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Anleihen von US-Banken attraktiv


03.06.16 08:43
Legg Mason

Baltimore (www.anleihencheck.de) - Drei Gründe haben die Märkte in den ersten Monaten dieses Jahres kräftig durchgeschüttelt: ein schwächeres Wirtschaftswachstum in China, der freie Fall bei den Rohstoffpreisen und die schwache Performance der Aktien und Anleihen von Banken. Alle drei Risiken kommen nun langsam vom Tisch, glaubt Ken Leech, CIO bei der auf Anleihen spezialisierten Legg Mason-Tochter Western Asset.

Und in Kombination mit den Verschiebungen bei Politik und Wortwahl der Zentralbank kämen wir nun langsam wieder in eine bessere Ausgangslage, glaube der Experte: "Wir glauben zwar auch nicht, dass das Wirtschaftswachstum in den USA fantastisch ist, aber es ist ausreichend. Bezieht man nun noch den starken Rückenwind in Form der entgegenkommenden FED-Politik in die Gleichung mit ein, sollte die Erholung weitergehen. Ich würde sogar so weit gehen, dass wir zum Ende dieses Jahres wieder einen Aufwärtstrend sehen."

Insbesondere Anleihen von US-Banken böten derzeit interessante Kaufgelegenheiten, da sie sich seit ihrem Tief im ersten Quartal noch nicht erholt hätten - zumindest noch nicht so sehr, wie die amerikanische Wirtschaft, was Raum für einen weiteren Anstieg bieten könnte, glaube Anleiheveteran Leech: "Wir gehen davon aus, dass Banken sich noch bedeutend weiter verbessern können. US-Banken sind derzeit die Wette, von der wir vollends überzeugt sind. Wir fanden, dass der erhebliche Abschwung bei den Spreads und die Preise von Bankanleihen mit Investment Grade Rating im Vergleich zu Staatsanleihen ungerechtfertigt waren."

Eines der Hauptthemen für Leech und seine Kollegen sei darüber hinaus die Tatsache, dass US- und globale Staatsanleihen durch die niedrigen Zinsen geprägt seien. Ein Bärenmarkt bei US-Staatsanleihen sei schlicht nicht in Aussicht. Die echten Chancen lägen aber wohl eher in den Themen der Spread-Sektoren. "Diese Art von Marktumfeld mit gesunkenen und damit sehr attraktiven Bewertungen, vernünftigen Wachstumsraten und gestützt von der Zentralbankpolitik bietet alles, was wir als chancenreich für diese Sektoren werten", führe Leech aus. Und die Aktionen der FED gäben ebenfalls Aufschluss auf das Wachstum in den USA und weltweit: "So viele haben sich wieder und wieder die folgenden Fragen gestellt: Zieht die FED die Zinsen weiter an? Und wenn ja, wann? Nun haben sich die Gründe, warum die FED weitere Zinsschritte aussetzen wird, geändert. Aus unserer Sicht ist der Dreh- und Angelpunkt der FED nun sehr fokussiert und konzentriert sich auf Risikomanagement, anstatt einfach nur den Zahlen zu folgen und dies dem Markt mitzuteilen."

Dennoch: Aufgrund der schwachen weltweiten Nachfrage und potenziellen Einbrüchen könne die Situation immer noch sehr schnell sehr brenzlig werden. Diese Gefahr bleibe und man dürfe nicht unverbesserlich optimistisch darüber hinweggehen. Dennoch sei das Glas halb voll, denn in eben diesen Situationen seien die Zentralbanken in der Regel sehr entgegenkommend und würden es auch dieses Mal sein, glaube Leech. "Es gibt derzeit keine unmittelbare kurzfristige Inflationsgefahr und damit keinen Grund für die Zentralbanken, aggressiv zu sein." Und genau dies spiegle sich aktuell in den Reaktionen weltweit wider.

Und auch in Bezug auf die Emerging Markets könnten Investoren langsam wieder aufatmen, glaubt Leech: "Es ist gut möglich, dass die Schwellenländer ihre Talsohle nun durchschritten haben." Mit Blick auf China würden sich die dortigen Bedingungen langsam entspannen. Einige Wirtschaftsdaten würden bereits darauf hinweisen, dass der Abwärtszug langsam abebbe, was viele Ängste einer harten Ladung in China nun zerstreue.

Nach seiner Meinung zum Ölpreis befragt, sage Leech: "Wir dachten, eine Ölpreisspanne zwischen 40 und 60 US-Dollar sei nicht unvernünftig. Deshalb haben wir uns entschieden, das untere Ende dieser Spanne zu wählen und glauben stark daran, dass es bis zum Ende des Jahres halten wird. Offensichtlich sind wir sehr zufrieden mit dieser Einschätzung und sind wie viele andere Investoren auch überrascht, wie schnell der Ölpreis zurück auf 40 US-Dollar gesprungen ist." (Ausgabe vom 02.06.2016) (03.06.2016/alc/a/a)