Anleihenmarkt: Magerzinsen von soliden Unternehmen


30.11.12 16:40
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Das Aufatmen nach den Beschlüssen über neue Hilfen für Griechenland war nur von kurzer Dauer, so die Deutsche Börse AG.

"Der Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) fiel nach der Einigung knapp unter die Marke von 142, um sich in den folgenden Tagen wieder nach oben zu bewegen", melde Dietmar Blum von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Bei der dritten Verhandlungsrunde der Euro-Finanzminister sei es in der Nacht zum Dienstag zu einer Einigung gekommen: einer Kombination aus Schuldenrückkaufprogramm, Zinssenkungen und längeren Kreditlaufzeiten. Außerdem sollten die Gewinne, die die EZB mit griechischen Anleihen erziele, an Athen gehen.

"Aufgeschoben ist nicht aufgehoben", bemerke Arthur Brunner von ICF Kursmakler mit Blick auf den vorerst vermiedenen Schuldenschnitt. "Ob der Plan aufgeht, wird die Zukunft zeigen." Wichtig für die Bundesregierung sei vor allem, dass dieses Problem kein Wahlkampfthema werde.

"Die Einigung kann über das eigentliche Problem nicht hinwegtäuschen: Die Troika kann sich nicht auf eine endgültige Lösung einigen", kommentiere die HSH Nordbank. Griechenland könne zwar erst einmal durchatmen, vor dem Hintergrund der scharfen Rezession im eigenen Land und dem gesamten Euroraum bleibe die Luft aber dünn. "Auch wenn das Thema Schuldenschnitt für dieses Jahr vom Tisch ist, wird es spätesten 2014 an die Märkte zurückkehren."

Daneben habe in dieser Woche der US-Haushaltskonflikt die Zuversicht gebremst: Am gestrigen Donnerstag habe die Äußerung des republikanischen Repräsentantenhaussprechers John Boehner, er sehe keine substanziellen Fortschritte bei der Bewältigung der fiskalischen Klippe, die Nervosität geschürt. Der Euro-Bund-Future habe sich in dieser Woche jedenfalls leicht nach oben bewegt, nach 142,12 Punkten am vergangenen Freitag notiere das für den deutschen Anleihemarkt richtungsweisende Barometer heute bei 142,91 Punkten. Zehnjährige Bundesanleihen würden mit 1,37 Prozent rentieren.

An den Staatsanleihen der europäischen Peripherieländer sei die Entspannung dennoch deutlich abzulesen: "Die Renditen spanischer, italienischer und portugiesischer Anleihen sind stark zurückgegangen, in Italien sogar auf ein Zweijahrestief", melde Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft. Aktuell würden zehnjährige italienische Papiere mit 4,55 nach 7 Prozent vor einem Jahr rentieren. Für Spanien seien es heute 5,36 nach 7,75 Prozent im Juli. "Das Euro-Armageddon ist abgewendet. Die Griechenland-Hilfen signalisieren, dass auch Spanien und Italien nicht im Regen stehen gelassen werden."

Nach dem Beschluss der Finanzminister über den Rückkauf griechischer Staatsanleihen hätten diese profitiert, wie Arthur Brunner von ICF Kursmakler beobachtet habe - obwohl das Rückkaufangebot für ein Drittel der ausstehenden Anleihen nicht höher als die Schlusskurse von vergangenem Freitag liegen dürfe. Es werde erwartet, dass vor allem griechische Banken das Angebot annehmen würden, für die daraus entstehenden Buchverluste stünden Mittel der EFSF bereit. "Die übrigen Anleihehalter spekulieren entweder auf ein weiteres verbessertes Rückkaufangebot oder sogar auf die volle Rückzahlung am Laufzeitende." Details zum Programm wolle die griechische Regierung Anfang kommender Woche bekannt geben.

Daniel zufolge habe der Plan zu "etwas lebhafteren" Handel in den Papieren geführt. Die bis 2023 laufende Anleihe (ISIN GR0128010676 / WKN A1G1UA) sei leicht im Kurs gestiegen. "Der eigentliche Anstieg fand aber schon vorher statt." Der Kurs habe Ende Mai noch bei 13,50 Prozent gelegen, jetzt seien es 35,77 Prozent. "Ob sich genügend Anleger finden, die einen hohen Abschlag hinnehmen wollen, ist noch offen."

Wenig Aufregendes gebe es in dieser Woche aus dem Handel mit Unternehmensanleihen zu vermelden. Daniel berichte von Verkäufen in einem Daimler-Floater und einer Rabobank-Anleihe in Türkischen Lira (TRY) (ISIN XS0822741111 / WKN A1G83M).

Unverändert gut laufe das Geschäft mit Neuemissionen. "Von vorweihnachtlicher Ruhe ist in diesem Markt noch nichts zu spüren", melde Klaus Stopp von der Baader Bank. Solide Adressen kämen dabei weiter günstig weg: Etwa müsse der Chemiekonzern BASF für eine am Dienstag begebene Anleihe (ISIN DE000A1R0XG3 / WKN A1R0XG) mit Fälligkeit im Dezember 2022 nur 2 Prozent zahlen. Daimler (ISIN DE000A1R0TN7 / WKN A1R0TN) biete für ein bis 2020 laufendes Papier sogar nur 1,75 Prozent. Etwas attraktiver sei eine neue LANXESS-Anleihe mit Kupon von 2,625 Prozent und Laufzeit bis November 2022.

Daneben habe Renault einen bis September 2017 laufenden Bond (ISIN FR0011321447 / WKN A1G9HU) aufgestockt. Der Hellwig Wertpapierhandelsbank zufolge sei die Nachfrage bei Preisen um 100,3 bis 100,4 Prozent gut gewesen. "Trotzdem gab der Kurs im Wochenverlauf etwas nach bis zum Tief bei 100. Danach erholte er sich wieder auf das heutige Niveau." Aktuell koste die Anleihe 100,26 Prozent.

Daneben gebe es zahlreiche neue Mittelstandsanleihen: Zum einen begebe die MS Deutschland-Beteiligungsgesellschaft eine Anleihe (ISIN DE000A1RE7V0 / WKN A1RE7V) mit einem Volumen von bis zu 60 Millionen Euro, wie Daniel erkläre. "Die Laufzeit beträgt fünf Jahre, der Zinssatz liegt bei 6,875 Prozent." Die Zeichnungsfrist beginne am 5. Dezember und laufe bis zum 14. Dezember geplant. Die MS "Deutschland"-Beteiligungsgesellschaft sei Eigentümerin des Kreuzfahrtschiffes MS "Deutschland", auch als "Traumschiff" bekannt.

Zum anderen starte am 3. Dezember die Zeichnungsfrist für eine Anleihe der Homann Holzwerkstoffe GmbH, einem Anbieter von Holzfaserplatten für die Möbel-, Türen-, Beschichtungs- und Automobilindustrie (ISIN DE000A1R0VD4 / WKN A1R0VD). Hier liege der Kupon bei 7 Prozent, die Laufzeit betrage fünf Jahre.

Die PORR-Anleihe habe unterdessen erfolgreich platziert werden können. Das Papier des österreichischen Baukonzerns biete einen Kupon von 6,25 Prozent und laufe bis Dezember 2016. Der Handel sei heute gestartet. "Aktuell liegt der Preis bei 99,5 Prozent, das ergibt eine Rendite von 6,4 Prozent", erkläre Rainer Petz von Close Brothers Seydler. (30.11.2012/alc/a/a)






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ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE0009652644 965264 132,00 € 124,26 €
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