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Anleihenmärkte: Europa profitiert als sicherer Hafen
26.06.25 11:45
Vanguard
London (www.anleihencheck.de) - Der globale Handelskonflikt hat die Anleihenmärkte in den vergangenen Wochen erschüttert. Warum europäische Investment-Grade-Anleihen von der Suche nach sicheren Häfen besonders profitieren – und warum sie erwartet, dass sich die Risikoaufschläge mittelfristig wieder auf ihren historischen Tiefständen einpendeln dürften, erläutert Suparna Sampath, Fixed Income Spezialistin bei Vanguard Europe, in ihrem Marktkommentar.
Die Anleihemärkte seien zuletzt von hoher Volatilität geprägt gewesen. Insbesondere die Spannungen in den internationalen Handelsbeziehungen, Inflationsdruck und ausufernde Defizite hätten die Renditen in die Höhe getrieben. Ein Beispiel: In den USA habe die Rendite auf dreißigjährige Staatsanleihen die Fünf-Prozent-Marke durchbrochen, nachdem die geplante Steuerreform mit knapper Mehrheit das Repräsentantenhaus passiert habe. Der Gesetzentwurf sehe weitreichende Steuersenkungen vor, die das ohnehin wachsende Haushaltsdefizit der USA wohl noch vergrößern dürften. Der Treasury-Markt habe mit steigenden Renditen reagiert, und die unerwartet schwache Nachfrage nach dreißigjährigen US-Staatsanleihen bei einer Auktion habe die Sorge um das ausufernde Defizit des Landes weiter geschürt.
Auch die europäischen Staatsanleihemärkte seien unter Druck geraten: Die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen sei auf 2,51 Prozent gestiegen, und auch in der Peripherie hätten Haushaltsdefizite, Inflation und Handelsrisiken Volatilität ausgelöst. Die Deeskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China durch ein Zollmoratorium hätte den Markt gestützt, weshalb sowohl US- als auch europäische Unternehmensanleihen den Monat mit Gewinnen beendet hätten. Globale Unternehmensanleihen seien weiterhin attraktiver als Bargeld und würden wahrscheinlich Mehrrenditen abwerfen, sollten die Märkte weitere Zinssenkungen einpreisen. Trotz der hohen Volatilität würden Anleihen weiterhin attraktive Renditen abwerfen. Daran dürfte sich auch mit Blick auf die möglichen Szenarien mittelfristig nichts ändern. Es sei zu erwarten, dass sich die Risikoaufschläge wieder auf ihren historischen Tiefständen einpendeln würden.
Die Fundamentaldaten europäischer Investment-Grade-Unternehmen seien nach wie vor robust und die meisten Unternehmen gut für etwaige Zollanhebungen aufgestellt. Im Vergleich zu den langfristigen historischen Werten hätten sich die Gewinnmargen gut gehalten, während der Nettoverschuldungsgrad insgesamt weitgehend stabil geblieben sei. In den kommenden Monaten dürfte der europäische Anleihemarkt von der Suche nach risikoarmen Renditequellen profitieren. Expansive Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank und ein sprunghafter Anstieg der negativ verzinsten "sicheren Häfen" wie Schweizer Staatsanleihen dürften insbesondere das Wachstum und die Nachfrage nach europäischen Investment-Grade-Anleihen ankurbeln. Bereits im Mai seien Anleihen im Wert von 100 Milliarden Euro auf den Markt gekommen, mit rund 400 Milliarden Euro seit Jahresbeginn hätte das Emissionsvolumen ein neues Rekordniveau erreicht. Allerdings sei in der zweiten Jahreshälfte mit einem Rückgang zu rechnen, sodass das Netto-Neuemissionsvolumen insgesamt auf Vorjahresniveau liege oder sogar leicht zurückgehen dürfte.
Die Kreditrisikoaufschläge bei globalen Unternehmensanleihen seien gesunken, in einigen Bereichen scheinen die Bewertungen jedoch inzwischen exzessiv. Dennoch gebe es Potenzial bei ausgewählten Investment-Grade-Emittenten – insbesondere in Europa, wo die Fundamentaldaten nach wie vor robust seien und die Bewertungen im Vergleich zum US-Markt weiterhin attraktiv erscheinen würden. Bei den knappen Bewertungen im High-Yield-Segment sei dagegen Vorsicht geboten, zumal riskantere Emittenten im Falle einer Rezession wohl stärker unter Druck geraten würden. Auch in den Schwellenländern hätten die Risikoaufschläge wieder Tiefstände erreicht und die Bewertungen seien weniger überzeugend. In diesem Bereich komme es auf eine sorgfältige Auswahl an. Potenzial gebe es sowohl innerhalb als auch zwischen verschiedenen EM-Marktsegmenten. (26.06.2025/alc/a/a)
Die Anleihemärkte seien zuletzt von hoher Volatilität geprägt gewesen. Insbesondere die Spannungen in den internationalen Handelsbeziehungen, Inflationsdruck und ausufernde Defizite hätten die Renditen in die Höhe getrieben. Ein Beispiel: In den USA habe die Rendite auf dreißigjährige Staatsanleihen die Fünf-Prozent-Marke durchbrochen, nachdem die geplante Steuerreform mit knapper Mehrheit das Repräsentantenhaus passiert habe. Der Gesetzentwurf sehe weitreichende Steuersenkungen vor, die das ohnehin wachsende Haushaltsdefizit der USA wohl noch vergrößern dürften. Der Treasury-Markt habe mit steigenden Renditen reagiert, und die unerwartet schwache Nachfrage nach dreißigjährigen US-Staatsanleihen bei einer Auktion habe die Sorge um das ausufernde Defizit des Landes weiter geschürt.
Die Fundamentaldaten europäischer Investment-Grade-Unternehmen seien nach wie vor robust und die meisten Unternehmen gut für etwaige Zollanhebungen aufgestellt. Im Vergleich zu den langfristigen historischen Werten hätten sich die Gewinnmargen gut gehalten, während der Nettoverschuldungsgrad insgesamt weitgehend stabil geblieben sei. In den kommenden Monaten dürfte der europäische Anleihemarkt von der Suche nach risikoarmen Renditequellen profitieren. Expansive Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank und ein sprunghafter Anstieg der negativ verzinsten "sicheren Häfen" wie Schweizer Staatsanleihen dürften insbesondere das Wachstum und die Nachfrage nach europäischen Investment-Grade-Anleihen ankurbeln. Bereits im Mai seien Anleihen im Wert von 100 Milliarden Euro auf den Markt gekommen, mit rund 400 Milliarden Euro seit Jahresbeginn hätte das Emissionsvolumen ein neues Rekordniveau erreicht. Allerdings sei in der zweiten Jahreshälfte mit einem Rückgang zu rechnen, sodass das Netto-Neuemissionsvolumen insgesamt auf Vorjahresniveau liege oder sogar leicht zurückgehen dürfte.
Die Kreditrisikoaufschläge bei globalen Unternehmensanleihen seien gesunken, in einigen Bereichen scheinen die Bewertungen jedoch inzwischen exzessiv. Dennoch gebe es Potenzial bei ausgewählten Investment-Grade-Emittenten – insbesondere in Europa, wo die Fundamentaldaten nach wie vor robust seien und die Bewertungen im Vergleich zum US-Markt weiterhin attraktiv erscheinen würden. Bei den knappen Bewertungen im High-Yield-Segment sei dagegen Vorsicht geboten, zumal riskantere Emittenten im Falle einer Rezession wohl stärker unter Druck geraten würden. Auch in den Schwellenländern hätten die Risikoaufschläge wieder Tiefstände erreicht und die Bewertungen seien weniger überzeugend. In diesem Bereich komme es auf eine sorgfältige Auswahl an. Potenzial gebe es sowohl innerhalb als auch zwischen verschiedenen EM-Marktsegmenten. (26.06.2025/alc/a/a)


