Anleihenmarkt: Abwarten vor Europawahl


23.05.14 14:59
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Angesichts der anstehenden Wahlen zum Europaparlament und in der Ukraine halten sich Anleger im Moment lieber zurück, so die Deutsche Börse AG.

Papiere aus Europas Peripherie würden aber weiter abgestoßen. "Die Anleihen mussten Kursverluste hinnehmen", berichte Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. "Für einige Länder der Peripherie werden starke Stimmgewinne radikaler EU-feindlicher Parteien prognostiziert."

Nach dem Höhenflug in der Vorwoche würden aber auch Bundesanleihen wieder schwächeln. Der für den Anleihemarkt richtungsweisende Euro-Bund-Future liege am Freitagmittag bei 146,00 Prozent nach 146,32 vor einer Woche. Zehnjährige Bundesanleihen würden wieder 1,41 Prozent Rendite abwerfen, vergangenen Freitag seien es 1,33 Prozent gewesen.

Wie Klaus Stopp von der Baader Bank melde, würden etwa griechische (ISIN GR0114028534 / WKN A1ZGWQ) und italienische Staatsanleihen unter Kursverlusten leiden. Auch portugiesische Staatspapiere (ISIN PTOTEMOE0027 / WKN A0T7AG, ISIN PTOTEQOE0015 / WKN A1HKUP) hätten nachgegeben. Dabei habe Portugal vergangene Woche "mediengerecht" den Schutz des EU-Rettungsschirms verlassen. "Hauptgrund für den Anstieg der portugiesischen Zinsen dürfte der überraschend kräftige Rückgang des BIP um 0,7 Prozent im ersten Quartal gewesen sein", kommentiere die HSH Nordbank.

Allerdings werde durchaus unterschieden: "Der Renditeabstand zwischen italienischen und spanischen zehnjährigen Anleihen ist mittlerweile auf 10 Basispunkte gestiegen", merke Arthur Brunner von ICF Kursmakler an. "Italien enttäuscht, etwa ist das BIP im ersten Quartal um 0,1 Prozent geschrumpft." Der Zins von spanischen Neuemissionen sei diese Woche hingegen auf den niedrigsten Stand seit der Währungsunion gefallen. "Für zehnjährige Papiere musste Spanien 2,968 Prozent zahlen, für fünfjährige 1,648 Prozent, das war abermals weniger als im April."

Nicht in den Kursen bemerkbar würden sich Brunner zufolge die heutigen Bonitätshochstufungen für Spanien und Griechenland machen: Standard & Poor's habe die Note für die Iberer um eine Stufe auf "BBB", Fitch das Langfristrating für die Hellenen von "B-" auf "B" angehoben.

Derweil hätten russische Anleihen wieder zugelegt, wie Stopp feststelle. "Vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise stärkt Russland nämlich seine Bande zum Reich der Mitte. Nicht nur militärisch, sondern auch wirtschaftlich wollen die beiden Länder künftig enger kooperieren." Anlegern gefalle das, ein Bond (ISIN XS0089375249 / WKN 249138) der russischen Föderation auf US-Dollar mit Laufzeit bis 2018 sei bis auf 131 Prozent gestiegen, was einer Rendite von rund 3 Prozent entspreche. Die auf US-Dollar lautende russische Staatsanleihe (ISIN XS0971721450 / WKN A1HQXY) mit Fälligkeit 2023 notiere aktuell bei 102,03 Prozent, das ergebe eine Rendite von 4,6 Prozent.

Im Handel mit Corporate Bonds sei die bis 2018 laufende Levi Strauss-Anleihe stark gesucht, wie Thomas Fischer von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft berichte. "Das liegt wahrscheinlich an der aktuellen Rendite von 5,9 Prozent."

Von den Mittelstandsanleihen habe Brunner zufolge Travel24.com (ISIN DE000A1PGRG2 / WKN A1PGRG) unter Druck gestanden. "Eigentlich hätte das Unternehmen am 30. April Geschäftszahlen vorlegen müssen, bislang ist das aber immer noch nicht geschehen." Wegen der verspäteten Veröffentlichung von Zahlen für 2013 habe die Deutsche Börse AG bereits im März dieses Jahres eine Vertragsstrafe gegen Trabel24.com verhängt.

Ale neue Emission sei besonders eine HOCHTIEF-Anleihe gut angekommen, die 2019 fällig sei und einen Kupon von 2,625 Prozent aufweise. "Das ist mit einer Stückelung von 1.000 Euro ein typischer Bond für Privatanleger", bemerke Fischer und melde eine rege Nachfrage.

Reißenden Absatz hätten laut Stopp Coco-Bonds, das stehe für Contingent Convertible Bonds, der Deutschen Bank gefunden. "Wir hatten eine riesige Nachfrage nach der Euro-Tranche, trotz der Stückelung von 100.000 Euro", berichte auch Rainer Petz von Close Brothers Seydler. CoCo-Bonds seien als Anleihen zunächst Fremdkapital, würden sich aber verwandeln, wenn eine Bank in Schwierigkeiten gerate, automatisch in haftendes Kapital. Die Gläubiger würden dann ihre Rückzahlungsansprüche verlieren.

Die erste Tranche (ISIN DE000DB7XHP3 / WKN DB7XHP) laute auf Euro, der Kupon liege bei 6 Prozent, die zweite (ISIN XS1071551474 / WKN DB7XHW) auf US-Dollar mit 6,25 Prozent und die dritte (ISIN XS1071551391 / WKN DB7XHR) auf Britisches Pfund mit 7,125 Prozent. "Zu verschenken hat der deutsche Banken-Primus aber nichts", gebe Stopp zu bedenken, hohe Rendite bedeute hohes Risiko. Auch die Präsidentin der Finanzaufsicht BaFin, Elke König, habe darauf hingewiesen, dass die neuartigen Anleihen nicht für alle Anleger geeignet seien.

Noch bis zum 30. Mai um 12 Uhr könnten Anleger eine Anleihe (ISIN DE000A11QHZ0 / WKN A11QHZ) der HanseYachts über die Börse Frankfurt zeichnen. Das Papier laufe bis 2019 und werde mit 8 Prozent verzinst. Das Unternehmen baue Segelyachten und komme nach eigener Einschätzung auf einen weltweiten Marktanteil von rund 13 Prozent. Produziert werde an zwei Standorten: Im polnischen Goleniow und am Firmensitz Greifswald.

Bis heute 17 Uhr könne ein Anleihen-ähnlicher Genussschein des Pflegeheimbetreibers SeniVita gezeichnet werden. In den Handel komme das Papier am kommenden Dienstag. (23.05.2014/alc/a/a)





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