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Anleihenmärkte: Auf die Selektion kommt es an
10.02.25 09:45
Vanguard
London (www.anleihencheck.de) - Die Rahmenbedingungen für die Kreditmärkte sind nach wie vor gut, so Kelly Gemmell, Head of Fixed Income Product Specialism, Vanguard Europe.
Investoren könnten auch weiterhin mit attraktiven Renditen rechnen, müssten jedoch selektiv sein, was Regionen und Branchen angehe. Mit einer weiteren Spread-Verengung rechne die Expertin nicht.
Die Kreditmärkte würden sich weiterhin auf einem außergewöhnlichen Niveau befinden, geprägt von historisch engen Spreads und robusten Unternehmensbilanzen. Während sich das Wirtschaftswachstum insbesondere in den USA als stabiler Treiber für die Kreditmärkte erwiesen habe, bleibe die weitere Entwicklung maßgeblich von der Geldpolitik der Zentralbanken und der Inflationsdynamik abhängig, erläutere Gemmell.
Starke wirtschaftliche Rahmenbedingungen hätten 2024 zu überdurchschnittlichen Renditen bei festverzinslichen Anlagen geführt - mit den höchsten Gewinnen bei Anleihen mit niedrigerem Rating. Gemmell dazu: "Die positive US-Wachstumsstory hat Kreditspreads über verschiedene Sektoren hinweg auf Mehrjahrestiefs gedrückt. Die Spreads sind zwar eng, doch die wirtschaftliche Dynamik und die soliden Bilanzen der Emittenten rechtfertigen diese Bewertungen."
Trotz dieser positiven Marktverfassung sehe Vanguard nur begrenzten Spielraum für eine weitere Spread-Verengung. Die jüngsten Inflationsentwicklungen hätten die Federal Reserve zu einer vorsichtigeren Haltung veranlasst, was die Performance risikobehafteter Anlagen belasten könnte. "Die Geschichte zeigt, dass Kreditspreads über längere Zeiträume hinweg auf engem Niveau verharren können, insbesondere in den späten Phasen eines wirtschaftlichen Expansionszyklus. Falls die Spreads ihr aktuelles Niveau halten, sollten Unternehmensanleihen aufgrund ihrer höheren Anfangsrenditen Staatsanleihen übertreffen", erkläre Gemmell weiter.
Vanguard gehe davon aus, dass Kreditspreads in den kommenden Monaten innerhalb einer engen Bandbreite bleiben würden. Das Unternehmen bleibe grundsätzlich positiv gegenüber Kreditrisiken eingestellt, halte jedoch eine unterdurchschnittliche Allokation aufrecht.
Regionale Unterschiede seien dabei von zentraler Bedeutung. "In den USA erwarten wir 2025 eine erhöhte Volatilität, da neue Handels-, Steuer- und Einwanderungspolitiken diskutiert und möglicherweise umgesetzt werden. Sollte sich die fundamentale Kreditqualität nicht verschlechtern, könnten diese Phasen Gelegenheiten bieten, selektiv Kreditrisiken hinzuzufügen", betone Gemmell.
Innerhalb der Portfolios setze Vanguard verstärkt auf Nachzügler-Sektoren, die noch nicht in vollem Umfang von der Spread-Verengung profitiert hätten. Dabei läge ein Fokus auf europäischen Unternehmensanleihen, die im Vergleich zu US-Krediten höhere Spreads aufweisen würden. "Innerhalb Europas bevorzugen wir nicht-zyklische Unternehmen sowie Finanzwerte. In den USA hingegen bleiben wir defensiv und konzentrieren uns auf selektive Chancen im High-Yield-Segment sowie in den Schwellenländern", so die Expertin.
Die ideale Marktlage für Anleiheinvestoren wäre ein Umfeld mit anhaltendem Wirtschaftswachstum und gleichzeitig rückläufiger Inflation, das den Zentralbanken größere Spielräume für Zinssenkungen eröffnen würde. Allerdings gebe es auch alternative Szenarien, die die Märkte beeinflussen könnten:
Moderates Szenario: Falls die Inflationsfortschritte stagnieren würden, könnte die FED eine Pause bei Zinssenkungen einlegen oder sogar erneute Erhöhungen in Betracht ziehen. Dies könnte zu Wachstumsängsten führen und die Kreditspreads ausweiten.
Negatives Szenario: Die herausforderndste Lage für die Kreditmärkte wäre eine Phase anhaltend schwacher Konjunktur. Steigende Rezessionsängste würden zu deutlich höheren Spreads führen, auch wenn die Auswirkungen möglicherweise durch unerwartete Zinssenkungen der Zentralbanken abgemildert würden. "Dieses Risiko ist kurzfristig zwar gering, könnte jedoch im Verlauf des Jahres 2025 an Bedeutung gewinnen", warne Gemmell.
Angesichts der aktuellen Rahmenbedingungen bleibe Vanguard konstruktiv für Anleihenmärkte, sehe jedoch begrenztes Potenzial für eine weitere Spread-Einengung. Investoren könnten weiterhin von attraktiven Renditen profitieren, sollten jedoch selektiv vorgehen und sich auf Qualität sowie taktische Anpassungen im Portfolio konzentrieren. (10.02.2025/alc/a/a)
Investoren könnten auch weiterhin mit attraktiven Renditen rechnen, müssten jedoch selektiv sein, was Regionen und Branchen angehe. Mit einer weiteren Spread-Verengung rechne die Expertin nicht.
Die Kreditmärkte würden sich weiterhin auf einem außergewöhnlichen Niveau befinden, geprägt von historisch engen Spreads und robusten Unternehmensbilanzen. Während sich das Wirtschaftswachstum insbesondere in den USA als stabiler Treiber für die Kreditmärkte erwiesen habe, bleibe die weitere Entwicklung maßgeblich von der Geldpolitik der Zentralbanken und der Inflationsdynamik abhängig, erläutere Gemmell.
Starke wirtschaftliche Rahmenbedingungen hätten 2024 zu überdurchschnittlichen Renditen bei festverzinslichen Anlagen geführt - mit den höchsten Gewinnen bei Anleihen mit niedrigerem Rating. Gemmell dazu: "Die positive US-Wachstumsstory hat Kreditspreads über verschiedene Sektoren hinweg auf Mehrjahrestiefs gedrückt. Die Spreads sind zwar eng, doch die wirtschaftliche Dynamik und die soliden Bilanzen der Emittenten rechtfertigen diese Bewertungen."
Trotz dieser positiven Marktverfassung sehe Vanguard nur begrenzten Spielraum für eine weitere Spread-Verengung. Die jüngsten Inflationsentwicklungen hätten die Federal Reserve zu einer vorsichtigeren Haltung veranlasst, was die Performance risikobehafteter Anlagen belasten könnte. "Die Geschichte zeigt, dass Kreditspreads über längere Zeiträume hinweg auf engem Niveau verharren können, insbesondere in den späten Phasen eines wirtschaftlichen Expansionszyklus. Falls die Spreads ihr aktuelles Niveau halten, sollten Unternehmensanleihen aufgrund ihrer höheren Anfangsrenditen Staatsanleihen übertreffen", erkläre Gemmell weiter.
Regionale Unterschiede seien dabei von zentraler Bedeutung. "In den USA erwarten wir 2025 eine erhöhte Volatilität, da neue Handels-, Steuer- und Einwanderungspolitiken diskutiert und möglicherweise umgesetzt werden. Sollte sich die fundamentale Kreditqualität nicht verschlechtern, könnten diese Phasen Gelegenheiten bieten, selektiv Kreditrisiken hinzuzufügen", betone Gemmell.
Innerhalb der Portfolios setze Vanguard verstärkt auf Nachzügler-Sektoren, die noch nicht in vollem Umfang von der Spread-Verengung profitiert hätten. Dabei läge ein Fokus auf europäischen Unternehmensanleihen, die im Vergleich zu US-Krediten höhere Spreads aufweisen würden. "Innerhalb Europas bevorzugen wir nicht-zyklische Unternehmen sowie Finanzwerte. In den USA hingegen bleiben wir defensiv und konzentrieren uns auf selektive Chancen im High-Yield-Segment sowie in den Schwellenländern", so die Expertin.
Die ideale Marktlage für Anleiheinvestoren wäre ein Umfeld mit anhaltendem Wirtschaftswachstum und gleichzeitig rückläufiger Inflation, das den Zentralbanken größere Spielräume für Zinssenkungen eröffnen würde. Allerdings gebe es auch alternative Szenarien, die die Märkte beeinflussen könnten:
Moderates Szenario: Falls die Inflationsfortschritte stagnieren würden, könnte die FED eine Pause bei Zinssenkungen einlegen oder sogar erneute Erhöhungen in Betracht ziehen. Dies könnte zu Wachstumsängsten führen und die Kreditspreads ausweiten.
Negatives Szenario: Die herausforderndste Lage für die Kreditmärkte wäre eine Phase anhaltend schwacher Konjunktur. Steigende Rezessionsängste würden zu deutlich höheren Spreads führen, auch wenn die Auswirkungen möglicherweise durch unerwartete Zinssenkungen der Zentralbanken abgemildert würden. "Dieses Risiko ist kurzfristig zwar gering, könnte jedoch im Verlauf des Jahres 2025 an Bedeutung gewinnen", warne Gemmell.
Angesichts der aktuellen Rahmenbedingungen bleibe Vanguard konstruktiv für Anleihenmärkte, sehe jedoch begrenztes Potenzial für eine weitere Spread-Einengung. Investoren könnten weiterhin von attraktiven Renditen profitieren, sollten jedoch selektiv vorgehen und sich auf Qualität sowie taktische Anpassungen im Portfolio konzentrieren. (10.02.2025/alc/a/a)


