Wie Stopp berichte, habe zum Wochenauftakt die Deutsche Bahn das günstige Zinsumfeld genutzt und eine achtjährige variabel verzinsliche Anleihe (ISIN XS1107266782 / WKN A1ZN7E) mit Fälligkeit September 2022 emittiert. Bei einem Volumen von 300 Millionen Euro liege der Kupon 28 Basispunkte über dem Dreimonats-Euribor. Die Stückelung von 1.000 Euro passe zwar für Kleinanleger, beim aktuellen Preis ergebe sich allerdings eine negative Rendite. Des Weiteren habe Autobauer Toyota eine siebenjährige Anleihe (ISIN XS1107890763 / WKN A1ZPC6) mit Kupon von 1 Prozent und kleinanlegerfreundlicher Stückelung aufgelegt, wie Stopp weiter melde.
Daneben habe das Frankfurter Immobilienunternehmen DIC Asset seine dritte Unternehmensanleihe (ISIN DE000A12T648 / WKN A12T64) platziert. Diese laufe bis 2019 und biete einen Zins von 4,625 Prozent. "Die Anleihe kommt gut an", erkläre Rainer Petz von Close Brothers Seydler. Bei einem Kurs von 101,35 Prozent liege die Rendite am Freitagmittag bei 4,13 Prozent.
Die Schwäche der europäischen Gemeinschaftswährung - am Freitag müssten für einen Euro nur noch 1,2955 US-Dollar gezahlt werden - locke Anleger wieder in Fremdwährungsanleihen. Gesetzt werde Stopp zufolge vor allem auf Papiere in der Türkischen Lira, dem Neuseeland-Dollar, dem US-Dollar sowie dem Südafrikanischen Rand. Auch Daniel berichte von einem regen Handel, besonders in auf Brasilianischen Real lautenden Papiere. "Das geht aber in beide Richtungen." Petz habe ein deutlich gewachsenes Interesse an US-Dollar-Anleihen registriert. Auch für zwei neue T-Mobile-Bonds (ISIN US87264AAN54 / WKN A1ZPC8, ISIN US87264AAM71 / WKN A1ZPDW) mit Kupon von 6,375 und 6 Prozent und Laufzeit bis 2025 und 2023 erwarte er eine rege Nachfrage. Der Handel starte diese Woche. (Ausgabe vom 05.09.2014) (08.09.2014/alc/a/a)
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 125,3702 € | 125,1945 € | 0,1757 € | +0,14% | 01.01./01:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| DE0009652644 | 965264 | 132,00 € | 124,26 € | |
Werte im Artikel
16.04.26
, Helaba
Bund-Future scheitert an 21-Tage-Linie



